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1) Eine Anſtalt zu Erziehung Herrenſtandes⸗ ꝛc. Söhne,
2) eine Anſtalt zu Erziehung Herrenſtandes⸗ ꝛc. Töchter,
3) eine beſondere Anſtalt für Schleſiſche Kinder,
4) ein Pädagogium der Anſtalt zur Erziehung der Kinder, welche von frembden theils weit ent⸗ legenen Orten, auf ihrer Eltern Koſten erhalten und zum Studieren erzogen werden,
5) ein beſonderes Pädagogium für diejenigen Kinder, welche nur im Schreiben, Rechnen, Lateiniſchen, Franzöſiſchen und in der Oekonomie angeführet werden und die Studiia nicht continuieren ſollen, ſondern zur Aufwartung fürnehmer Herren, zur Schreiberei, zur Kauf⸗ mannſchaft, Verwaltung der Landgüter und nützlichen Künſten gebraucht werden ſollen.
Welchen Werth A. H. Francke auf die Realien legte und in welchem Maaße er ſie in ſeinen
Unterrichtsanſtalten einführte, zeigt unter andern auch der Lehrplan ſeines Pädagogiums für Söhne aus den höheren Ständen vom Jahr 1706, der alſo angegeben wird*):„Nebſt dem Grunde des wahren Chriſtenthums werden ſie unterrichtet in der lateiniſchen, griechiſchen, hebräiſchen und franzöſiſchen Sprache, wie auch einen guten tentſchen Aufſatz zu machen, anbey eine feine Hand zu ſchreiben; desgleichen in der Arithmetica, Geographia, Chronologia, Historia, Geometria, Astronomia, Musica, Botanica und Anatomia nebſt den vornehmſten Fundamenten der Medizin... und überdies finden ſie in den Frei⸗ ſtunden Gelegenheit zum Drechſeln, Glas⸗Schleifen, Mahlen, Reiſſen u. dergl.“— Ferner gehörte zu dieſem Pädagogium ein botaniſcher Garten, ein Naturalienkabinet, ein phyſikaliſcher Apparat, ein chemiſches Laboratorium und Einrichtungen zu anatomiſchen Sectionen. Das unter 5. erwähnte Pädagogium ſollte das Bedürfniß der oben erwähnten 1. und 2. Klaſſe von Schülern, den künftigen Handwerkern, Künſtlern, Kaufleuten, Hof⸗ und Kriegsleuten, befriedigen, kam jedoch nicht zur Ausführung, wogegen im Jahr 1707 Semler, Prediger und Docent an der Univerfität zu Halle, daſelbſt eine mathematiſche und mechaniſche Real⸗Schule eröffnete. Hier tritt zuerſt der Name der ſo lange gewünſchten und geſuchten Schule auf, jedoch noch mit einem ſo beſchränkten und ungenügenden Inhalt, daß es nicht zu verwundern iſt, wenn dieſe erſte Realſchule ſchon nach 3 Jahren, 1710, wieder eingieng. Aber eine lebensfähige Joee kann wohl durch ungünſtige Umſtände eine Zeitlang unterdrückt, nicht aber aus der Welt geſchafft werden, und ſo brach ſich auch die Idee der Realſchule Bahn und begann bald darnach einen Lauf, der nicht wieder unterbrochen wurde. 1738 eröffnete Semler abermals ſeine mathematiſche, mechaniſche und öconomiſche Realſchule bei der Stadt Halle, die er 1739 eine von der Königlich Preußiſchen Regierung des Herzogthums Magdeburg und von der Königlichen Societät der Wiſſenſchaften zu Berlin approbirte nannte. Sie war auf den Satz gegründet: Non scholae sed vitae discendum, welcher ſeit 40 Jahren dem Semler Schulregel geweſen, und alſo gemäß der Anſchauung, daß man für's Leben der Kenntniſſe vom Gewicht, Maß, vom Gebrauch des Zirkels und Lineals, der Wiſſenſchaft des Kalenders, der Aſtronomie und Geographie bedürfe; daß ferner nöthig ſei: Kenntniß einiger phyſikaliſchen Sachen, als Metalle, Mineralien, gemeiner Steine und Edel⸗ ſteine, Holze, Farben, die Zeichnungskunſt, von Ackerbau, Gartenbau, Honigbau, einiges von der Anatomie und Diät, von der Polizeiordnung das Nöthigſte, von denen Geſchichten des Vaterlandes aus der halliſchen Chronica und andern Autoren, die Landkarte Teutſchlands ſowol, als in specie des Herzogthums
*) v. Raumer, Geſch. d. P. II. S. 149 ꝛc.


