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Conſtanzer Concil anknüpften, vereitelt wurden, ſelbſtändig in ſeinem Lande zu reformiren begann und da, wo es am meiſten noth that, an Klöſter und Schulen die beſſernde Hand anlegte. 1) Zu dem Ende rief er die Hieronymianer oder Gogelherrn ins Land, welche durch ihre Erziehung zu Bürgerfleiß und Gelehrſamkeit, hauptſächlich aber durch ihre Sorge für die Verbreitung und den Gebrauch der Bibel in der Landesſprache, wie für Anwendung der Mutterſprache im ganzen religiöſen und kirchlichen Leben die Verbeſſerer der Schulen und die Vorläufer der Reformation wie überall, wo ſie gewirkt haben, ſo auch in Heſſen geworden ſind. ²) Daher kam es, daß Philipp der Großmüthige, der, perſönlich ſchon frühzeitig für die Reformation gewonnen, alsbald nach dem Reichstagsabſchied von Speier(1526) und auf denſelben geſtützt ³) zu einer ordnungsmäßigen Einführung der Reformation in ſeinem Lande ſchritt, die ungetheilteſte freie Zuſtimmung Aller fand.*) Es geſchah dies auf der vom Landgrafen noch in demſelben Jahre, zwei Monate nach ſeiner Zurückkunft von Speier berufenen und am 21. October, Samstag nach Galli, eröffneten Synode zu Homberg, welche durch ihre die Verbeſſerung der Kirche und Schule des Landes begründenden Beſchlüſſe für Heſſen ein geſchichtliches Ereignis erſten Ranges gewor⸗ den iſt. Es war natürlich, daß die Reformation in Heſſen, weil ſie wohl vorbereitet war und darum unter der freudigſten Zuſtimmung Aller und raſch zu Stand und Weſen kam, ihren belebenden und fördernden Einfluß auf das geiſtige Leben überhaupt, wie auf das Unterrichts⸗ und Erziehungsweſen insbeſondere nicht allein früher, ſondern auch wirkſamer und nachhaltiger geltend machte; und nicht min⸗ der lag in dieſer Art der Annahme und Durchführung der Reformation eine lebhaftere und innigere Theilnahme an dem großen weltbewegenden Kampf und das frühzeitige und kräftige Eintreten Heſſens in denſelben begründet, welches bei der damaligen, durch die Energie des Fürſten gehobenen politiſchen Bedeutung des Landes für den Gang der Reformation und damit zugleich für die geſchichtliche Ent⸗ wickelung Deutſchlands entſcheidend war. ⁵) Es finden jedoch dieſe beiden die heſſiſche Reformation aus⸗ zeichnenden Erſcheinungen, insbeſondere die erſtere, welche uns lediglich hier beſchäftigen wird, ihre Er⸗ klärung nicht allein in den rückwärts liegenden günſtigen Umſtänden, den gleichartigen Beſtrebungen früherer Fürſten, wodurch der Boden für die Reformation geebnet und bereitet wurde. Ein weſentlicher Antheil an dieſem geſchichtlichen Ergebnis gebührt nächſtdem auch der Tüchtigkeit des Volksſtammes ſelbſt, ſeiner Entſchiedenheit in dem Ergreifen und ſeiner— ſprichwörtlich gewordenen— Beharrlichkeit in dem Feſthalten des Rechten, vor allem aber der dieſen Volkstypus in ausgezeichneter Weiſe darſtellenden Perſönlichkeit des Fürſten, den Gott in jener großen Zeit ſeinem Volke zum Führer und Vorbilde geſetzt hatte, eines Fürſten, der in der Richtung und in der ganzen Art und Weiſe ſeines Wirkens keinem ge⸗ ringeren als ſeinem Großahnen ruhmreichen Andenkens ⁶), dem großen Volksbildner und Regenerator
R ¹) Landgraf Ludwig(von 1413— 1458) genoß wegen ſeiner Weisheit und Gerechtigkeitsliebe eines hohen Anſehens im Reiche.
²) K. v. Raumer, Geſchichte der Pädagogik ꝛc. I, S. 68.
³) Der Reichstagsabſchied von 1526, welcher den Reichsſtänden das Recht zuerkannte, die kirchlichen Angelegenheiten ſelbſtändig zu ordnen, von höchſter Wichtigkeit für den Fortgang der Reformation und in Heſſen ſofort in Auwendung ge⸗ bracht, war hauptſächlich dem entſchloſſenen Auftreten des Landgrafen Philipp zu verdanken. Cfr. Chr. Rommel, Geſchichte von Heſſen B. III Buch VI, S. 328.
⁴) Ebenda. S. 329.
⁵) Ueber die Bedeutung des Landgrafen Philipp für die deutſche Geſchichte cfr. Dr. M. Hoffmann, Landgraf Philipp von Heſſen. Progr. des Gymn. zu Guben 1873.
6) W. Dillich in ſeinem auf Veranlaſſung des Landgrafen Moritz des Gelehrten herausgegebenen Handbuch der heſ⸗ ſiſchen Geſchichte und Geographie weiſt den Urſprung der Landgrafen von Karl dem Großen in zweifacher Linie nach. Cfr. Rommel B. VI, Buch V, S. 431⸗


