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oder in Einzelheiten von Lampert einfach Livius zu Liebe aufgenommen worden ohne thatsächliche Unterlage. So soll auch die winterliche Canossareise Heinrichs IV., bei welcher der Mont Cenis überschritten wurde, nach dem Alpenübergange Hannibals gearbeitet sein. Indes hat dies Verfahren bei den übrigen Gelehrten doch wenig Anklang gefunden. ³)
Zwei aus der Schule von Brefslau in Straſsburg hervorgegangene Dissertationen von Kubo und von Dieffenbacher, beide 1890 erschienen, stellen die— seit Delbrück lange Jahre ziemlich verschollene— Lügenhaftigkeit Lamperts ausdrücklich in Abrede; aber sie bezweifeln Lamperts historiographische Fähigkeit, meinen, er habe sich nicht immer gute Nachrichten verschaffen können, und wollen die Ursachen seiner Irrtümer durch den Nachweis seiner Eigentümlichkeiten aufklären. Dabei spielt nun ein wohl von Professor Breſslau gelegentlich geltend gemachtes, von den beiden jungen Herren dann weiter ausgesponnenes Moment eine hervorragende Rolle, nämlich das„Typische“. Dieffenbacher widmet diesem„Typus“ 71 Seiten. Lampert, so wird ausgeführt, benutzt für seine Erzählungen sehr oft dasselbe Schema; nach feststehendem Schema werden zum Beispiel Verschwörungen, Reden, Verhandlungen, Kämpfe dargestellt: die gleichen Situationen wiederholen sich in auffallender Weise und werden manchmal mit denselben Worten wiederholt vorgetragen. Das Auftreten dieser typischeu Darstellungsweise bei Lampert soll dann seine ungenaue Sachkenntnis in dem betreffenden Einzelfalle verraten; es soll dann nur für glaubwürdig gelten, was auch durch andere Quellen belegt werden kann. Nach dieser Regel streicht Dieffenbacher eine ganze Reihe von Nachrichten Lamperts aus. Wenn zum Beispiel Lampert erzählt, man habe die Intimität der Be- ziehungen zwischen der Kaiserin-Witwe Agnes und dem Bischofe Heinrich von Augsburg recht übel gedeutet, und wenn er später ähnlicher Nachreden über Gregor VII. und die Markgräfin Mathilde gedenkt, so gehören die Nachrichten über das Vorhandensein dieser Nachreden— deren Richtigkeit übrigens Lampert selber gar nicht behauptet hat— unter den Typus„Fürstliche Frauen und hochgestellte Geistlichet, sind also wahnhafter Natur, als ob der diesbezügliche Klatsch nicht typisch wäre für die Menschen aller Zeiten. Khnlich wird verfahren, wenn der König Heinrich bei mehreren Gelegenheiten herrisch auftritt oder wenn er öfter krank und nach einigen Tagen wieder gesund wird; solche Nachrichten führt Dieffenbacher auf typische Wahnvorstellungen zurück, ohne zu bedenken, dafs sich diesmal wahrscheinlich die Situationen aus denselben Ursachen heraus wirklich wiederbolt haben.
Ich behaupte, das Auftauchen solcher Spitzfindigkeiten ist das Anzeichen einer Überreizung der Lampertkritik. Charakteristisch ist die Thatsache, daſs ein hervor- ragender Gelehrter wie Meyer von Knonau sich über die Dieffenbachersche Arbeit sehr lobend äuſsert, während eine andere Lampertautorität, nämlich Holder-Egger, die Schrift als ziemlich belanglos ansieht.
Den jetzigen Stand der Lampertfrage veranschaulicht Ihnen am besten die Gegenüberstellung der Ansichten eben dieser beiden Gelehrten, Meyer von Knonau und Holder-Egger.— In seinen bis 1077 reichenden Jahrbüchern des deutschen Heichs


