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Wohl ließ ſich der Polarſtrom leicht nachweiſen, und zeigt er ſich ſowohl im atlantiſchen, als im ſtillen Ocean in voller Regelmäßigkeit, innerhalb der Continente freilich iſt ſeine Richtung, entſprechend dem Lauf der Gebirge, mehr oder weniger verändert. Etwas anders freilich iſt es mit dem obern aequatorialen Strom. Für die Exiſtenz deſſelben hatte man zunächſt keinen andern Beweis, als daß auf dem Pic von Teneriffa oben ein Südweſtwind weht, während am Fuße deſſelben der Nordoſtpaſſat herrſcht; einen zweiten in den ſ. g. Paſſatwölkchen, d. h. ein⸗ zelnen kleinen Wölkchen in den obern Regionen der Atmoſphäre innerhalb der Paſſatzone, während ſonſt der Himmel dort ganz klar iſt. Dieſe Wölkchen ziehen nicht in der Richtung des Paſſatwindes, ſondern derſelben entgegen und beſtätigen ſomit den Aequatorialſtrom. Einen andern Beweis für das Vorhandenſein des letztern führt Dove an:„In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 1812“, ſo ſchreibt er,„hörte man in Barbados, einer weſtindiſchen Inſel, Exploſionen, wie von ſchwerem Geſchütz, ſo daß die Garniſon vom Fort St. Anna unter dem Gewehr blieb. Am 1. Mai bei Tagesanbruch ſah man die öſtliche Seite des Horizontas hell, den ganzen übrigen Theil des Himmels deckte eine ſchwarze Wolke, die auch bald jene helle Stelle umhüllte und nun wurde es ſo dunkel, daß man in den Zimmern nicht die Stelle der Fenſter zu unterſcheiden vermochte, während die Bäume unter der Laſt eines herabfallenden Aſchenregens brachen. Woher kam dieſe Aſche? Nach der Richtung des im April und Mai unausgeſetzt wehenden Paſſats hätte man auf den Pic der Azoren ſchließen ſollen, und doch war es Aſche aus dem Vulkan Morne Garou, des 20 Ml. weſtlich liegenden St. Vincent, wel⸗ ches durch den Paſſat ſo von Barbados getxennt iſt, daß nur ein ſehr großer Umweg die Reiſe vom Vincent nach Barbados möglich macht. Der Vulkan hatte nämlich ſeine Aſche durch den untern Paſſat in den obern geſchleudert. Zu dieſem bisher iſolirt ſtehenden Beiſpiel des Fort⸗ führens vulcaniſcher Aſche gegen die Richtung des unten herrſchenden Paſſats hat die neuere Zeit ein noch auffallenderes geliefert. Am 20. Januar 1835 wurde die ganze Landenge von Mittelamerika durch ein den Ausbruch des Coſeguina begleitendes Erdbeben erſchüttert. Am 24. und 25. verdunkelten in Kingſton auf Jamaica, in einer Entfernnng von 160 deutſchen Meilen, „Schauer feiner Aſche die Sonne, und dadurch erfuhr man erſt, daß die früher gehörten Explo⸗ ſionen nicht von Kanonenſchüſſen herrührten. Die Aſche konnte nur durch den obern Paſſat herbeigeführt ſein, da Jamaica nordöſtlich vom Gebirge am Nicaragua liegt. Zugleich gibt dieſer Ausbruch einen ſchönen Beweis dafür, daß die in der Gegend der Windſtillen aufſtei⸗ gende Luft ſich in der Höhe theilt und nach beiden Polen hinabfließt, denn auf das Schiff Conway fiel auch Aſche, als ſich daſſelbe auf dem ſtillen Ocean ſüdweſtlich vom Coſeguina in einer Entfernung von 140 deutſchen Meilen befand.— Selbſt auf den höchſten Spitzen der Anden hat noch nie ein Reiſender den obern Strom ereicht. In der Gegend der Windſtillen muß daher ſein Abſtand vom Meeresſpiegel mehr als 20000“ betragen“.
Bei zunehmender Abkühlung ſinkt der aequatoriale Strom mehr herab, erreicht jenſeits der tropiſchen Zone die Erdoberfläche und ringt ſodann mit dem polaren Strom, dem Sohne des Nordens, um die Herrſchaft über die Länder und Meere der gemäßigten Klimate mit ihrer launiſchen Witterung.
Auf analoge Weiſe, wie die Paſſate, werden die Mouſſons Indiens und Oſt⸗Afrikas und auch die regelmäßigen Winde des mittelländiſchen Meeres erklärt. Faſt ein Jahrhundert war


