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Nun hat man wohl gesagt, Lampert schrieb scheinbar unparteiisch, um unter dieser Maske sicherer zu verleumden, oder er lieſs in dieser Absicht seinen Annalen die harmlos erscheinende Form eines Werkes von Adam bis zur Gegenwart. Aber dann hätte Lampert bei aller Raffiniertheit sehr einfältig gehandelt. Denn ein so umfang- reiches Buch, belastet mit dem Schwalle Lampertscher Reden, konnte ja politisch gar nicht wirken. Und wenn Holder-Egger insbesondere die politische Beeinflussung der Abtei Hersfeld als Zweck des Lampertschen Buches bezeichnet, wie stimmt dies zu der Beobachtung Holder-Eggers, die besser gegründet ist, daſs Lampert dem Abte Hartwig selbst empfindliche Hiebe versetzte? Würde ein so schlau berechnender Mann, wie Lampert nach Holder-Eggers Theorie gewesen sein muſs, so verfahren gegen einen Mann, den er mit demselben Buche für ein leidenschaftlich angestrebtes Ziel gewinnen will? Und sollte Lampert einfältig genug gewesen sein, um nicht zu wissen, daſs für sein Kloster die Parteinahme zwischen beiden Königen von ganz anderen Erwägungen ab- hängig sein mufste als von der platonischen Vorliebe für den einen oder anderen Prätendenten?
Ranke hatte 1855 vorsichtig geäufsert: Lamperts Werk war„mit dazu ange- than“, die Wahl des Gegenkönigs zu rechtfertigen. Angethan ja, aber nicht in dieser Absicht gerade so gehalten. Der letzte Teil von Lamperts Werk ist es, der allerdings zu der Vermutung Anlaſs giebt, daſs der Schrift Lamperts eine Beziehung zur Wahl des Gegenkönigs innewohne. Folgen wir Lampert auf die Versammlung von Tribur Mitte Oktober 1076 bis weiter nach Canossa und wieder von da in die lombardischen Städte, wo Heinrichs Bufsgang lebhaftes Murren erregte, dann endlich wieder nach Deutschland, wo die Lehnsträger Heinrichs die Gegenwahl von Forchheim vorbereiteten, so ist die Erzählung Lamperts— dies läſst sich nicht verkennen— ganz sichtlich auf die Not- wendigkeit der Entthronung Heinrichs zugespitzt. Je weiter gegen Ende, um so mehr zeigen sich unrichtige Anschauungen und schiefe Darstellungen. Schon die Abmachungen von Tribur, wo die päpstlichen Legaten mit den Reichsfürsten tagten, und dem gegen- überliegenden Oppenheim, wo sich Heinrich aufhielt, sind in der Lampertschen Dar- stellung erst zu brauchen, wenn wir Lamperts Bericht in die Einzelheiten auflösen und dann das Einzelne anders zusammensetzen. Darauf folgen bei Lampert in sachgemäſser Erzühlung die weiteren Begebnisse bis zu Heinrichs Eintritt in die Burg von Canossa am 25. Januar 1077. Von dem Augenblicke an, da die Verhandlungen Heinrichs mit dem Papste beginnen, wird Lamperts Darstellung vollkommen verwirrt.
König Heinrich erzwang sich zu Canossa die päpstliche Absolution durch anhaltende Buſsübungen und durch den Beistand der Markgräfin Mathilde von Canossa. Heinrich hatte vor der Absolution dem Papste ein eidliches Versprechen ablegen müssen, dessen Wortlaut erhalten ist. Heinrich gelobte etwaige Reisen des Papstes oder seiner Boten und Bevollmächtigten über die Alpen oder sonst wohin nicht hindern, sie sogar seinerseits und in der Person der ihm Unterstellten durch Sicherheit fördern und in den Beschwerde- punkten der deutschen Fürsten nach dem Schiedsspruche des Papstes Genugthuung leisten oder sich vergleichen zu wollen. Bei dem Empfange der endlich eingelassenen Bülser


