—,— hochverdienten Kanzler Ficinus und von dem Landgrafen ſelbſt gleich ſehr geſchätzt wurde 1). Außer dieſen Humaniſten erſter Größe müſſen noch zwei ſehr verdiente Schulmänner jener Zeit genannt wer⸗ den: Peter Negidius(Neige) aus Allendorf a. W. und Juſtus Vultejus, der Vater des be⸗ rühmten Hermann Vultejus, des größten Rechtsgelehrten, den Heſſen hervorgebracht hat. Die Be⸗ deutung beider Männer liegt jedoch mehr auf dem Gebiete der Schule, wo der Ort ſein wird ausführ⸗ licher von ihnen zu reden, als auf dem der Univerſität; dieſer gehörten ſie erſt in der letzten Zeit ihres Lebens, nachdem ſie vorher heſſiſchen Schulen mit großem Ruhme vorgeſtanden hatten, und nicht aus⸗ ſchließlich an. Sie leiteten das Pädagogium zu Marburg und bekleideten daneben, der erſtere die Stelle eines Profeſſors der Geſchichte und Phyſik, der andere die eines ordentlichen Profeſſors der hebräiſchen Sprache an der Univerſität.—
Ausgerüſtet mit ſolchen durch die Fürſorge und Umſicht des Landgrafen und ſeines Kanzlers gewonnenen Kräften, denen ſich andere nicht minder tüchtige in anderen Facultäten anreihten, blühte die Univerſität Marburg herrlich auf. Getragen von dem Geiſte, aus dem ſie geboren und der in allen dieſen Männern lebendig war, der Begeiſterung für das evangeliſche Chriſtenthum und die mit dieſem eng verbundenen humaniſtiſchen Studien, griff ſie jugendlich kräftig in den angeregten geiſtigen Auf⸗ ſchwung ein, und der friſche Strom evangeliſchen, chriſtlich⸗-humanen Lebens ergoß ſich von ihr über Kirche und Schule des Landes, doch nicht bloß des heſſiſchen Landes. Der Ruf dieſer Männer zog eine Menge wißbegieriger Jünglinge aus allen Ländern Curopas nach Marburg, beſonders zahlreich aber aus Ungarn und aus der Schweiz, welche letztere ihre Söhne einer ſtreng⸗lutheriſchen Univerſität ſo leicht nicht zuſandte. Angeregt von dem wiſſenſchaftlichen Leben, welches in Marburg herrſchte, und entzündet von dem Eifer und der Hingebung der Lehrer, welche unwiderſtehlich wirkten, trugen ſie die Begeiſterung für die evangeliſche Lehre und für die Wiſſenſchaften, die hier in ihnen geweckt und ge⸗ nährt war, in die Heimath und verbreiteten den an die Reformation geknüpften Segen höherer Bildung über die weiteren Kreiſe des Lebens.—
Es würde zu weit führen, die ausgezeichneten Diener der Kirche und des Staates, welche in dieſer Periode des Glanzes der Univerſität Marburg daſelbſt ihre Bildung empfiengen, namentlich an⸗ zuführen. Nur einer möge genannt werden, von den ausgezeichneten der ausgezeichnetſte. Es iſt der größte lateiniſche Dichter der Neuzeit, der wie kein anderer den Geiſt der alten römiſchen Dichter in ſich anfgenommen und in eigenen Werken gemüth⸗ und geſchmackvoll und mit einem unübertroffenen Wohl⸗ laut der Verſe wiedergegeben hat, der von franzöſiſchen und holländiſchen Gelehrten des 17. und 18. Jahrhunderts, einem de Thou(Thuanus), Burmann und anderen, hochgeprieſene Peter Lotichius Secundus aus Schlüchtern, der ſeinen Meiſter Eobanus Heſſus noch übertraf, aber leider! nur als Schüler, nicht auch als Lehrer die Zierde der Univerſität werden ſollte, da er ſchon in der Blüthe ſeiner Jahre, als er eben in Begriff ſtand eine Profeſſur der Medicin in Marburg anzutreten, auf eine tragiſche Weiſe ſeinen Tod fand ²).
Zu der Blüthe der Univerſität Marburg, welche durch das Zuſammenwirken ſo vieler günſtigen
1 ¹) Der ihm perſönlich gewogene, ja faſt befreundete Landgraf ſpielte öfters mit ihm Schach, wobei er ſeine Freude an dem Zorn des bärtigen Dichters haite, wenn er ihn feſtſetzte Rommel III, VI. Anm. 324. ²) Eine ausführlichere Würdigung der Verdienſte dieſer Männer hat ein trefflicher heſſiſcher Schulmann, der verſtorbene Gymnaſial⸗Director Dr. W. Münſcher in dem Hersfelder Gymn.⸗Progr. von 1852 geliefert, deren Wiederholung hier um ſo weniger überflüſſig erſchien, da die Kenntnis dieſer heſſiſchen Gelehrten im allgemeinen vveniß verbreitet iſt. Außerdem ſind zu vergleichen: Strieder, heſſiſche Gelehrtengeſchichte ꝛc. Bd. II,IV und XVI; Rommel lIl, Buch VI. Anm; Raumer I, S. 91. 200. Bayle dict. hist. crit. Bd. 5; J. Camerarius, narratio de Helio Eobano Hesso, neu ed. v. Th. Kreyßig, Meißen 1843. 32 2


