12
bringen, welche der heutigen Meteorologie dienen, und von welchen ich nur die wichtigſten nenne: Beobachtung des Luftdrucks und aller Störungen deſſelben, Richtung, Stärke und Dauer der Winde, atmoſphäriſche Niederſchläge, Temperaturverhältniſſe der Luft und des Waſſers, Menge der Luft, Feuchtigkeit u. ſ. w.
Die Geſetze, nach welchen heutigen Tags alle Verhältniſſe der Luftſtrömungen beurtheilt werden, und vermittelſt welcher eine Vorausbeſtimmung derſelben verſucht wird, ſind überraſchend einfacher Natur, ſie ſtellen im weſentlichen eine Verallgemeinerung der Hadley'ſchen Theorie der Paſſate dar. Blickte man früher nach dem Monde und den Sternen um Witterungsände⸗ rungen zu erfahren, ſo werden jetzt die wetterwendiſchen Launen des Windes durch den Baro⸗ meter erforſcht. Bei dieſem Namen darf aber nicht an das von den Landleuten Wetterglas
genannte eigfache Inſtrument gedacht werden, welches wohl in keinem Hauſe fehlt und deſſen Steigen und Fallen keineswegs Witterungsumſchläge, ſondern nur Veränderungen in der Schwere der Luft anzeigt. Die von den Phyſikern gebrauchten Inſtrumente ſind viel empfindlicher und kündigen durch ihren veränderten Stand ſelbſt die geringfügigſten Aenderungen im Druck der Luft an. Letzterer iſt nun nicht allein von der Höhe über dem Meeresſpiegel abhängig. Wird über irgend einem Orte die Luft ſtärker erwärmt, dehnt ſie ſich alſo aus und ſteigt in die Höhe, ſo verändert ſich auch ihr Druck und der Barometer fällt. Solche aufſteigende Ströme geben ſich in den heißen Mittagsſtunden unſers Sommers durch die Bildung der prachtvollen Haufenwolken zu erkennen, die wie aus blendenden Maſſen von Schnee aufgethürmt erſcheinen und von Augenblick zu Augenblick ihre Geſtalt ändern, indem oben immer neue Wolkenballen entſtehen und vergehen.
Kühlt ſich die Luft dagegen ab oder nimmt die Elaſticität des in derſelben befindlichen Waſſergaſes zu, ſo markirt dies der Barometer durch ein Steigen des Queckſilberfadens. Eine einzelne Beobachtung des Barometers erlaubt kaum einen Schluß zu ziehen über die Witterung, etwas anderes aber iſt es, wenn man den Barometerſtand von vielen verſchiedenen Orten mit einander vergleicht, wie dies jetzt, Dank der ſchnellen Dienſtbarkeit des Telegraphen, ermöglicht iſt. Nun hat man gefunden, daß jede Bewegung der Luft nur durch eine Verſchiedenheit des Drucks veranlaßt wird, den dieſelbe in Folge ungleicher Erwärmung an verſchiedenen Lokali⸗ täten übt und daß der Wind ſtets von den Gegenden höhern Luftdrucks nach Orten weht, in welchen niederer Druck beſteht.
Rings um Orte, welche ſtärkern Atmoſphärendruck haben, wo alſo der Barometerſtand ein höherer iſt, bläſt der Wind auf allen Seiten nach außen hin. Rings um Orte von geringerem Luftdruck und alſo niedrigem Barometerſtand, bläſt der Wind von allen Seiten nach innen. An den Orten des ſtärkſten und ſchwächſten Drucks ſelbſt iſt Windſtille, während rings⸗ umher die Winde brauſen. Zwiſchen Orten von gleichem Barometerſtand findet keine Luft⸗ ſtrömung ſtatt.
Um nun die Verſchiedenheit der Barometerſtände leichter beurtheilen zu können und eine Ueberſicht zu ermöglichen, verbindet man alle Orte gleichen Barometerſtandes auf einer Karte durch Linien, welchen man den Namen Iſobaren, Linien gleichen Druckes, gegeben hat. Dieſe Linien geben durch den Abſtand, den ſie von einander haben, ein Mittel, die Stärke des herr⸗ ſchenden Windes und ſeine Richtung zu beurtheilen. Je näher ſie nämlich an einander treten,
4


