Aufsatz 
Die mit einem Progymnasium verbundene Realschule zu Eschwege von ihrer Gründung bis zu ihrer Reorganisation, ein Beitrag zur Geschichte des Realschulwesens
Entstehung
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den Boden erſt Schritt für Schritt erkämpfen mußten, ſich noch nicht auf die Erfahrung berufen, ſondern nur auf die Naturgemäßheit ihrer Forderung hinweiſen und das Verkehrte und Ungenügende der vor⸗ handenen Schulen darlegen konnten, wobei vielfach nachgewieſen wurde, daß die großen Männer nicht in Folge, ſondern trotz der Schulen erſtanden wären. Die Vertreter der alten Schulen wollten den neuen Unterrichtsgegenſtand, die Naturwiſſenſchaften, durchaus nicht zulaſſen, ſprachen ihm jede bildende Kraft und darum jede Berechtigung, in die Schule eingeführt zu werden, ab und erklärten ihn geradezu für verderbenbringend und die Barbarei einführend. Dagegen ſagt Johann Claus Comenius(1592 1671), Biſchof der böhmiſchen Brüdergemeinde, in ſeiner Didactica magna*) von den vorhandenen Schulen:Wir haben keine Schulen, welche ihrer Beſtimmung entſprechen. An vielen Orten fehlen ſie ganz, an andern iſt nur für die Kinder der Wohlhabenden geſorgt, die Unterrichtsweiſe iſt abſchreckend, langweilend, dunkel, das Sittliche wird vernachläſſigt. Realien lehrt man nicht, auf Latein verwende man 15 bis 20 Jahre und bringt es doch zu nichts.Die Schulen lehren irrig zuerſt die Sprachen und gehen dann zu den Dingen über; mit Künſten, welche ſich auf die Rede beziehen, hält man die Knaben einige Jahre hin, dann erſt gibt man ihnen Realien, als Mathematik, Phyſik ꝛc. Und doch iſt die Sache Subſtanz, das Wort Accidenz, die Sache der Leib, das Wort iſt Kleid.In allen Kindern muß Gottes Ebenbild wieder hergeſtellt, jedes muß für ſeinen künftigen Beruf befähigt werden.Die Jugend recht unterrichten heißt nicht, ihr einen Miſchmaſch von Worten, Phraſen, Sentenzen und Meinungen, die man aus den Autoren zuſammengeleſen, einſtopfen, ſondern ihr das Verſtändniß für die Dinge öffnen, damit hieraus, wie aus einem lebendigen Quell viele kleine Bäche ſich entſpinnen. In Summa: Die Menſchen müſſen, ſo viel als möglich, angeleitet werden, ihre Weisheit nicht aus Büchern zu ſchöpfen, ſondern aus Betrachtung von Himmel und Erde, Eichen und Buchen, d. h. ſie müſſen die Dinge ſelbſt kennen und erforſchen, nicht bloß fremde Beobachtungen dieſer Dinge und Zeugniſſe von denſelben. Und im Orbis pictus gab Comenius im Jahre 1657 der Schulwelt zum erſten Male ein Buch, worin das Sachliche mit dem Sprachlichen Hand in Hand ging, ein Bilderbuch, worin die beſprochenen Sachen auch im Bilde vorgeſtellt wurden, der Vorläufer aller ſpäteren Schul⸗Bilderbücher, der ſtete Mahner, daß auch die Bilder aus der Schule verſchwinden und durch die Originale erſetzt werden müſſen. Wenn aber die Vertreter der neuen Anſichten, die Realiſten, in dieſem Kampfe einigen Boden und mit der Zeit Anerkennung gewannen, ſo dürfte das der ſchlagendſte Beweis für die Güte ihrer Sache und die Richtigkeit der von ihnen verfochtenen Principien ſein, und daß ſie mit Erfolg kämpften, beweiſen dieConceſſionen, welche die alte Schule machte, indem ſie allmählich(und vielfach im Uebermaß) die neuen Lehrgegenſtände einführte, von denen ſie bisher ſo beſtimmt behauptet hatte, daß ſie zur Vermittelung der wahren Bildung nicht nur unnöthig, ſondern auch ungeſchickt, ja ſchädlich und in den Lehrplan der Lateinſchulen gar nicht einzufügen ſeien. So führte man**) zu Corbach 1579 und zu Ilfeld 1590 Geſchichte und Geographie, in der Hofſchule zu Caſſel 1618 die deutſche Sprache, 1656 die Geometrie, in dem am 2. November 1709 zu Caſſel eröffneten Collegium illustre Carolinum Mathematik, Phyſik, Geographie, deutſche und franzöſiſche Sprache, in dem ſeit 1779 Lyceum Pridericianum genannten Pädagogium ſchon um 1713 Rechnen, Geographie und Naturgeſchichte, im Gymnaſium zu Hersfeld unter Mel 1705**)

*) v. Raumer, Geſch. d. P. II., S. 54 ꝛc. **) Dr. Ritz, Programm der Realſchule zu Hersfeld von 1865, S. 8 ꝛc. **n) Vial, Prog d. Gymn zu Hersfeld. 1864, S. 32 ꝛc.