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daß man die Fernröhre nach einem ganz nahe gelegenen Object(z. B. vom Fenſter des Thurmes nach der Mitte desſelben) zu richten hat. Es ſei jetzt d= 2,5 Meter= 0,5 naſſ. Feld⸗ ruthen, ſo ergibt ſich e= 0,235 Meter= 4,70 Zoll und der Convergenzpunkt iſt nunmehr um 20 Millimeter oder 4 Linien weiter, als der Brennpunkt von der Linſe entfernt.
§ 10. Es ſei endlich der leuchtende Punkt L außerhalb der Are gelegen(Fig. 8). Der von ihm auf die Linſe gelangende Lichtkegel wird ſo gebrochen, daß ſämmtliche Strahlen einen auf der entgegengeſetzten Seite befindlichen Lichtkegel bilden, deſſen Are 10 in der Verlänge⸗ rung der geraden Linie liegt, welche L mit der Mitte O der Linſe verbindet.— Um den Con⸗ vergenzpunkt m der gebrochenen Strahlen eines anderen Punktes M zu erhalten, iſt es jetzt blos nöthig, aus M durch O eine gerade Linie zu ziehen, welche als die gemeinſchaftliche Are für ſämmtliche Strahlen dieſes Punktes vor und nach der Brechung erſcheint, und auf der⸗ ſelben den nach Anleitung des vorigen§. berechneten Werth von e= Om aufzutragen. Sammtliche von einem Zwiſchenpunkt X auf die Linſe treffenden Strahlen convergiren nach der Brechung in einem Punkte n, welcher zwiſchen und m gelegen iſt; es iſt natürlich, daß auf dieſe Weiſe von dem Gegenſtande I. M ein umgekehrtes Bild Um entſtehen muß, deſſen Lage zu dem Brennpunkte von den Größen f und d abhängt.
Die Entfernung eines mit der Fernröhre beobachteten Gegenſtandes L M iſt ſtets ſo groß, daß man alle Punkte desſelben von der Mitte O der Objectiv⸗Linſe als gleich entfernt anſehen kann, d. h. in dieſem Falle iſt OL= OM= 0 N; dieß hat zur Folge, daß jetzt auch Ol= Om= On ſein muß, worans hervorgeht, daß das Bild des Gegenſtandes, ſtrenge genommen, nicht auf einer Ebene, ſondern vielmehr auf einer Kugelfläche ſich befindet. Da aber in dem vorausgeſetzten Falle der Winkel LO M= 10m ſehr klein iſt, ſo kann man ohne erheblichen Fehler annehmen, daß Um als ein ebenes Bild erſcheine.
Bei den gewöhnlichen Linſen wird die Deutlichkeit des Bildes durch das Erſcheinen der prismatiſchen Farben etwas geſtört, indem alle jene Lichtſtrahlen, welche in der Nähe der pris⸗ matiſchen Kanten durch die Linſe gehen, in die ſieben Farbenſtrahlen des Regenbogens zerlegt werden. Dieſem Mangel wird durch die ſogenannten achromatiſ chen Linſen, welche darum vorzuziehen ſind, begegnet. Es ſind dieß nämlich aus zwei verſchiedenen Glasſorten conſtruirte Doppellinſen, bei welchen die Farbendiſperſion der Einen durch die der Andern wieder aufge⸗ hoben wird, ſo daß das durch ſie erzeugte Bild viel reiner und deutlicher ſich darſtellt.
§. 11. Wir haben in§. 6 erkannt, daß die Deutlichkeit des Sehens von der Größe des Sehwinkels abhängt. Da derſelbe bei ſehr kleinen Objecten ebenfalls ſehr klein iſt, ſo gibt es eine Grenze, wo das Erkennen derſelben mit freiem Auge aufhört. Man könnte nun allerdings, um den Sehwinkel zu vergrößern, das Object dem Auge näher bringen: dann werden aber die Divergenzwinkel der Strahlenkegel, deren Baſis die Pupille, und deren Spitze je ein Punkt des Objectes iſt, ſo groß, daß die Lichtſtrahlen nach ihrer Brechung ſich auf der Netzhaut des Auges nicht mehr vereinigen, mithin kein Bild entſtehen kann, indem ja überhaupt Gegen⸗ ſtände, deren Entfernung vom Auge kleiner als die Sehweite iſt, nicht mehr deutlich geſehen werden können.
Das Mikroscop ſetzt uns nun in den Stand, kleine Gegenſtände unter vergrößertem Sehwinkel in der deutlichen Sehweite zu erkennen. Es ſei(Fig. 9) AB eine Linſe von ſehr kleiner Brennweite; in dem Brennraume derſelben befinde ſich ein Gegenſtand Im von ſo geringer Ausdehnung, daß man füglich jeden Punkt desſelben als darin liegend annehmen kann; derſelbe werde von der Axe der Linſe in n geſchnitten. Wie wir im vorigen§. erkannt


