Aufsatz 
Die mit einem Progymnasium verbundene Realschule zu Eschwege von ihrer Gründung bis zu ihrer Reorganisation, ein Beitrag zur Geschichte des Realschulwesens
Entstehung
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Berufsklaſſen nebſt den Subaltern⸗ und Privat⸗Beamten nicht etwa vor⸗, ſondern ausgebildet und fertig gemacht werden; hatte man bisher faſt gar nicht gefragt, wozu man das Erlernte brauche, nach dem„Nutzen“, ſo wurde dieſe Frage jetzt in den Vordergrund geſtellt, maßgebend und entſcheidend über Aufnahme und Nichtaufnahme eines Lehrgegenſtandes; hatte man bisher zu wenig Unterrichtsgegenſtände und darin zu wenig gelernt, ſo überhäufte man nun den Lehrplan und verlangte zuviel; hatte man bisher 15— 20 Jahre auf die lateiniſche Sprache verwendet und, wie A. Camenius ſagt, doch nichts gelernt, ſo ſollten nun in wenigen Jahren und in einem Alter der Schüler Dinge gelehrt und gelernt werden, die weit über dem Vermögen der Schüler liegen. Wir haben nun Realſchulen, wenigſtens den Namen, ſind aber damit eigentlich nicht weiter, als man bisher war, denn es fehlt offenbar noch an Klarheit und Uebereinſtimmung über das Ziel der Realſchule, über die Mittel, mit denen daſſelbe zu erreichen ſei, über den Mittelpunkt der Schule, über die Altersſtufe der Schüler, für welche ſie beſtimmt, über ihre Stellung im Schulorganismus, über ihre Rechte, wer ſie zu gründen, zu unterhalten, zu beaufſichtigen habe ꝛc. Fragen genug, über die man verſchiedener Meinung ſein konnte und die, weil ſie wirklich ſehr verſchieden beantwortet wurden, Veranlaſſung gaben zu der außerordentlichen Man⸗ nigfaltigkeit der Realſchulen in Deutſchland, ja in einem und demſelben Staate. Dieſe Mannigfaltigkeit iſt auch noch jetzt nicht ganz beſeitigt, obgleich man ſich immer mehr über Ziel, innere und äußere Ein⸗ richtung und Stellung derſelben einigt, denn die localen Verhältniſſe üben, und mit Recht, noch immer einen bedeutenden Einfluß auf dieſe Schulen. So hat man gegenwärtig in Preußen und Sachſen nicht weniger als 6 Arten Schulen, welche alle Realſchulen heißen und häufig mit den Realſchulen des vorigen Jahrhunderts nur noch den Namen gemein haben.

Da im Laufe der Zeit auch die Gymnaſien ihrem Lehrplane ſoviel Realien einfügten, als nur geſchehen konnte, wenn man nicht das Studium der alten Sprachen als Hanptbildungsmittel aufgeben wollte, ſo tauchte auch immer wieder die Frage auf, ob nun nicht auch die Gymnaſien das vorhandene Bedürfniß befriedigen und vielleicht vollſtändiger befriedigen könnten, als die Realſchulen, und ob nicht die durch die Realſchule, vorzugsweiſe durch die Naturwiſſenſchaften vermittelte Bildung der allgemein menſchlichen(humanen) und ſpeciell der chriſtlichen Bildung Eintrag thue*) ꝛc. Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß die Gegner der Realſchulen dem„Realismus“ gern den„Humanismus“ entgegenſetzten und daß bis heute die Gymnaſien ſich noch gern vorzugsweiſe„humaniſtiſche“ Anſtalten nennen; der urſprüngliche Gegenſatz von„Realismus“ und„Verbalismus“, war unſchuldiger.— Faßte man die Frage ſo: Sind die Realſchulen Anſtalten zur ſpeciellen Vorbereitung von Handwerkern, Künſtlern, Fabrikanten, Kaufleuten, Soldaten, Sekretairen ꝛc., oder es ſind Schulen, welche eine allgemeine Bildung anſtreben und dabei gewiſſe Klaſſen der bürgerlichen Geſellſchaft im Auge behalten ſollen, ſo daß ſie deren Söhne nur auf ihre künftige Berufsausbildung, aber zweckmäßig vorbereiten? Entſchied man ſich für die erſte Alternative, ſo war man bald fertig und gründete, je nach den verfügbaren Mitteln, 1, 2, 3 oder gar 4klaſſige Anſtalten für 14— 15 oder auch für 10— 15jährige Knaben und lehrte darin, was das Bedürfniß der Stadt, der Provinz oder des Landes zu erheiſchen ſchien, trug den localen Ver⸗

*) Es iſt eine nicht zu überſehende Thatſache, daß in den vorigen Jahrhunderten die gläubigſten Männer die Ein⸗ führung der Reclien in den Unterricht der Jugend befürworteten und eifrigſt anſtrebten— ich erinnere nur an Luther, Melanch⸗ thon, Comenius, Franke, Semler, Mel—, während den Realien ſpäterhin von dieſer Seite nicht dieſelbe Unterſtützung geworden iſt. Auch Vial beſtätigt dieſe Thatſache im Progr. des Gymn. zu Hersfeld von 1864, S. 32 und 33.

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