Aufsatz 
Die Schulreform Philipps des Großmütigen von Hessen
Entstehung
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e nungen auf die ganze innere Thätigkeit und Entwickelung der Schulen von weſentlichem Einfluß und ſomit für die Erreichung des letzten Zieles der Schulreform von höchſter Bedeutung ſein mußten. Es wird deshalb bei der an dieſem Orte gebotenen Einſchränkung gerechtfertigt ſein, nur dieſes eine wich⸗ tigſte Verhältnis beſonders zu berückſichtigen, was aber ſonſt noch hieher gehört, ſoweit es ſchon ent⸗ wickelt und erheblich iſt, gelegentlich an dem geeigneten Orte einzuſchalten.

Es war eine große Aufgabe, für die ganz neu geſtiftete Univerſität mit Stipendiatenanſtalt, für das gleichfalls neugegründete Pädagogium zu Marburg und für die übrigen neu eingerichteten Schulen des Landes die zur Unterhaltung derſelben erforderlichen Mittel herbeizuſchaffen. Daß nichts deſto weniger dieſe Aufgabe in ihrem ganzen Umfang, nicht etwa bloß in Betreff der Univerſität, ſon⸗ dern auch hinſichtlich der Schulen übernommen werden müſſe, das konnte für den Landgrafen um ſo weniger einem Zweifel unterliegen, als ihm die Erkenntnis dieſer Nothwendigkeit durch die Erfahrung beſonders nahe gelegt war. Es war, wie ſchon angedentet, des Landgrafen erſte Sorge geweſen und ihm fortwährend eine überaus wichtige Angelegenheit, tüchtige Lehrer für Kirche und Schule heranzu⸗ bilden. Eigens zu dieſem Zwecke war die Stipendiatenanſtalt zu Marburg errichtet und mit ſeltener Liberalität durch Einrichtung von ſechzig Freitiſchen und ebenſoviel freien Wohnungen in den Ge⸗ bäuden der Kugelherren(Gogelherren) ausgeſtattet worden. ¹) Der Landgraf hütete und pflegte auch fernerhin dieſe wichtige und ihm beſonders theure Anſtalt auf das ſorgfältigſte und wurde, um ſie in Flor zu erhalten, nicht müde ihr immer neue Opfer zu bringen. Alle dieſe Anſtrengungen aber waren und wurden vergeblich gemacht, wenn nicht dem Uebel des wegen geringer Beſoldung erfolgenden häu⸗ figen Lehrerwechſels ²) geſteuert wurde, da dieſes, was natürlicherweiſe der Fall ſein mußte, den häufigen Mangel an tüchtigen und erfahrenen Lehrern zur Folge hatte, und ſomit der Segen des Marburger Seminars wenigſtens den Schulen durch ungenügende Dotation verloren gieng. Hätte es für den Landgrafen eines Beweiſes noch bedurft, und bedürfte es überhaupt noch des Beweiſes, um zu zeigen, wie ſehr es für die Erreichung des Schulzweckes von Wichtigkeit ſei, daß die Schulen nicht bloß noth⸗ dürftig, ſondern völlig ausreichend dotirt ſind, hier lag der bündige Beweis greifbar vor Augen. Wenn daher der Landgraf auf dieſem Gebiete entſprechend der Wichtigkeit der Sache eine nicht minder rege Thätigkeit entfaltete als auf dem inneren Gebiete der Schule, ſo kann uns dies bei dem uns bekannten Eifer, mit welchem er das geiſtige Wohl ſeiner Unterthanen zu fördern ſuchte, ebenſo wenig Wunder nehmen, als es uns auf der anderen Seite veranlaſſen darf, ein vollendetes Werk, das aus ſeinen Händen hervorgegangen ſei, zu erwarten; davon muß uns ſchon der Hinblick auf die Groͤße und Schwierigkeit ſeiner Aufgabe abhalten. Wie angeſtrengt auch ſeine Thätigkeit in dieſer Richtung war, es waren doch nur die Anfänge einer Regelung der Etatsverhältniſſe der Schulen, und es konnten nur ſolche Anfänge ſein, die durch ihn gemacht wurden; aber dieſe Anfänge waren dies werden wir ganz beſonders zu beachten haben von der Art, daß dadurch eine glückliche Löſung der ebenſo ſchwierigen als wichtigen, für das Wohl und Wehe der Schulen geradezu entſcheidenden Frage ²³) ange⸗ bahnt wurde.

In der ſchon einmal angezogenen Schulordnung von 1537, welche als das Grundgeſetz des heſſiſchen Schulweſens anzuſehen iſt, beſtimmte der Landgraf in Betreff der Fundation der Schulen im allgemeinen:Die Schulen ſal man mit tuglichen ꝛc. leuthen beſtellen vnnd dieſelbigen in yres leybs narung und notturfft verſorgen, damit ſie nicht in yrer arbeit und dienſt ableſſig ꝛc. behalten werden;

¹) Cfr. Rommel a. a. O. S. 340. 384 ff., insbſ. S. 386.

¹) Man beeilte ſich, wie Rommel ſagt, das Fegfeuer der Schule mit dem Himmel des Predigerſtandes zu vertauſchen. ³)Das erſte Erforderuis, ſagt Wieſe, ſind die genügenden Lehrer; es iſt auch das zweite und dritte. 4