— 1—
überhaupt auch die berühmteſte Schule der damaligen Zeit in Deutſchland, die Schule in Fulda unter Rhabanus Maurus, den erſten deutſchen Gelehrten.— Auch die Nachfolger Karls waren noch bemüht, die großen Ideen ihres großen Ahns zu verwirklichen, fanden aber in der Geiſttlichkeit nicht immer die nöthige Unterſtützung.
Ganz ſo wie Karl der Große eine Reformation und einen weiteren Ausbau des Schulweſens im Frankenreiche anbahnte, ebenſo erſtrebte König Alfred d. Gr.(871—901) eine ſolche in England, indem er dem ganzen Volke eine ihm als ſolchem angehörende Schulbildung geben wollte, die als Grundlage der lateiniſchen Gelehrtenbildung dienen könne. Er gründete deshalb Schulen, in denen alle Schüler engliſch leſen und ſchreiben lernen und aus engliſchen Büchern unterrichtet werden ſollten. Es ſind dies die erſten Volksſchulen in England.
Aber die Beſtrebungen dieſer großen Männer blieben ein Ideal, deſſen Verwirklichung in der damaligen Zeit noch nicht erwartet werden konnte, und in der That brachten die Stürme im politiſchen und ſocialen Leben und die immer größer werdende Verderbniß der Kirche, welche von Rom aus befördert wurde und die jeder wahren Bildung Todfeind war, die Schulen wieder ſo in Verfall, daß es am Ende der karolingiſchen Zeit mit dem deutſchen Schulweſen wieder gerade ſo ſtand, wie am Anfange deſſelben, daß nämlich nur noch Kloſter⸗ und Domſchulen übrig waren.
Die Oberleitung der Kloſterſchulen hatte der Abt des Kloſters, welcher den Unterricht durch den Magiſter scolae und einige Mönche beſorgen ließ. In vielen Klöſtern wurden mit der Zeit zwei Schulen eingerichtet, eine, in denen die zukünftigen Ordensgeiſtlichen, die andere, in welcher die Weltkleriker und auch Laien unterrichtet wurden. Nach dem Unterrichtsziel unterſchied man eine obere und eine untere Schule. In der unteren Schule wurden die Pſalmen, die Noten, Geſang, die Kalender⸗ rechnung und die Grammatik gelehrt, in der oberen Grammatik, Rhetorik, Dialektik(das Trivium), Arithmetik, Geometrie, Muſik und Aſtronomie(das Quadrivium), dann Theologie und womöglich noch Geſchichte. In den meiſten Kloſterſchulen wurden jedoch nicht alle dieſe Wiſſenſchaften gelehrt, ſondern ſie begnügten ſich mit den Elementen des Triviums. Auch die Blüthe der Kloſterſchulen dauerte nicht lange und im zehnten und elften Jahrhundert geriethen ſie überall in Verfall.
Im nördlichen Deutſchland bildeten ſich vorzugsweiſe die Stiftsſchulen aus, die länger blühten, als die Kloſterſchulen. Auch über ſie führte der Scholaſticus, ein Canonicus, die Ober⸗ aufſicht, und dieſe Scholaſtiker machten im Laufe der Zeit die Schule dergeſtalt zu ihrem Monopole, daß ohne ihre Erlaubniß keine Schule gegründet, eingerichtet und gehalten werden durfte. Sie beſtellten den Rector der Schule, der mit ſeinen Gehülfen den Unterricht zu ertheilen hatte, beſtimmten das Schulgeld und bezogen davon ein Drittheil, während ein zweites Drittheil den Lehrern zufiel und mit dem Reſte die Bedürfniſſe der Schule, Local, Heizung, Beleuchtung ec. beſtritten wurden. Sie hatten auch, wie die Kloſterſchulen, das Trivium und Quadrivium nebſt Theologie und allenfalls Geſchichte, aber nur in wenigen Schulen, und die Naturwiſſenſchaften waren in den meiſten ausgeſchloſſen. Aus den Schulen, welche nur das Trivium lehren konnten, entſtanden die Trivialſchulen, eigentliche Elementarſchulen.
Alle dieſe Schulen waren von der Kirche gegründet worden und hatten nach wie vor die Aufgabe, Kloſter⸗ und Weltgeiſtliche und Beamten des Staates zu bilden. Als nun im 12., 13. und 14. Jahrhundert in den Städten Handel und Gewerbe aufblühten, da empfand der Bürgerſtand bald


