Aufsatz 
Eine Abhandlung über Meteorologie, als Vortrag gehalten / vom ... Ebersbach
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bei dieſer Enthüllung der Windverhältniſſe der Tropen ſtehen geblieben, einen Schritt vorwärts that man erſt in unſerm Jahrhundert.

Hier iſt es vor allen Dove, der Altmeiſter der Meteorologen, wie er mit Recht genannt wird, der mit unermüdlichem Fleiße und ſeltener Ausdauer die verwirrenden Windverhältniſſe Europas unterſuchte, der als der erſte Geſetzmäßigkeit da nachwies, wo bisher wilde Regelloſigkeit als Norm gegolten hatte. Schon in den zwanziger Jahren führte er aus ſtatiſtiſchem Material, deſſen Bewältigung eine Rieſenarbeit war, den Nachweis, daß von allen Winden in Europa der Nordoſt⸗ und Südweſtwind am häufigſten auftrete und am längſten andaure; ſodann ſtellte er ſein berühmtes Drehungsgeſetz auf, wonach ein Windwechſel gewöhnlich ſo ſtattfinde, daß der Südweſtwind allmählig in Weſt übergehe, dem ſich Nordweſt, Nord, Nordoſt u. ſ. w. anſchlöſſe, während der umgekehrte Gang zu den ſelten beobachteten Ausnahmen gehöre. Dove entwickelte ſodann auch die Geſetze, welchen die Stürme unterworfen ſind und wirkte durch geiſtvolle Unter⸗ ſuchungen anregend und fördernd in faſt allen meteorologiſchen Fragen. Einen neuen mächti⸗ gen Aufſchwung nahm aber die Witterungskunde durch den Amerikaner Maury. Schon als junger Mann hatte ſich dieſer auf Seereiſen als Midſhipman mit der Unterſuchung der Luft⸗ druckverhältniſſe auf dem Meere beſchäftigt. Charakteriſtiſch für den Amerikaner iſt der Punkt, von dem ſeine epochemachenden Forſchungen ausgingen. Eine rein praktiſche Frage war es, deren Löſung er zunächſt anſtrebte. Bei Seefahrten iſt nicht immer der gerade Weg der kürzeſte; ein Segelſchiff kann vielmehr ein weiter Umweg oft raſcher zum Ziel führen, als die directe Route. Bis Maury dieſe Frage in die Hand nahm, hatte man ſtets dieſelben Bahnen verfolgt, welche die ältern Seefahrer vorgezeichnet hatten, an ein Aufſuchen neuer Wege hatte Niemand gedacht. Zur Löſung der Frage handelte es ſich darum, die Summe der günſtigſten Winde für eine beſtimmte Strecke aufzufinden. In den Schiffjournalen war ein ungeheures Material von Beobachtungen über Windwechſel, Barometerſtand, Temperatur u. ſ. w. vorhanden, mit Hülfe der Regierung ſuchte Maury den Schatz zu heben, fand aber überall das Mißtrauen, welches neuen Ideen gewöhnlich entgegengebracht wird. Um dies Mißtrauen zu brechen, han⸗ delte es ſich um einen ſchlagenden Erfolg, der die Augen ſeiner handeltreibenden Mitbürger auf ihn richtete, und deshalb unterzog er mit Hülfe der Journale der Kriegsmarine nur einen Seeweg, den nach Rio Janeiro, der ſorgfältigſten Unterſuchung. Bis dahin hatte ein Schiff 41 Tage gebraucht, um dieſe Strecke zurückzulegen. Am 9. Februar 1848 lief ein Schiff, ver⸗ ſehen mit den Anweiſungen Maury's, von Baltimore aus und brauchte nur 24 Tage, um daſſelbe Ziel zu erreichen. Eine ſolche Abkürzung der Fahrt um 17 Tage war ein ſo außer⸗ ordentliches Reſultat, daß wohl auch in weniger praktiſchen Ländern, wie Amerika, das Miß⸗ trauen gegen die Leiſtungsfähigkeit Maury's gehoben worden wäre. Andere Reſultate folgten nun raſch, da von dieſer Zeit an die Mitwirkung aller Schiffskapitäne der ſo zahlreichen Marine dem hervorragenden Meteorologen ſicher war. Maury aber genügte es nicht, nur den Inter⸗ eſſen Amerikas zu dienen, ſein Streben ging dahin, die Windverhältniſſe des ganzen Erdballs genau zu ſtudiren und feſtzuſtellen. Dazu war aber die Mitwirkung aller gebildeten Nationen nöthig, und ſo war es denn weſentlich ſein Werk, daß ſich im Jahre 1853 zuerſt ein interna⸗ tionaler Meteorologen⸗Congreß zu Brüſſel verſammelte, dem im Jahre 1873 eben ein ſolcher in Wien folgte. Zweck beider Congreſſe war, Einheit in die mannigfaltigen Beobachtungen zu

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