Aufsatz 
Die Schulreform Philipps des Großmütigen von Hessen
Entstehung
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bürtiger anerkannt, einer der feurigſten und wirkſamſten Beförderer humaniſtiſcher Studien¹) und ebenſo eifriger Anhänger der Reformation und gründlicher Kenner der heiligen Schrift und der Kirchenväter, auf die Empfehlung der Reformatoren als Profeſſor der Geſchichte, Poeſie und Beredſamkeit nach Mar⸗ burg berufen; und des vorigen Schüler und Nachfolger auf dem Lehrſtuhle der Geſchichte: Johann Glandorp, ebenfalls aus Münſter, durch literariſche Thätigkeit zwar weniger bedeutend und berühmt als jener, aber nicht minder erfolgreich wirkend durch gründliche Kenntniſſe wie eifrige und geſchickte Lehrthätigkeit für die Pflege der humaniſtiſchen Studien auf der Univerſität. Unter den aus Heſſen ſelbſt ſtammenden iſt zu nennen: Euricius Cordus(Heinrich Eberwein) aus Oberheſſen, in der Stiftsſchule zu Wetter und nachher zu Frankenberg, wo der ſogleich als die Zierde der Univerſität zu nennende Eobanus ſein Mitſchüler war, vorgebildet, ſpäter zu Erfurt den humaniſtiſchen Studien mit Eifer ergeben und dem Kreiſe angehörig, von welchem die Briefe der Dunkelmänner ausgiengen, und von dem das Werk Luthers als der Sieg des Lichtes über die Finſternis freudig begrüßt wurde. Nach⸗ dem ſich Cordus noch ſpät der Naturforſchung zugewandt und unter Anleitung berühmter humaniſtiſch gebildeter Aerzte in Ferrara ſeine mediciniſchen Studien gemacht hatte, wurde er bald als erſter Profeſſor der Medicin nach Marburg berufen(1527). Auch in der Medicin und Naturwiſſenſchaft hat Curicius für ſeine Zeit Bedeutendes geleiſtet, bekannter und wirkſamer jedoch iſt er durch ſeine lebhafte Theilnahme an der Sache des Humanismus und der Reformation, ſowie durch ſeine poetiſchen Werke geworden ²). Unter allen Vertretern des Humanismus auf der Univerſität Marburg glänzt aber am meiſten Helius Eobanus Heſſus, gleichfalls aus Oberheſſen(geb. 1488), der von Erasmus und Melanchthon hochgefeiert und von den angeſehenſten Gelehrten für den erſten Dichter jenes Zeitalters erklärt wurde. Von gleicher Begabung, gleichem Bildungsgang und gleicher Wirkſamkeit wie Cordus hat er dieſen doch in allen Stücken, ſowol als Beförderer der Sache Luthers, deſſen Jugendfreund er war, und des Hu⸗ manismus, wie als Dichter weit übertroffen. Als Dichter überaus fruchtbar ſowohl durch ſelbſtändige Werke, in denen er Vergil und Ovid aufs glücklichſte nachahmte, als durch zahlreiche Ueberſetzungen griechiſcher Dichter, des Homer, Theokrit und Koluthus, zeichnete er ſich nicht allein durch Leichtigkeit und Fertigkeit der Form, ſondern auch durch Lebendigkeit und Friſche, ja Schwung der Phantaſie, Reich⸗ thum von Bildern, edlen Sinn und ſittliche Reinheit rühmlich aus; ſeine fromme, für das Heilige be geiſterte Geſinnung und ſeinen Eifer für das Evangelium bekundeten viele andere ſeiner Schriften, ins⸗ beſondere ſeine Ueberſetzung der Pſalmen, welcher Luther und Melanchthon die groͤßte Anerkennung zollten. Nachdem Eobanus zuerſt auf der Univerſität Erfurt als Vertheidiger und Beförderer des Humanismus eine hervorragende Rolle geſpielt, ſodann mit ſeinem Freunde und Biographen, dem ge⸗ lehrten Camerarius, zuſammen an dem neuerrichteten Gymnaſium zu Nürnberg gewirkt hatte, wohin beide durch Melanchthon empfohlen, wurde er als Profeſſor der Poetik, Rhetorik und Geſchichte nach Marburg berufen, wo er von ſeinen Collegen und Schülern, von dem um die Blüthe der Univerſität

¹) Sein vallum humanitatis hatte durch die klare und bündige Rechtfertigung der Humanitätsſtudien, wie durch die Aufdeckung der Blößen der alten ſcholaſtiſch⸗monachiſchen Bildung eine tief⸗ und weitgreifende Wirkung, und durch die epistolae obscurorum virorum, deren Hauptverfaſſer er aller Wahrſcheinlichkeit nach war(cfr. Raumer I, 92 und 125), verſetzte er dem Scholaſticismus den Todesſtoß.

²) Der Werth und die Bedeutung der poetiſchen Werke des Euricius Hirtengedichte nach dem Vorbilde Vergils, in welchen er den Gegenſatz des ländlichen Naturlebens gegen die Verderbniſſe ſeines Zeitalters ſchildert, und zahlreiche(über 1200) Epigramme, die ebenfalls durch ihre Bezugnahme auf Perſonen und Verhältniſſe ſeiner Zeit für die genanere Kennt⸗ nis derſelben von Wichtigkeit ſind ergibt ſich ſchon aus der Anerkennung, die Leſſing ihm gezollt hat. Haug hat in Wieland's N. T. Mercur 1793 St. 11 nachgewieſen, daß Leſſing zehn der Epigramme des Euricius frei übertragen und in ſeine Sammlung aufgenommen hat. Cfr. Rommel III, Bch VI. Anm. S. 330.