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Zeiten nachher waren Zeiten der heftigsten Parteiung im deutschen Reiche. Mehr als einmal hatte es den Anschein gehabt, als ob des dritten Saliers Königtum zusammen- brechen sollte; immer aber hatte sich Heinrich den ihm gelegten Schlingen entwunden. Verloren glaubte man die Sache des Königs im Herbste 1076, als sich die heimischen Widersacher mit dem Papste Gregor verbinden wollten. Überrascht, verblüfft war die Welt im Frühjahre 1077 durch die neue Gestaltung der Dinge. Unerwartet hatte Hein- rich die Fesseln des Kirchenbannes abgestreift. Der Friede von Canossa, ein Werk der Frauenpolitik, ein Friede faul wie andere Friedensschlüsse, die Heinrich notgedrungen eingegangen war, schuf eine ganz neue, vordem nie dagewesene Lage, eine Lage voll. neuer Widersprüche und neuer Verwicklungen. Die deutschen Grofsen gingen nunmehr auf eigene Hand vor; im März 1077 erhoben sie zu Forchheim den Gegenkönig. Gregor stand verlegen bei Seite; der vom Banne gelöste Heinrich vermochte den Hochverrätern die Spitze zu bieten; wer die Oberhand behalten würde, blieb fraglich.— Wollte Lampert in diesem Augenblicke dem Gegenkönige nützen? seine Wahl rechtfertigen? Wollte er die Hersfelder, wollte er weitere Mächte dem Könige Heinrich abspenstig machen?
Abt Hartwig von Hersfeld hatte zu Heinrich in nahen Beziehungen gestanden und erfuhr auch nach der Gegenwahl noch Auszeichnungen durch den König. Aller Wahrscheinlichkeit nach stand Hersfeld auch im Jahre 1077 treu zu dem rechtmälſsigen Könige; darum können aber die Meinungen innerhalb Hersfelds doch geteilt gewesen sein. Hörte man ja doch im ganzen Lande den Ruf:„hie Heinrich“,„hie Rudolf!“ Überall gab es Wühlereien, auch Schriften und Gegenschriften vertraten damals den sächsisch- partikularistischen oder den gegenköniglichen, den hildebrandischen oder heinricianischen Standpunkt. Auch Lamperts Werk trägt deutlich den Stempel dieser streiterfüllten Zeiten; auch Lampert hat Partei ergriffen, er hält den Untergang des Salierkönigs für selbstverständlich. Aber Lampert verrät nirgends Interesse für die Sache des Gegen- königs; vor der Gegenwahl bricht er ab, ohne etwa die Segnungen des neuen Kurses zu preisen. Lamperts Werk zeigt nirgends den einheitlichen Charakter, der die Streitschrift kennzeichnet: es ist gehalten in der überlieferten Form annalistischer Reichs- geschichte mit den neulich beschriebenen subjektiven, feuilletonistischen Zusätzen. Noch mehr, selbst als zusammenhängende Reichsgeschichte betrachtet, läſst Lamperts Werk gerade die Einheitlichkeit auffallend vermissen. Der Verfasser widerspricht zuweilen seinen eigenen Angaben; ihn fesselt das Einzelne, die Scene; sein Buch ist eine Sammlung von Einzelaufsätzen. Jede Einzeldarstellung dieser Art wird durch ein bestimmtes Leitmotiv beherrscht: bei der Synode von Erfurt(1073) ist es der Zorn über den Hersfeld zugefügten Schaden, über das herrische Auftreten des Königs, über die Schwäche der Mithandelnden, die keinen Widerspruch wagen, über den Umfall des Abtes von Hersfeld.(L. p. 144) Wo Lampert den Goslarer Kirchenskandal erzählt, bildet die Entrüstung über die weltliche Frivolität an der heiligen Stätte die Melodie: nichtswürdig erscheint es Lampert, daſs der ganze Handel nachher mit Geld abgemacht wurde.(L. p. 82.) Dabei ist der Zorn des Schriftstellers in jedem Einzelfalle unver- kennbar ächt, mag er sich gegen den König richten oder gegen einzelne seiner damaligen
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