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wurde, dann aus dem Kloster ohne Vorwissen des Abtes wegging, um eine Fahrt nach Jerusalem anzutreten. 1059 kehrte Lampert nach dem Kloster zurück und erlangte die Verzeihung des Abtes Meginher. Wir wissen nicht, woher Lampert stammt, wann er gestorben und wann sein Geschichtswerk veröffentlicht worden ist. Ich übergehe die vielen Vermutungen, die man noch neuerdings über Lampert aufgestellt hat. ¹) Ich führe nur noch an, daſs Lampert den Eindruck eines Mannes macht, der das Leben und die Menschen wohl kennt, ohne gerade auf den Höhen des Lebens gestanden zu haben, eines Mannes von feinem sittlichen Empfinden, verständig und ruhig, zuweilen leidenschaftlich aufbrausend, wo sein Sittlichkeits- und sein Rechtsgefühl erregt wurde. ²)— Theologisch erscheint uns Lampert als Christ, Geistlicher und Mönch aus vollster Seele, aber mit gesunder Grundlage, ohne spezifisch pfäffischen Anstrich. Lampert empfand lebhaft für die Strenge der altklösterlichen Zucht; aber ihm genügte zu diesem Zwecke die Hers- felder Benediktinerregel; von den kluniacensischen und sonstigen Klosterpuristen will er darum nichts wissen, obwohl er in der Bekämpfung der kirchlichen Simonie, die er aus sittlichen Gründen verabscheut, mit den Kluniacensern zusammentrifft.(L. p. 240, 241.) So ist auch Lampert zwar ein Feind von König Heinrich, aber durchaus kein Gregorianer. Für die gregorianischen Bestrebungen besitzt er wenig Sinn; die gerade damals von Gregor geforderte Ehelosigkeit der Priester scheint Lampert, nach dem Tone seines Be- richtes zu schlielsen, selbst nicht gebilligt zu haben(L. p. 189); auch in dem Streite zwischen Heinrich und Gregor interessiert Lampert der hierarchische Standpunkt des Papstes nicht im mindesten. Interessant ist Lampert dieser Streit nur aus dem Grunde, weil das Bündnis der deutschen Lehnsträger mit dem Oberhaupte der römischen Kirche den König Heinrich um seine Krone zu bringen drohte, und diese Krone hat Heinrich nach Lamperts Auffassung durch sein Verhalten als Mensch und als König, nicht gerade durch seine kirchliche Haltung verwirkt. So sehen wir in Lampert einen Mann, welcher die deutschen Verhältnisse auch in der Abgeschiedenheit seiner Zelle mit lebhaftem Interesse verfolgte. Und zwar befand er sich unter denjenigen politisch interessierten Deutschen, die bei dem Ausbruche des Bürgerkrieges im Jahre 1077 von König Heinrich nichts Gutes mehr erwarten zu dürfen glaubten, also der Sache des Gegenkönigs zustimmten.
Die bedeutende litterarische Begabung Lamperts war seinen Genossen natürlich bekannt. Abt Hartwig forderte Lampert zur Abfassung einer Klostergeschichte von Hersfeld auf. Dieses Werk liegt in Bruchstücken vor. Auſserdem bekannte Lampert, vor der Klostergeschichte ein zeitgenössisches Gedicht verfaſst zu haben, gegen dessen Inhalt Widerspruch erhoben sei. Holder-Egger, der Herausgeber Lamperts, vermutet, daſs dieses Gedicht Lamperts den Zehntstreit zum Gegenstande gehabt habe. Weiter besitzen wir von Lampert die jüngst aufgefundene vita Lulli, das Leben des Mainzer Erzbischofes Lullus, dem Hersfeld seine Gründung verdankt. Holder- Egger hat für die vita Lulli die Autorschaft Lamperts nachgewiesen und zugleich wahrscheinlich gemacht, daſs dieses Werk teilweise in der eigenen Handschrift des Verfassers erhalten sei. Die beiden genannten Werke— die Bruchstücke der Kloster-


