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haben, werden ſämmtliche aus l die Linſe treffenden Strahlen nach ihrer Brechung der Are 11' parallel, und ſo auf das Auge 0 gelangend, vereinigen ſie ſich jetzt auf der Netzhaut, es ent⸗ ſteht ein Bild von l daſelbſt, und l wird mithin in der Richtung OL. der auffallenden Parallel⸗ ſtrahlen ebenſo geſehen, wie ein Punkt L, welcher mindeſtens um die Sehweite vom Auge entfernt iſt, ohne die Linſe geſehen würde. Da ebenſo alle von m und n kommende Strahlen beziehungsweiſe mit mm’ und nn'’ parallel werden, und ebenfalls ein Bild auf der Netzhaut bewirken, ſo wird das Auge an einer Stelle O gleichzeitig Strahlen von l, m und n erhalten, und es ſieht ſämmtliche Punkte gerade ſo, wie der Gegenſtand L M unter dem Sehwinkel LOM= lom in der Sehweite geſehen würde, d. h. LM erſcheint als das vergrößerte
Bild von Im. Da die Dreiecke LO M und lom ähnlich ſind, ſo iſt 14— woraus her⸗
vorgeht, daß bei dem hier beſprochenen einfachen Microscope die lineare Vergrößerung erhalten wird, wenn man die deutliche Sehweite durch die Brennweite der Linſe dividirt.
Aus der Figur iſt erſichtlich, daß eine nicht unbeträchtliche Menge von Parallelſtrahlen, jenen nämlich, welche an dem Auge vorbeigehen, an der Erzeugung des vergrößerten Bildes keinen Theil haben; je kürzer die Brennweite, alſo je ſtärker die Vergrößerung durch die Linſe iſt, deſto mehr Lichtſtrahlen gehen verloren, deſto geringer iſt alſo die Lichtſtärke des Bildes.— Iſt das Auge näher bei der Linſe, ſo gehen weniger Strahlen verloren, das vergrößerte Bild erſcheint deutlicher; bei etwas größerer Entfernung wird zwar das Bild unter demſelben Sehwinkel, aber mit geringerer Lichtintenſität geſehen.
Eine ſolche Linſe L(Fig. 10), deren Brennweite nicht unter einem halbeu Zoll beträgt, in eine meſſingene Faſſung gebracht und mit einer cylindriſchen Hülſe verſehen, dient als Lupe, um kleine Theilſtriche des Theodoliten, deren Ableſen das Auge zu ſehr anſtrengen würde, kenntlich zu machen. Die cylindriſche Faſſung hat an ihrem dem Brennraume entgegen⸗ geſetzten Ende eine kleine kreisföͤrmige Oeffnung für das Auge, wodurch zugleich alle die Deut⸗ lichkeit des Bildes beeinträchtigenden Nandſtrahlen abgehalten werden. Zur bequemeren Hand⸗ habung iſt die hier in natürlicher Größe dargeſtellte Lupe in einem an dem Theodoliten ange⸗ brachten Ringe verſchiebbar ſo angebracht, daß ſie vermittelſt eines drehbaren Hebelarmes ober⸗ halb der Theilung des Kreiſes, dieſe immer im Brennraume habend, beliebig hin und her bewegt werden kann.
§. 12. Von den aus der Combination von Linſengläſern hervorgehenden dioptriſchen Fernröhren betrachten wir hier blos dasjenige, welches in der Feldmeßkunde angewandt wird, um entfernte Gegenſtände auf der Erdoberfläche deutlich ſichtbar zu machen. Wir bemerken zugleich, daß Fig. 11, worauf ſich die Darſtellung bezieht, die in ½ natürlicher Größe mög⸗ lichſt genau ausgeführte Einrichtung der Fernröhre eines Compenſations⸗Theodolits von Siener veranſchaulicht.
Ein hohler, im Innern geſchwärzter Cylinder D E von Meſſing, deſſen eine Grundfläche von einer doppeltconvexen Linſe E F von großer Brennweite in der Weiſe verſchloſſen iſt, daß die Axe der Linſe mit der des Cylinders zuſammenfällt, bildet das Objectiv. Eine ähnliche kleinere Röhre G H, welche bei feſtem Anſchluſſe in der Objectivröhre verſchiebbar iſt, wird an dem aus derſelben hervorragenden Ende von der Okularlinſe GI, welche eine Linſe mit kurzer Brennweite iſt, ebenſo verſchloſſen, ſo daß die Axen beider Linſen in eine einzige gerade


