Aufsatz 
Eine Abhandlung über Meteorologie, als Vortrag gehalten / vom ... Ebersbach
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Einfluß auf unſere Atmoſphäre hätte, da ſich in jedem Augenblicke ſeine Stellung und damit auch ſeine geheimnißvolle Einwirkung berechnen ließe. Das Wetterprophezeien wäre dann eine leichte Sache, leider zeigt ſich aber hier nur ein den meiſten Menſchen inwohnender Zug, ein Geheimniß durch das andere zu erklären;unerklärte Vorgänge im Nervenleben ſollen ihren Grund im Magnetismus und unerklärter Windwechſel im Monde haben. Vor allem ſollte die Regenmenge von den Quadraturen des Mondes abhängig ſein. Die Berechnungen, welche man aus zahlloſen Aufzeichnungen in dieſer Beziehung gemacht hat, ſind ſo wider⸗ ſprechend, daß man ſich bei manchen kaum des Gedankens an eine vorgefaßte Meinung und eine dem entſprechende Zahlengruppirung entſchlagen kann. Während z. B. der berühmte Königsberger Aſtronom Beſſel aus 50jährigen genauen und zuverläſſigen Beobachtungen keinen Einfluß des Mondes auf die Regenmenge und die Zahl der Regentage herauszurechnen ver⸗ mochte, wollen andere für einige ſüddeutſche Städte eine größere Regenmenge für die Zeit zwiſchen dem erſten Viertel und dem Vollmond, eine geringere zwiſchen dem letzten Viertel und dem Neumond herausgefunden haben, während ſich für einige Orte in Frankreich genau das Gegentheil ergeben hat. Nach allem iſt alſo in dieſer Beziehung ein ſicheres Reſultat noch nicht gewonnen, aberviele wollen ſich, wie der Naturforſcher Ule ſagt,den ererbten Glauben nicht rauben laſſen. Jeder beruft ſich auf ſeine eigene Erfahrung und will es tauſendfach beobachtet haben, daß mit dem Mondwechſel ſich das Wetter ändere. Was ihm die Großmut⸗ ter erzählte, berichtet er gläubig den Enkeln.

Einen anderen Einfluß hat man aber in neueſter Zeit mit den ſo verbeſſerten Inſtrumenten der Gegenwart nachzuweiſen vermocht, der auch mit dem gewöhnlichen Volksglauben, daß der Mond Kälte bringe, übereinſtimmt. Es iſt dies die Wärmewirkung des Mondes. Der Mond ſendet, wie der große engliſche Phyſiker Tyndal nachgewieſen hat, der Erde Wärme⸗ ſtrahlen, doch gelangen dieſelben gar nicht bis zum feſten Kern der Erde, ſondern wer⸗ den von dem in der Luft befindlichen Waſſerdampf abſorbirt. Die Wirkung derſelben würde alſo darin beſtehen, daß ſie die Wolken weniger dicht machten und die Ausſtrahlung der Erde in den freien Weltenraum erhöhten, als deren Folge alſo eine Temperaturerniedrigung an der Erdoberfläche folgen müßte. Das Gegentheil müßte ſtattfinden, wenn der Mond uns die geringſte Menge ſeiner Wärme zuſendet. Beobachtungen, die zu Oxford, Greenwich und Berlin angeſtellt ſind, ſcheinen nun zu beſtätigen, daß zur Zeit des Neumonds, in welcher der Mond uns ſeine von der Sonne nicht beſchienene d. h. kalte Seite zukehrt, die Temperatur am Boden etwas erhöht iſt, während ſich zur Zeit des Vollmondes eine Erniedrigung derſel⸗ ben zeigt.

Die heutige Meteorologie hat ſich faſt gänzlich frei gemacht von kosmiſchen Einflüſſen, weder die Mondphaſen noch auch die Stellung der Planeten finden Berückſichtigung; alle Vor⸗ gänge in der Atmoſphäre, vom leiſen Säuſeln des Windes bis zum gewaltigen in vernichten⸗ der Kraft einherbrauſenden Sturm werden auf die Allgewalt der Sonne, dieſer mächtigen Ur⸗ heberin allen Lebens und jeder Bewegung, zurückgeführt. Es kann nicht in meiner Abſicht liegen, im Rahmen eines kurzen Vortrags alle Lehrſätze der heutigen Meteorologie vorzuführen und zu erläutern, eine Wiſſenſchaft läßt ſich nicht auf dieſe Art mittheilen. Ich beſchränke mich zunächſt auf eine hiſtoriſche Entwicklung der Anſichten über die Entſtehung der Luftſtrö⸗