J. Die Schule im AMittelalter.
Schon Karl der Große(768— 814) fand im Frankenreiche zwei Arten von Schulen vor, die Kloſterſchule und die Kathedral⸗, Dom⸗ oder Stiftsſchulen, beide mit demſelben Zwecke, Ordens⸗ und Weltgeiſtliche zu erziehen, und es war nur eine beſondere Vergünſtigung, wenn die Kirche auch Laien, namentlich denen vom Adel, geſtattete, in dieſen Schulen Bildung zu ſuchen. Die Kloſter⸗ ſchulen waren die älteren und durch die Regel Benedicts von Nurſia(† 543) geſchaffen, die Stiftsſchule zunächſt durch den Biſchof Chrodegang von Metz(† 766) ins Leben gerufen worden*). Dieſen Schulen fügte Karl noch eine Bildungsanſtalt(schola Palatina) für die Leute ſeines Hofes hinzu, ließ 796 durch Alcuin die Schule in der Abtei des h. Martin zu Tours zu einer Muſterſchule für alle Bildungsanſtalten des Reichs umwandeln, machte das Studium der lateiniſchen Klaſſiker zur Pflicht und befahl 789 allen Prieſtern, Schulen zu errichten, worin die Jugend im Leſen, Schreiben, Rechnen und Singen unterrichtet würde. Lehrer für die erſtgenannten Schulen ſuchte er in Italien und England zu gewinnen und ihre Bildung und ihre Kenntniſſe nutzbar für ſein Reich zu machen, und es iſt auch bekannt, wie er ſich perſönlich nach dem Stande ſeiner Schulen und nach den Fortſchritten der Schüler erkundigte. Auch einen eigentlichen Volksſchulunterrichts ordnete er an und führte den Gebrauch der Landes⸗(Mutter⸗) Sprache in die Schule und Kirche ein, befahl ferner den Laien bei ſchwerer Strafe den Glauben und das Gebet des Herrn zu lernen und machte es den Prieſtern zur beſondern Pflicht, die Kinder hierin fleißig zu unterrichten und zu üben. 813 ver⸗ fügten auch die Concilien zu Mainz, Friaul, Rheims und Tours, daß, wer das Glaubens⸗ bekenntniß und das Unſer Vater nicht anders lernen könne, es in ſeiner Mutterſprache lernen ſolle, und Theodulph von Orleans(F 821) befahl den Pfarrern ſeiner Diöceſe, in allen Städten und Dörfern Schulen zum Unterrichte der Kleinen einzurichten. Dieſen Beſtrebungen des großen Mannes, die Mutterfprache zu pflegen und in Kirche und Schule einzuführen, verdanken wir auch den nieder⸗ ſächſiſchen Heliand und die althochdeutſche Evangelienharmonie(Kriſt) des Mönchs Otfried im Kloſter zu Weißenburg im Elſaß aus dem 9. Jahrhundert, ſeinen Beſtrebungen für das Schulweſen
*) Dr. H. Heppe, Das Schulweſen des Mittelalters ꝛc. Marburg 1860, S. 1 ꝛc.


