Aufsatz 
Eine Abhandlung über Meteorologie, als Vortrag gehalten / vom ... Ebersbach
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mungen, da hierbei die entgegenſtehenden Schwierigkeiten am leichteſten erkannt werden, um ſchließlich die Hauptſätze der heutigen Meteorologie auseinanderzuſetzen und ihre Anwendung zu zeigen.

Die Urſache, welche die Winde hervorruft, erſchien den alten Culturvölkern ſo räthſelhaft und launenhaft, daß man ſich nicht anders zu helfen wußte, als die Winde ſelbſt zu perſonifi⸗ ciren und ſie zu Söhnen von Göttern und Rieſen zu machen, die nach griechiſcher Anſchauung alle dem Aeolus unterthan waren, der ſeinen Wohnſitz auf einer ſchwimmenden, von ehernen Mauern umgebenen Inſel hatte. Die Gelehrten des claſſiſchen Alterthums vermochten keine genügende Erklärung für dieſelben zu geben, offenbar deshalb, weil ſich ihre Beobachtung auf ein zu kleines Gebiet, die Länder des Mittelmeers, erſtreckte. So lange die Schiffahrt auf das Becken dieſes Meeres beſchränkt blieb oder doch im weſentlichen an die Küſte Europas gebannt war, konnte bei der Unbeſtändigkeit und der ſcheinbar ganz regelloſen Aufeinanderfolge der Winde an eine urſächliche Erklärung der Luftſtrömungen und an die Aufſtellung eines allgemeinen Prinzips über die Entſtehung derſelben gar nicht gedacht werden. Wir finden hier die Meteorologie in abſoluter Abhängigkeit von geographiſchen Forſchungen und erſt nach der Entdeckung Amerikas und mehr noch nach der des Seewegs nach Oſtindien, als ſich zuerſt die Schiffahrt auf die ſüdlich vom Aequator liegenden Länder erſtreckte, wurden die erſten Auf⸗ ſchlüſſe über die Windverhältniſſe eines beſchränkten Gebiets, nämlich der Länder und Meere zwiſchen den Wendekreiſen, gewonnen.

Bekannt iſt die Erzählung von der Angſt und Beſorgniß, welche in den Begleitern des Columbus durch den beſtändig wehenden Nordoſtwind erweckt wurde, von dem ſie fürchteten, daß er ihnen die Rückkehr nach ihrem Heimathslande zur Unmöglichkeit machen würde. Man nannte dieſe Winde, die das ganze Jahr hindurch in derſelben Richtung wehen, zuerſt Damen⸗ winde, aber nicht etwa um dadurch ihre Beſtändigkeit zu charakteriſiren, ſondern weil eine ſchwache Mädchenhand Kraft genug beſitze, um unter der Herrſchaft dieſer Luftſtrömung das Steuerruder zu führen. Wir nennen dieſe Winde, welche in der heißen Zone auf der nördlichen Halbkugel aus N 0, auf der ſüdlichen dagegen aus S0 wehen, Paſſate. In ihrer vollen Re⸗ gelmäßigkeit treten ſie im atlantiſchen und im ſtillen Ocean auf und erleichtern ſie im erſtern die Ueberfahrt nach Weſtindien, im letztern, ſo friedlichen Meere die Paſſage von Cali⸗ fornien nach den Inſeln Polyneſiens. Neben dieſen Winden lernte man ſchon in damaliger Zeit die ebenſo regelmäßigen Mouſſons Oſtindiens genauer kennen, von denen ſchon Ariſtoteles Kenntniß hatte, und die allen und jeden Handelsverkehr jenes Landes regeln, indem ſie die eine Hälfte des Jahres, in unſerm Sommer, von Madagaskar nach Vorderindien wehen, wäh⸗ rend in unſerm Winter die Strömung eine entgegengeſetzte iſt.

Ehe man an eine Erklärung dieſer ſo regelmäßigen Winde denken konnte, mußte ein ande⸗ deres, viel lokaleres und ebenfalls ſchon im Alterthum bekanntes Phänomen erklärt werden. Es waren dies die Winde, die den Schiffer bei Tage von der See zu Lande führen, in der Nacht aber das Auslaufen der Segelſchiffe erleichtern, ſo daß man, ehe der Dampf als bewegende Kraft allherrſchend wurde, mit Recht ſagen konnte, daß,der von den heimathlichen Geſtaden Abſchied Nehmende Troſt finde in den Armen des Schlafs, während dem vom unwirthli⸗ chen Meere Zurückkehrenden die Heimath im vollen Glanze der Sonne erſcheine. Wenn