Aufsatz 
Die Schulreform Philipps des Großmütigen von Hessen
Entstehung
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n in dem Geiſt, von welchem dieſes getragen war, ſpiegelt ſich treu und rein das Bildungsideal der Zeit. Daher erregt die Betrachtung der Pflanzſchule proteſtantiſcher Bildung in Heſſen, auch ohne tiefer ein⸗ zudringen als hier vergönnt war, unſer beſonderes Iutereſſe, welches dadurch noch geſteigert wird, daß uns dieſe Betrachtung an den Herd des bewundernswerthen Aufſchwungs verſetzt, welchen das geiſtige Leben in unſerem engeren Vaterlande während der Zeit der Reformation genommen hat, und uns die regſte, lebendigſte und edelſte Entwickelung der von Gott in unſer Volk gelegten Kräfte vergegenwärtigt, eine Entwickelung, welcher die Geſchichte zu keiner anderen, weder früheren noch ſpäteren Zeit etwas ähnliches an die Seite zu ſtellen hat.

Wir gehen nun zu dem anderen nicht minder ſorgfältig gepflegten und bebauten Arbeitsfelde des Landgrafen Philipp, den Gelehrtenſchulen, über.

11.

Landgraf Philipp hatte mit der Errichtung der Univerſität nebſt Stipendiatenanſtalt den erſten und wichtigſten Schritt zur Erreichung des Zieles, welches ihm in ſeiner landesväterlichen Fürſorge vor⸗ ſchwebte, gethan. Das nächſte, was ſich an dieſen Schritt anzuſchließen hatte, ergab ſich von ſelbſt. Es galt nun den Bau, welcher mit der Errichtung der Spitze begonnen hatte, nach unten hin weiter⸗ fortzuſetzen, die vorhandenen Schulen nach Maßgabe der der Univerſität gegebenen Einrichtung zu reor⸗ ganiſiren, und zur Erleichterung des Studiums und zur Verallgemeinerung der neuen Bildung die An⸗ zahl der Schulen zu vermehren.

In Folge dieſer alsbald in Angriff genommenen Gründung neuer und der etwas ſpäter nach⸗ folgenden Reorganiſation der vorhandenen Schulen beſaß Heſſen an derartigen Anſtalten: das Pädagogium zu Marburg, welches als eine Muſteranſtalt für das ganze Land zugleich mit der Univerſität errichtet und mit dieſer in die innigſte Verbindung geſetzt war; das nach dem Vorbilde des Pädagogiums eingerich⸗ tete Gymnaſium zu Hersfeld, unter allen zuletzt geſtiftet; ſodann die lateiniſchen Schulen zu Caſſel, Butz⸗ bach, Wetter, Frankenberg, Homberg, Eſchwege, Allendorf a. W., Treiſa, Hofgeismar, Alsfeld, Friedberg, Grünberg, Schmalkalden und Rotenburg ¹). Unter den genannten blühten beſonders die Schulen zu Marburg, Caſſel, Eſchwege, Allendorf und Wetter. Die vier erſteren verdankten ihren Aufſchwung einem einzigen Schulmanne, der ihnen der Reihe nach als Rector vorſtand, und welcher, wie Rommel ſagt, den Grund der Bildung für mehrere Generationen legte, dem bereits genannten auszeichneten, in Erfurt gebildeten und als Profeſſor der Geſchichte und Phyſik zu Marburg verſtorbenen Humaniſten Peter Negidius aus Allendorf a. W. Unter den hervorragenden Schulmännern jener Zeit am meiſten dem trefflichen J. Neander ²) zu vergleichen, zeichnete er ſich ebenſo ſehr durch echte Frömmigkeit wie durch grundliche und vielſeitige Gelehrſamkeit aus, mit welcher er in demſelben Maße wie jener die Tüchtigkeit des praktiſchen Schulmannes verband. Das beweiſen außer dem Gedeihen der von ihm ge⸗ leiteten Schulen, dem Lobe, das ihm ſeine Zeitgenoſſen zollen, und der Anerkennung, die er bei dem

¹) Die alte, durch den primus praeceptor Germaniae Hrabanus Maurus berühmte Gelehrtenſchule zu Fulda in dem alt-heſſiſchen Gau Buchonien kann hier nicht in Betracht gezogen werden, da Fulda zur Zeit Philipps des Großmüthigen nicht zu Heſſen gehörte; dasſelbe gilt von den Grafſchaften Schaumburg und Hanan mit ihren Gelehrtenſchulen.

²) Cfr. Raumer a. a. O. I, S. 225 ff.

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