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dem ſ. g. 100jährigen Kalender, der von einem gewiſſen Knauer am Ende des 17. Jahrhunderts verfaßt iſt. Der ſtolze Name 100jähriger Kalender iſt nur ein glänzendes Aushängeſchild, die Periode, welche demfelben zu Grunde liegt, iſt nur eine jährige, entſprechend den 7 ſ. g. aſtrologiſchen Regenten. Alle 7 Jahre kehrt hiernach dieſelbe Witterung wieder und Neues in Erſcheinung treten zu laſſen, duldet der Einfluß der Geſtirne nicht.
Suchte man ſo einerſeits die Witterung in Abhängigkeit von den Geſtirnen darzuſtellen, ſo fanden andere in dem Inſtinkt der Thiere untrügliche Vorzeichen für die Zukunft. Daß auch hier dem Aberglauben ein weites Feld geöffnet, läßt ſich leicht erkennen. Daß die Thiere den Einflüſſen der Witterung unterliegen, wer ſollte es leugnen, daß manche unter ihnen ſogar außerordentlich ſenſibel ſind, läßt ſich beweiſen, zu Wetterpropheten können ſie aber nur erhoben werden durch die Annahme, daß nicht nur der gegenwärtige Zuſtand der Atmoſphäre, ſondern auch der zukünftige auf ſie ſeinen Einfluß geltend mache, daß ihnen alſo eine divina⸗ toriſche Gabe inwohne. Daher die widerſprechendſten Prophezeiungen. Wurde doch im vergan⸗ genen Herbſt aus dem Verhalten der Bienen, welche bei dem milden Wetter ihre Fluglöcher nicht verklebten, ein Winter ohne Froſt vorhergeſagt, während andere aus den großen Vorräthen des Hamſters und dem Benehmen anderer Thiere einen ſehr ſtrengen Winter verkündeten. Wie alt aber der Glaube an dieſes wunderbare Vorgefühl der Witterung iſt, ſieht man daraus, daß z. B. ſchon Plinius in ſeiner Naturgeſchichte erwähnt, man könne aus dem Verhalten der Spinne die künftige Witterung beſtimmen. Ende des vorigen Jahrhunderts wurde dieſe Kunſt von dem Franzoſen d'Isjonval als Araneologie ſyſtematiſch abgehandelt. Dieſem Manne war die Vorherſagung eines in Holland eintretenden ſtarken Froſtes im Jahre 1794 geglückt und ſein Ruhm dauerte ſo lange, bis ihm eine ähnliche Prophezeiung, die er ebenfalls den Spin⸗ nen abgelauſcht, vollſtändig fehlſchlug. Wie mit dieſen, möchte es auch mit den Anzeichen der bevorſtehenden Witterung aus dem Flug der Vögel, der Inſekten u. ſ. w. ſtehen, die ſich bei näherer Betrachtung als inhaltslos ergeben und die doch ſtets wieder Gläubige finden.
Weniger problematiſch und leichter controlirbar ſind die Anzeichen, welche dem treuen Be⸗ gleiter der Erde, dem Monde, entnommen ſind, dem man ſchon ſeit den älteſten Zeiten einen beſtimmenden Einfluß auf die Witterung zugeſchrieben hat. Man kann dieſe Frage in man⸗ cher Beziehung ſchon ernſter auffaſſen, hat man doch in der Erſcheinung der Gezeiten eine Einwir⸗ kung dieſes Geſtirns, welche die der Sonne um mehr als das Doppelte übertrifft und die Kräfte in Bewegung ſetzt, gegen welche die Strömungen der Luft ſcheinbar verſchwinden. Trotz aller Bemühungen aber iſt es nicht gelungen, dem Monde einen nennenswerthen Einfluß auf unſere Atmoſphäre zuzuſchreiben, wenn man gleich zugeſtehen muß, daß derſelbe im Luftocean ebenſo eine Ebbe und Fluth hervorbringt, wie im Meere. Dieſe Einwirkung läßt ſich durch den Ba⸗ rometer genau controliren, und in den regelmäßigen Schwankungen der Queckſilberſäule läßt ſich, beſonders in den Tropen auch ein Einfluß des Mondes ſcharf und deutlich nachweiſen, wenn er ſich auch als geringfügig gegen die andern Faktoren erweiſt.
Was gegen einen weſentlichen Einfluß des Mondes ſpricht, iſt zunächſt der Umſtand, daß derſelbe in 18— 19 Jahren dieſelbe Stellung zur Erde hat, daß ſich alſo auch in der Witte⸗ rung eine ſolche 18jährige Periode wiederſpiegeln müßte. Dies iſt aber keineswegs der Fall. Den Meteorologen wäre der größte Dienſt damit erwieſen, wenn der Mond einen merkbaren


