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oder kürzere Zeit vorherzubeſtimmen, was der ſo oft verſpotteten und verlachten Wiſſenſchaft den Enthuſiasmus aller Schichten der Geſellſchaft entgegentrug. Sicher war es nur bei we⸗ nigen der innere Drang nach Erkenntniß der Urſächlichkeit der ſcheinbar ſo regelloſen Verände⸗ rungen im Zuſtande des Luftmeers, an deſſen Boden wir leben, der nach Befriedigung heiſchte, — den meiſten ſchien die Ausſicht zu verlockend, all' ihr Thun und Laſſen, die Geſchäfte im Hauſe und im Felde, auf Grund einer ſichern Vorausbeſtimmung des Wetters regeln zu kön⸗ nen. Und doch iſt es gerade dieſe Sucht nach Wetterprophezeiungen geweſen, welche die Meteorologen ſtets in Mißkredit brachte und öfter die ganze Wiſſenſchaft als eine nichtige und hohle erſcheinen ließ, gleich als ob vom Wetter ſprechen auch in dieſer Beziehung nichts bedeute als gleichgültige, nichtsſagende Dinge behandeln.
Keine Wiſſenſchaft hat mit einer ſolchen Fülle von Aberglauben zu kämpfen gehabt, wie die Lehre vom Wetter. Je verſteckter und entfernter die eigentlichen Urſachen der in der At⸗ moſphäre vorgehenden Aenderungen liegen, je geringer die Erfolge ſind, die ein einzelner noch ſo ſcharfſinniger und gewiſſenhafter Beobachter zu erringen vermag, um ſo erklärlicher muß es erſcheinen, daß man kosmiſche Urſachen, das Walten der Geſtirne da zu ſehen glaubte, wo räumliche Entfernung den irdiſchen Zuſammenhang nicht erkennen ließ, um ſo geneigter mußte man ſein, lokale Beobachtungen als überall geltende anzuſehen. Als ganz characteriſtiſch für dieſe Art der Witterungskunde iſt es, daß ſie keinem Vorgang in ſeinem urſächlichen Zuſam⸗ menhange zu erklären ſtrebt, ſondern ſtets nur nach Anzeichen ſucht, welche Kunde geben ſollen von der Witterung künftiger Tage und Wochen. Auf dieſes Streben ſind die zahlloſen Wit⸗ terungsregeln und Wetterſprüche zurückzuführen, die in einzelnen Fällen von ſcharfer Beobachtung zeugen, die aber ſtets nur für eine beſtimmte Oertlichkeit Gültigkeit haben und die, trotz eines unbeſtreitbar wahren Kernes, augenblicklich als falſch befunden werden, wenn ſie im Gewande einer allgemeinen Regel auftreten.
Daher auch die leicht erklärliche Thatſache, daß dieſelbe Regel in verſchiedenen Gegenden ſich an verſchiedene Tage knüpft. Von vielen Beiſpielen wähle ich nur eins. Während in Norddeutſchland der 27. Juni, die Siebenſchläfer, als entſcheidend für die folgende Zeit ange⸗ ſehen wird, indem es heißt:
Wenn es am Tage der 7 Brüder regnet, So ſind 7 Wochen mit Regen geſegnet, ſagt man in andern Gegenden Deutſchlands: Regnet's am Johannistag(24. Juni) Eine naſſe Erndte man gewarten mag. Nach einem andern Verslein, das ſchon im 16. Jahrhundert bekannt war, ſoll der 29. Juni, Peter und Paul, von hoher Bedeutung für das ganze Jahr ſein: Iſt der Tag hell und klar, wird es geben ein gutes Jahr; Toben die Winde heut, gibt es Krieg und Streit, Steigen ſtarke Nebel auf, ſterben viele Thiere drauf; Gibt es Regen und Schnee, dann theure Zeit, o weh!
In England endlich gilt der 1. Juli für entſcheidend für die folgenden Wochen.
Noch tiefer als dieſe Wetterregeln des Volks, denen wenigſtens ein Körnchen Wahrheit, wenn auch nur für beſtimmte Gegenden, nicht abzuſprechen iſt, ſtehen die Prophezeiungen nach


