Aufsatz 
Die mit einem Progymnasium verbundene Realschule zu Eschwege von ihrer Gründung bis zu ihrer Reorganisation, ein Beitrag zur Geschichte des Realschulwesens
Entstehung
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Magdeburg und denen umliegenden Städten und Dörfern um Stadt Halle, von denen im täglichen Leben ſehr oft geredet wird, alſo, daß derſelben Kenntniß viel nöthiger iſt, als daß man wiſſe, wo in der Welt Dublin, Aſtracan und Adrianopel liegt*).“ Durch Einführung der„Oculardemonſtrationen“ ſollten die bisherigen Verbalſchulen(bisher„Marterſtuben“) in Realſchulen(lauter„Freudenſtuben“) umge⸗ wandelt werden.

Die Berliner Societät der Wiſſenſchaften billigte am 15. December 1706 Semler's Schulplan, indem ſie ſagte: Sowie man Schulen zur Bildung künftiger Kirchen⸗ und Staatsdiener habe, ſo würde es gut ſein, Knaben, die bisher nur deutſche Schulen beſuchten,„in einer gewiſſen mechaniſchen Schule unterrichten zu laſſen, damit ihnen der Verſtand und Sinnen mehr geöffnet würden und ſie inſonderheit die nöthigen Materialien und Objecte ſammt deren Güte und Preis erkennten, dann den gemeinen wie auch den Proportionalcircul, Lineal, Winkelmaß und Gewicht, wie nicht weniger andere Maße und Masſtäbe, Wage und nach Gelegenheit das ſchlechte globular-microscopium zu genauer Einſicht derer Körper und ſonſt andere nützliche Instrumenta, ſamt Werk⸗ und Hebzeugen verſtehen und gebrauchen lernen, mithin ſich dieſer Erkäntniß hernach zu beſſerer Begreifung und Ausübung, auch Erſinnung neuer, nüzlicher Handgriffe bedienen möchten ꝛc.“

Im Jahre 1747 grundete Johann Julius Hecker(† 1768), ein Schüler Franckes, die erſte deutſche Realſchule in Berlin, beſtehend aus 3 Abtheilungen, der deutſchen(die den anderen Ab⸗ theilungen gemeinſame Vorſchule), der lateiniſchen und der dieſer coordinirten Realſchule lauch Kunſtſchule). Aus der lateiniſchen Abtheilung wurde 1797 das Friedrich⸗Wilhelms⸗Gymnaſium, das 1811 von der Realſchule völlig getrennt wurde, und letztere führt jetzt den Namen„Königliche Real⸗ ſchule**).“ In der Realſchule lehrte man Arithmetik, Geometrie, Mechanik, Architektur, Zeichnen, Natur⸗ lehre, handelte beſonders vom menſchlichen Körper, von Pflanzen, Mineralien, gab Anweiſung zur Wartung der Maulbeerbäume und Erziehung der Seidenraupen, führte die Schüler in die Werkſtätten, hatte eine Mannfactur⸗, eine Architektur⸗, öconomiſche⸗, Buchhalter⸗ und Bergwerksklaſſe, eine große reale Samm⸗ lung mit Modellen von Gebäuden, Schiffen, Schränken, Pflügen, Butterfäſſern, Säulen verſchiedener Ordnungen, Sammlungen von Kaufmannswaaren und Kaufmannsladen en miniature, eine pharma⸗ kognoſtiſche Sammlung, eine Lederſammlung von mehr denn 90 Arten Leder, z. B. Sohlleder und Schmalleder von Ochſen, Kühen, Pferden, Kälbern, Schafen, Ziegen⸗ und Bocksfelle, Hirſch⸗ und Reh⸗ leder, Corduan, Saffian, Juchten ꝛc., einen botaniſchen Garten, eine Maulbeerplantage und täglich, wenigſtens die Lateinſchüler,— 11 Stunden Unterricht.

Wir haben nun Realſchulen, und wie die Schule Semlers bei der Stadt Halle zuerſt dieſen Namen führt, ſo weiſ't auch ihr Lehrplan ſchon die meiſten Realien auf, die ſpäter in den Real⸗ ſchulen gelehrt werden, und zeigt auch ſchon das Grundprinzip, das beſonders Rouſſeau und Peſtalozzi geltend machten, daß vor Allem das gelehrt werden müſſe, was die nächſte Gegenwart, das tägliche Leben biete und fordere. Hatte man bisher nur für die Schule gelernt, ſo ſollte nun blos für das Leben gelernt werden; hatte man bisher in den Schulen nur die künftigen Kirchen⸗ und Staatsdiener im Auge gehabt und berückſichtigt, ſo ſollten nun in den(neuen) Realſchulen alle im bürgerlichen Leben vorkommenden

*) v. Raumer, Geſch. d Pädag. II. S. 160 ꝛc. **) Die Direction und die Caſſenverwaltung ſind jedoch noch gemeinſam. Wieſe, das höhere Schulweſen ꝛc., S. 98.