Aufsatz 
Die mit einem Progymnasium verbundene Realschule zu Eschwege von ihrer Gründung bis zu ihrer Reorganisation, ein Beitrag zur Geschichte des Realschulwesens
Entstehung
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dieſem Geiſte und auf ſolchem Grunde wurden in allen Städten und Städtchen, ſogar in Flecken und Dörfernlateiniſche Schulen gegründet, und ſogar noch Männer wie Trotzendorf und Sturm, welche ſchon zu den Reformatoren auf dem Gebiete der Schule gezählt werden müſſen, ſteckten derſelben das nämliche Ziel, die Schüler vollſtändig zu latiniſieren*) und auszurüſten, darnach in hohen Facultäten zu ſtudieren, als in Theologia, Medicina, Philoſophia und Jurisprudentia, und dabei ließ Sturm den Unterricht in der deutſchen Sprache, in den neueren Sprachen, in der Geſchichte, der Geographie, der Phyſik und der Mathematik ganz ausfallen. Die Schulgeſetze Trotzendorf zu Goldberg(1548) ſchrieben vor:Die Schüler ſollen nie ihre Mutterſprache gebrauchen, ſondern mit den Lehrern, Mitſchülern oder anderen Gelehrten latein reden, und ein Dichter rühmte von Trotzen⸗ dorf:So hat er die römiſche Sprache allen eingegoſſen, daß es für Schande galt, in deutſcher Zunge zu reden, Knechte und Mägde konnte man latein ſprechen hören, man hätte glauben ſollen, Goldberg liege in Latium. Wie aber Trotzendorf, ſo dachten damals gar viele Schulmänner.

II. Die Realſchule.

Die hergebrachte Behandlung der alten Sprachen war eine ſo einſeitige, nur das Wort als ſolches berückſichtigende, daß man Jahre lang Grammatik lehrte, um ſprachrichtig, Dialektik, um denkrichtig, Rhetorik, um oratoriſch Latein ſprechen und ſchreiben zu lernen, daß man Phraſen und Wörter aus den Klaſſikern zog, um daraus lateiniſche Reden zuſammen zu ſetzen, während man ſich um den Inhalt des Geleſenen durchaus nicht bekümmerte. Und ſo blieb es auch noch einige Zeit nach der Reformation und zwar bei den Proteſtanten, wie bei den Jeſuiten, bei den Sachſen, wie bei den Württembergern, bei Trotzendorf und Sturm, wie bei dem Jeſuiten⸗General Claudius von Aquaviva. Freilich hatten auch ſchon Erasmus(1467 1536), Luther(1483 1546) und Melanchthon(1497 1560), dieſe drei großen Schulmänner, das Eingehen auf den Inhalt, das Studium der Sache, der Schriftſteller auf's wärmſte und dringendſte empfohlen, namentlich auch die Einfügung der Geſchichte, Mathematik, Aſtronomie, Muſik und Phyſik in den Lehrplan der Schulen verlangt; aber dennoch blieben dieſe Studien auf den Schulen und Univerſitäten bis in das 17. Jahrhundert ſehr vernachläſſigt.

Aber je ſchroffer und vollſtändiger man ſich vom Inhalte der Autoren, der Sache(res), ab⸗ und dem Worte(verbum) zuwandte, deſto ſicherer rief man eine Reaction gegen dieſe Einſeitigkeit hervor, ſo daß man ſchon im Anfange des 17. Jahrhunderts den Anhänger der bisherigen Unterrichts⸗ und Lehr⸗ weiſe den Philologus, Criticus, Grammaticus, kurz Verbalis, die Neuerer aber, welche auch den Inhalt, die Sache des Geleſenen, berückſichtigt wiſſen wollten, Reales, das Studium der Sprache, als ſolcher

*) v. Raumer, Geſ hichte d. Pädag. I. S. 221.