Aufsatz 
Die Schulreform Philipps des Großmütigen von Hessen
Entstehung
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treff der Unterrichtsgegenſtände, deren Wahl ſich daraus von ſelbſt ableitete. Demgemäß wurden, wie man auf der Univerſität die eifrige Forſchung in den Claſſikern mit dem unabläſſigen Studium der heiligen Schrift verband, ſo auch in den Schulen vor allem die beiden Punkte betont: Der Unterricht in der Religion und das Studium der claſſiſchen Sprachen, vornehmlich der lateiniſchen. Bei dieſer überall vorhandenen Uebereinſtimmung in den Cardinalpunkten und unbeſchadet derſelben weist jedoch der in den heſſiſchen Schulen ausgeführte Lehrplan von Anfang an bezüglich des Umfangs des Unter⸗ richts einen Unterſchied aus, indem er einen engeren und einen etwas erweiterten Kreis von Unterrichts⸗ gegenſtänden in ſich ſchloß. Das Pädagogium zu Marburg und das Gymnaſium zu Hersfeld waren höher geſtellt als die übrigen Stadtſchulen. An beiden war, wie bezüglich des letzteren die Stiftungs⸗ urkunde ausdrücklich beſagt¹) und bezüglich des erſteren aus den in dem Gunaden⸗ und Freiheitsbriefe für die Univerſität Marburg enthaltenen Beſtimmungen zu ſchließen iſt ²), der von Melanchthon(1526) für das Gymnaſium zu Nürnberg entworfene Schulplan ³) adoptirt, ſo daß hier zu Religion und dem Studium der lateiniſchen und griechiſchen Claſſiker, an welches man Grammatik, Dialektik und Rhetorik anknüpfte, noch Arithmetik, Muſik und hebräiſche Sprache hinzukamen. Es waren indeſſen auch hier nur zwei Hauptgegenſtände: Religion und Sprachen. Denn daß auf die Arithmetik, welche in den Kreis der Unterrichtsgegenſtände beider Schulen aufgenommen war, ein nur geringes Gewicht gelegt werden mochte, das kann mit ziemlicher Sicherheit aus der von Raumer citirten Einladungsrede eines Docenten der Mathematik an der Univerſität zu Wittenberg geſchloſſen werden, welche, da ſie den Geiſt der Zeit im allgemeinen charakteriſirt, füglich auch auf die heſſiſchen Verhältniſſe anwendbar iſt*). An der lateiniſchen Schule zu Caſſel dagegen, wie an den übrigen lateiniſchen Stadtſchulen Heſſens, war nach der begründeten Annahme Webers) der ſächſiſche Schulplan Melanchthons(von 1528) benutzt, welcher ſich von dem Nürnberger dadurch unterſcheidet, daß Griechiſch, Hebräiſch und Arithmetik in dem erſteren fehlen. Nach dem aber, was ſo eben über die Behandlung der Arithmetik überhaupt geſagt worden iſt, begründete das Fehlen dieſes Unterrichtsgegenſtandes in den nach dem ſächſiſchen Lehrplan eingerichteten Schulen keinen weſentlichen Unterſchied. Weder die Aufnahme noch die Ausſchließung der Arithmetik alterirte den allgemeinen Charakter der Schulen, welcher überall ein und derſelbe war. In ſämmtlichen heſſiſchen Schulen ohne Ausnahme herrſchte entſchieden die Sprachbildung vor, analog der Einrichtung der Univerſität, wo die claſſiſchen Studien fortwährend mit Eifer betrieben wurden und neben den Fachſtudien den Hauptgegenſtand der wiſſenſchaftlichen Beſchäftigung ausmachten. Daß aber die Sprachen durch alle Stadien des Studiums hindurch in dieſem Maße betont wurden, ſodaß für andere Gegenſtände nirgends Raum blieb, das geſchah doch nicht in völliger Uebereinſtimmung mit der Anſicht der Reformatoren. Denn wenn auch Luther aus den früher angegebenen Gründen die Be⸗ treibung der elaſſiſchen Studien als die Hauptſache neben dem Evangelium angeſehen wiſſen wollte, ſo kannte er doch auch, gleich wie Melanchthon 6), noch andere lernwürdige Gegenſtände, und insbeſondere ſind es die Geſchichte, Mathematik, Aſtronomie und Muſik, deren Werth er mehrfach hervorhob, und

¹) Cfr. Winkelmann's Beſchreibung und Geſchichte der heſſiſchen Fürſtenthümer Th. IV. S. 468. ²) S. Rommel's Urkundenband. S. 353.. ³) Cfr. Raumer a. a. O. I, 200.

4 In dieſer Rede wird als der Gegenſtand, welchen der Doeent den Studirenden vorzutragen beabſichtige, nicht mehr und nicht weniger als die Lehre von den vier Species bezeichnet. Raumer I, 319. 4

5) K. Fr. Weber, a. a. O. S. 28. ) Cfr. Melanchthons 1536 gehaltene Rede de philosophia. Raumer I, 210.