Aufsatz 
Die mit einem Progymnasium verbundene Realschule zu Eschwege von ihrer Gründung bis zu ihrer Reorganisation, ein Beitrag zur Geschichte des Realschulwesens
Entstehung
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hältniſſen und den tonangebenden Perſönlichkeiten Rechnung und meinte allen Ernſtes, jede Stadt und jedes Städtchen könne und müſſe eine Realſchule haben und Handwerk, Gewerbe und Handel würden blühen und Wohlſtand würde in die Mauern ſtrömen, wenn man nur brav Technologie treibe und ja recht viel„Praktiſches“ lehre. Dieſe Art von Realſchulen war zwar bald in der Schulwelt gerichtet, konnte aber nicht immer wiedee ſo ſchnell beſeitigt werden, wie wünſchenswerth war, und ſie hat auch namentlich veranlaßt und dazu beigetragen, daß andere Schulen ſich vornehm von ihnen abwandten und die Behörden ſchließlich ſelbſt nicht wußten, ob ſie dieſelben zu den höheren oder zu den niederen Schulen zählen ſollten, unter welcher Unentſchiedenheit nicht nur die Schulen, ſondern auch deren Lehrer ſehr erheblichen Schaden litten. In den kleineren Ländern Deutſchlands, alſo im ſüdlichen und mittleren Deutſchland, entſchied man ſich am häufigſten für dieſe Art Realſchulen und gründete alſo neben den zahlreich vorhandenen Gymnaſien meiſt 1—3 oder Aklaſſige Realſchulen ohne Latein für 12—15, oder auch nur für 14—15jährige Knaben und trug dabei den„localen Bedürfniſſen“ oft zuviel Rechnung. Jedoch darf hierbei nicht überſehen werden, daß in dieſen kleinen Staatsweſen meiſt weder der Staat, noch die Städte groß und reich genug waren, um neben den ausreichend vorhandenen Gymnaſien auch noch ebenſo vollſtändig organiſirte und ebenſo reich ausgeſtattete Realſchulen gründen zu können, daß das gewerbliche Leben dieſer Staaten noch keine beſonders hohe Anforderungen an dieſe Klaſſe von Schulen ſtellte(die höhere techniſche Ausbildung gaben die zum Theil vortrefflichen polytechniſchen Schulen), daß die kleinen Staaten den Realſchülern zu wenig und zu unbedeutende„Berechtigungen“ bieten konnten und daß, wer nach„wiſſenſchaftlicher Bildung“ ſtrebte, dieſe ausreichend auf den zahlreichen Gymnaſien finden konnte, ſo daß nicht unterſtellt werden darf, es habe überall nur der Mangel an Einſicht in das Weſen der Realſchulen dieſe Art derſelben hervorgerufen und begünſtigt. Häufig wurden auch die alten 1— 2klaſſigen Latein⸗oder Rectorſchulen, die ſich vollſtändig überlebt hatten und wie Ruinen in die neue Zeit herein ragten, in den kleineren Städten kurz ſo in Realſchulen umgewandelt, daß man Latein und Griechiſch durch Realien und etwas Mathematik eſſetzte.

Auch in unſerem engeren Vaterlande, in Kurheſſen, gründete man ſolche kleine Realſchulen. 1838 wurden in Fulda und Marburg, 1839 in Hersfeld Realſchulen mit je 1 Klaſſe, 1840 in Eſchwege eine mit 1 Real⸗ und 2 Progymnaſialklaſſen, 1845(eröffnet 1846) eine ſolche in Schmalkalden mit 1 Real⸗ und 2 Progymnaſialklaſſen, 1849 ein Progymnaſium mit 2 Klaſſen in Rotenburg, das ſich ſpäter in eine Reallehranſtalt umwandelte, und 1856 noch eine lklaſſige Realſchule in Hofgeismar gegründet. In Rinteln errichtete man 1840 zwei Realklaſſen am Gymnaſium, Parallelklaſſen der IV. und III. des Gymnaſiums, die aber 1868 wieder aufgehoben wurden. In Caſſel wurde ſchon 1812 am Lyceum Pridericianum eine Schule für diejenigen abgezweigt, welche nicht ſtudiren wollten, die ſog. Bürgerſchule, 1823 unter einen beſondern Rector geſtellt und 1843 in eine öklaſſige Realſchule mit einer Vorſchule umgewandelt, aus der in den letzten Jahren eine 6klaſſige höhere Bürgerſchule ohne Latein geworden iſt. In Hanau wurde 1813 eins der beiden Gymnaſien daſelbſt, das lutheriſche, in eine Realſchule mit 4 Klaſſen umgewandelt, dieſe ſpäter mehrmals umgeſtaltet und endlich 1871 in eine Realſchule II. Ordnung ohne Latein übergeführt.

Anderwärts, namentlich in Preußen, ſah man in den Realſchulen allgemeine Bildungs⸗ anſtalten und zwar höhere, wiſſenſchaftliche Bildung gebende, alſo den Gymnaſien gleich⸗ ſtehende Schulen, weshalb man auch die Unterrichtsgegenſtände für die Realſchulen, bis auf das Griechiſche,