Aufsatz 
Die Schulreform Philipps des Großmütigen von Hessen
Entstehung
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und in dem Schmalkalder Receß von demſelben Jahre heißt es beſtimmter in Betreff der fundirenden Perſon:uUnd damit unſeren chriſtlichen Kirchen in künfftigen zeiten an Pfarrern und Kirchendienern deſto minder abgehen möge, ſo wollen wir auch Schulen ordnen und die geordneten unterhalten, darinnen die Jugend in Zucht, Ehr und Kunſt möge aufferzogen werden). Dieſen Urkunden ſchließt ſich, ergänzend bezüglich der Motive, eine dritte an, die Fundation der Caſſeler Schule durch den Land⸗ grafen betreffend, welche mit den Worten beginnt:Wir Philipps vonn Gotts gnadenn ꝛc. Bekennen hierane offenlich vor vnns, vnſer erbenn vnnd nachkommendt Furſtenn zu Heſſenn. Nachdem der al⸗ mechtig ewig guttig Gott in dieſenn letztern geſchwinden Zeittenn ſein ewigs heilſames wortt herfur⸗ brechenn vnnd aufgehenn laſſenn, dadurch wir, vnnſer Landt vnnd Lewthe zu rechtem Chriſtlichem ver⸗ ſtannde, glauben vnd wercken komenn, So ſeindtt wir auch ſcholdig vnnd von hertzen geneigtt die ehre Gottes zu fordern vnnd ſo uniell in vnnſerm vermugen iſt verſehung zu thun, domitt wir, unſere kinder, Lannd vnd Lewthe bei ſollicher Neinen Euangeliſchenn lehre hinfurtter ewiglich bleiben mugenn²). Deutlich ausgeſprochen haben wir hier, unſeren früheren Folgerungen zur Beſtätigung, das reformatoriſche Motiv, dasjenige Motiv, welches durchaus weſentlich und charakteriſtiſch iſt für eine Schulorganiſation nach reformatoriſchen Principien, wenn es auch das Vorhandenſein noch anderer Beweggründe nicht aus⸗ ſchließt. Und ſolche mitwirkenden Momente ſind wir allerdings und in einem beſonderen Maße be⸗ rechtigt auch hier anzunehmen. Denn dem hellen Verſtande und dem praktiſchen Sinn des Landgrafen dürfen wir es wohl zutrauen, daß er den Werth einer tieferen und gründlicheren Geiſtesbildung, wie ſie durch die Wiederherſtellung der Wiſſenſchaften ermöglicht war, erkannte und zu würdigen wußte, und das um ſo mehr, da er ſelbſt nach Verhältnis der damaligen Zeit gründlich unterrichtet war; und nicht minder ſind wir bei dieſen Eigenſchaften berechtigt von ihm zu erwarten und vorauszuſetzen, daß ihm der genaue Zuſammenhang zwiſchen Kirche und Schule, zwiſchen Religion und Wiſſenſchaft und die Macht der letzteren und ihre hohe Bedeutung bei dem großen geiſtigen Kampf, der entbrannt und in den er mit der ganzen Energie ſeines Weſens eingetreten war, nicht verborgen blieb. Allein wenn auch dieſe Erwägungen einen nicht wohl zu verkennenden Antheil hatten an dem Entſchluß die Schulen des Landes zu reformiren, das eigentlich drängende und treibende, maßgebende und leitende waren ſie nicht. Das Motiv, welches dazu beſtimmteSchulen zu ordnen und die geordneten zu unterhalten, lag tiefer als in einer äußerlich⸗-politiſchen Berechnung oder einem allgemeinen wiſſenſchaftlichen Intereſſe, es lag in der Kräftigung des chriſtlichen Geiſtes durch die Reformation und in dem dadurch bedingten Be⸗ dürfnis des chriſtlichen Gemüths. Nachdem er an ſich ſelbſt die heiligende Kraft des Evangeliums er⸗ fahren, fühlt er ſich gedrungen und verpflichtet, für die evangeliſche Belehrung ſeines Volkes Sorge zu tragen; erkennt er es als eine heilige Pflichtverſehung zu thun, damit der ewige Heilsrathſchluß Gottes, welcher will, daß allen Menſchen geholfen werde, in dem Bereiche ſeines Wirkens in Erfüllung gehe. Darum faßt er den Vorſatz und bekennt es öffentlich, er wolle Schulen errichten und ihre Unter⸗ haltung ſelbſt übernehmen. Er beſtimmte dazu diejenigen Einkünfte, welche durch die Reformation über⸗ all verfügbar geworden waren, aber nicht überall im allgemeinen Landesintereſſe verwandt wurden 9), die Gefälle der aufgehobenen Klöſter und deren Gebäude.

Mit dieſen Mitteln wurde nun allein, d. h. ohne daß noch andere ſubſidiariſch hinzukamen, ebenſo wie die Univerſität Marburg mit der Stipendiatenanſtalt, ſo auch das zugleich mit dieſer gegrün⸗

¹) Cfr. Seckendorf. Hist. Luther. T. II, Lib III p. 157. ²) Cfr. Vol: XXV. des Regierungsarchivs zu Caſſel(Archiv. Regim. Vol. XXV.)

³) Es ſei nur an Heinrich VIII. von England und an Guſtav Waſa von Schweden erinnert, welche indes, was eigen⸗ nützige Verwendung des Kirchenguts anbetrifft, keineswegs allein daſtehen.