Der Drang nach Erkenntniß und Wahrheit iſt tief begründet in des Menſchen Natur;
er iſt es, der alle und jede Wiſſenſchaft hervorgebracht hat. Unbekümmert um äußere Erfolge geht die ernſte und echte Wiſſenſchaft ihren Weg, getragen allein von der Begeiſterung und dem Forſchungstrieb ihrer Jünger;— die Gunſt und Aufmerkſamkeit des großen Publikums aber wendet ſich ihr erſt dann zu, wenn ſich die entdeckten Wahrheiten fähig erweiſen, fördernd auf die äußere Geſtaltung des menſchlichen Lebens einzuwirken. Die große Menge ſchätzt eine Wiſſenſchaft nur ſoweit, als ſie ſich in irgend einer Beziehung nutzbringend verwerthen läßt. — Während in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Lehre von der Electricität noch als eine Art ganz unterhaltender Spielerei angeſehen wurde, wandte ſich ihr das Intereſſe mehr und mehr zu, als es dem großen Benjamin Franklin gelang, dem Himmel den Blitz zu entreißen, wie ſich der gelehrte Miniſter Ludwig des XVI. Turgot übertreibend ausdrückte. Als Weber und Gauß in Göttingen zwiſchen dem phyſikaliſchen Cabinet und der Sternwarte den erſten Draht ſpannten, um ſich die Reſultate ihrer Berechnungen und Forſchungen unmit⸗ telbar mitzutheilen, wie viele mögen da nicht den Kopf geſchüttelt und gelächelt haben über die abſonderliche Schrulle ſolcher unpraktiſchen Gelehrten. Jetzt wo Drähte über Länder und durch Meere mit Gedankenſchnelle die Rede des Menſchen fortleiten, jetzt wo man ſogar den Schall, das geſprochene Wort, durch Electricität auf größere Entfernungen zu übertragen vermag, iſt jeder überzeugt von der hohen Wichtigkeit einer Wiſſenſchaft, die ſo Vortreffliches für jeden Hausſtand zu leiſten vermag. Doch man darf ſich nicht täuſchen laſſen, nicht die Wiſſenſchaft iſt es, die hochgeſchätzt wird, nur vor den Erfolgen ſtehen die Meiſten ſtaunend und bewundernd, ſie ſind es, die man anbetet.
Auch für eine der jüngſten Wiſſenſchaften, für die Meteorologie, ſchien vor einigen Jahren der Zeitpunkt gekommen zu ſein, wo ſich ihr die volle Aufmerkſamkeit des gebildeten Publikums zuwendete, wenigſtens ſteigerte ſich plötzlich das Intereſſe für alle meteorologiſchen Fragen und in zahlloſen Aufſätzen in allerhand Zeitſchriften, politiſchen wie wiſſſenſchaftlichen, wurde der Wißbegierde der Leſer Kunde gegeben von den Fortſchritten der Lehre von Wind und Wetter. Sieht man aber etwas genauer zu, worin der Grund dieſer Wißbegierde liegt, ſo kommt man doch wieder zu der Ueberzeugung, daß es nur der von einigen Heißſpornen ausgeſprochene Satz war, daß man es in Folge der neueſten Forſchungen vermöchte, die Witterung auf längere


