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Mathematik und Mechanik, Optik und Aſtronomie, die deutſche Sprache und die fremden neueren Sprachen ein und bildete ſogar Abtheilungen für ſolche, welche ſtudieren, und ſolche, welche nicht ſtudieren wollten und die man deshalb vom Griechiſchen und Ebräiſchen dispenſirte. So war denn der Lehrplan der Lateinſchulen in einem Zeitraume von circa 100 Jahren gar ſehr erweitert und verändert worden, denn während er noch im Anfange des 17. Jahrhunderts vielfach die urſprüngliche Einfachheit, Religion mit Geſang, Latein, Griechiſch und die Elemente der Mathematik, zeigte, weiſt er ſchon im Anfange des 18. Jahrhunderts Religion, Latein, Griechiſch, Ebräiſch, Deutſch, fremde neuere Sprachen(Franzöſiſch, Engliſch, Italieniſch), Mathematik mit Mechanik, Optik und Aſtronomie, Geometrie, Geſchichte, Geographie, Naturgeſchichte, Phyſik und Geſang auf, denen ſich dann ſpäter noch Zeichnen, Kalligraphie(in der neueſten Zeit auch hier und da noch Stenographie), Turnen und Chemie zugeſellten.— Ja ſogar in die Volksſchule wurden die Realien eingeführt. In dem Statut vom 3. Mai 1754 wurde für die Volksſchule Badens verordnet, daß in der zweiten Klaſſe mit den zum zwölften Jahre ihres Alters gekommenen Knaben beſonders die Anfangsgründe der Oekonomie und Mechanik, die mehrere(höhere) Rechnung, das Feldmeſſen, ſammt dem Sauberſchreiben auf eine praktiſche Art vorgenommen werde.— In Fulda wurde 1775 verordnet, daß in den beiden Abtheilungen der erſten Klaſſe Geographie, Mathematik, die Anwendung der Körper⸗ lehre auf verſchiedene Künſte und Zeichnen gelehrt werde, und in Mainz wurde 1773 die Anordnung getroffen, daß jede Bürgerſchule eine Trivial⸗ und wenigſtens eine Realklaſſe umfaſſen ſollte und daß in letzterer die Schüler im Rechtſchreiben, in der deutſchen Sprache, im Briefſchreiben, im Verfaſſen anderer kleinen deutſchen Aufſätze, im Rechnen, in den Kenntniſſen des Weſentlichſten und Brauchbarſten aus der Naturlehre, aus der Natur⸗ und Kunſtgeſchichte, aus der Meßkunſt, Mechanik und Baukunſt ꝛc. unter⸗ wieſen werden ſollten.*)
Waren das nicht glänzende Reſultate eines unter ſo ungünſtigen Umſtänden begonnenen Kampfes? Konnte man mit den an vielen Orten nun alſo erweiterten und vervollkommneten Lateinſchulen(Gym⸗ naſien) nicht zufrieden ſein? Die Klagen verſtummten dennoch nicht, im Gegentheil wurde das Verlangen nach beſonderen Schulen, nach Schulen, in welchen die Haupt⸗, wenn nicht einzigen Lehrgegen⸗ ſtände die Realien wären, immer lauter. Schulmänner und Schulbehörden ſtimmten vielfach darin überein, daß derjenige Theil der Jugend,„welcher unlateiniſch bleiben wolle“, wie der Rector Schöttgen in Dresden 1742 ſchreibt, die künftigen Handwerker, Künſtler, Kaufleute, Soldaten ꝛc., ſeine Rechnung in den Gymnaſien nicht fände, ſondern in denſelben lernen müſſe, was ihm nicht nütze, und entbehren, was ihm unentbehrlich oder doch ſehr nützlich ſei ꝛc. Man theilte die Jugend nach ihrem wahrſcheinlichen künftigen Berufe in drei Klaſſen: 1) in künftige Handwerker, Künſtler und Kaufleute, 2) in künftige Hof⸗ und Kriegsleute, und 3) in künftige Gelehrte, Kirchen⸗ und Staatsbeamte und fand es äußerſt ungerecht, daß man die beiden erſten großen Klaſſen um der dritten kleineren willen ſo gänzlich vernachläſſige.
Am Ende des 17. Jahrhunderts trat Auguſt Hermann Francke(1663—1727), der Gründer des Waiſenhauſes zu Halle, mit einem„Entwurf der geſammten Anſtalten, welche bei Glaucha an Halle gemacht worden ſind“ auf**), in welchem eine Anſtalt aufgeführt wird, die geeignet ſchien, den ſo laut ausgeſprochenen Wünſchen zu genügen. Es werden da genannt:
*) Dr Ritz, Prog. S. 12. **) Ritz, Prog. S. 9.


