26 Jahresbericht uͤber das Schuljahr 1857—— 58.
A. Lehrverfaſſung.
I. Lehrerrollegium.
Im Lehrerperſonabe kamen folgende Veränderungen vor::
Der Geſang⸗ und Muſiklehrer Heinrich Drös, welcher vor einigen Jahren eine ſtarke Fußverletzung erlitten hatte, fühlte ſich in Folge derſelben körperlich ſehr angegriffen, ſo daß ihm der Gang in die Schule und aus derſelben nach Haus recht beſchwerlich fiel. Ungeachtet deſſen ertheilte er nach wie vor mit ſeltener Unterbrechung regelmäßig ſeine Lehrſtunden bis wenige Wochen vor ſeinem am 24. Juni 1857 erfolgten Tode.— Der am 27. Juni erfolgten Beſtattung ſeiner Leiche wohnten nicht blos die Lehrer und Schüler des Gymnaſiums bei, ſon⸗ dern auch viele andere hieſige Bewohner, beſonders jüngeren Alters, deren künſtleriſches Streben er zu fördern und zu leiten ſich beſonders hatte angelegen ſein laſſen.— Sein Dienſteifer und ſeine Pflichttreue, die ſich oft über ſeine Kräfte hinaus bei jeder Gelegenheit ganz uneigennütig kund gab, verdient alles Lob. Sit illi terra levis!
Die durch das Ableben des Lehrers Drös erledigten Funktionen wurden dem beim Gym⸗ naſium für die Elementarunterrichtsfächer angeſtellten Lehrer Heinrich Sauer zugetheilt.
Der ſeit dem Anfang des Winterſemeſters 1856/57 zur Vollendung ſeines Probecurſus am Gymnaſium verwendete Candidat der Philologie Friedrich Brandſcheid aus Wiesbaden wurde unterm 18. November 1857 zum Collaborator am hieſigen Gymnaſium höchſten Orts gnädigſt ernannt.
Friedrich Brandſcheid, Sohn des Reöiſors Brandſcheid be Herzoglicher Landesregierung, geboren am 1. Auguſt 1828 zu Wiesbaden, katholiſcher Confeſſion, erhielt ſeine Vorbildung auf dem Pädagogium und Gelehrten⸗ Gymnaſium daſelbſt und widmete ſich von Oſtern 1847 bis dahin 1849 auf der Univerſität zu Gießen und bis ebendahin 1850 auf der zu Würzburg dem Studium der Theologie und Philologie. Nach der im Jahre 1852 be⸗
ſtandenen erſten Staatsprüfung in der Snede wurde er 1853 zur Aushülfe an das Herzogliche Gymnaſium zu Hadamar dirigirt, wo er bis Frühjahr 1855 wirkte. Nach Beendigung ſeines erſten Probekurſus begab er ſich nach Frankfurt a. M. und war an mehreren der dortigen Privatanſtalten beſchäftigt, bis er mit Herbſt 1856 an das hieſige Gymnaſium dirigirt wurde.
Von Conrector H. Stoll's Anthologie griechiſcher Lyriker iſt eine zweite Auflage(iSn) erſchienen.
Außerdem iſt der gegenwärtige Beſtand d des Lehrercolleglums der im in vorigjhrigen Programm angegebene.
unterricht.
Sern L” Allgemeines. 1 bp Unerachtet viele Lehrer durch Krankheiten an der regelmäßigen Ertheilung des Unterrichts verhindert waren, und dem Director wegen ſeiner noch nicht befeſtigten Geſundheit von dem Arzte unterſagt war, die gaiize Zahl der ihm zukommenden Lehrſtunden Bahrene des Sommer⸗ ſemeſters neben ſeinen ſonſtigen Dienſtgeſchäften zu übernehmen, ſo erlitt doch der Unterricht keine ungewöhnliche Unterbrechung, da die Collegen ſo viel als nur irgend thunlich für die ab⸗ weſenden Lehrer bei jeder Gelegenheit einzutreten ſich bereit zeigten.


