Aufsatz 
Eine Abhandlung über Meteorologie, als Vortrag gehalten / vom ... Ebersbach
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Morgens beim Aufgang derſelben an den Küſten Windſtille herrſcht, ſo erhebt ſich ſchon nach wenig Stunden eine friſche Seebriſe, die bis gegen Abend anhält; dann tritt wieder Wind⸗ ſtille ein, welcher nach kurzer Friſt ein Landwind folgt. Die Erklärung dieſer Erſcheinung fand man in dem Vermögen des Landes, unter den Strahlen der Sonne raſcher zu erwarmen, als dies beim Waſſer der Fall iſt. Ueber dem erwärmten Lande ſteigt nun die Luft ebenſo in die Höhe, wie wir dies bei jedem Schornſtein unter dem Einfluß des Ofenfeuers zu ſehen gewohnt ſind. An Stelle der ſich erhebenden Luft tritt die kühlere, die über dem Waſſer ruht, d. h. aber nichts anderes, als: es weht ein Wind vom Waſſer zu Lande, wie dies auch ſchon bei größeren Seen beobachtet werden kann. Bei Nacht kühlt ſich die ſtarre Erde durch Aus⸗ ſtrahlung ihrer Wärme in den Weltenraum ab, während die Waſſermaſſen viel länger warm bleiben und hieraus ergibt ſich der umgekehrte Vorgang von ſelbſt. Schon der geringſte Unter⸗ ſchied in der Temperatur bringt einen Luftzug hervor, der ſich bei aneinanderhängenden Zimmern oft in ſo läſtiger Weiſe fühlbar macht, an der Grenze von Wald und ſonnigem Feld aber als ein angenehm kühlender Luftzug erſcheint, der uns aus dem Schattenraum der Bäume anfächelt. Um eine Vorſtellung von der Kraft zu geben, mit welcher erwärmte Luft in die Höhe ſteigt, erinnere ich an die Montgolkèren, vermittelſt welcher die erſten Luftſchiffahrten unternommen wurden. 381 a 3,= Kehren wir zu den Paſſatwinden zurück! Wir finden nördlich vom Aequator Nordoſtwind, ſüdlich von demſelben Südoſt, welche beide, je näher dem Aequator, immer mehr in Oſtwind übergehen und da, wo ſie ſich begegnen, von einem ruhigen Gürtel getrennt werden, welcher die von den Seefahrern ſo gefürchtete Gegend der Windſtillen oder Calmen iſt; hier wird eine erſchöpfende, drückende, ſchwüle, ſtille Luft nur vor heftigen Gewittern und gefährlichen Wir⸗ belſtürmen unterbrochen. Die Paſſate, an welche ſich in größerer Entfernung vom Aequator auf der nördlichen Erdhälfte ein Südweſtwind, auf der ſüdlichen ein Nordweſtwind anſchließt, ändern wie die Gegend der Windſtillen ihre Lage mit dem Gange der Sonne, rücken vor⸗ und rückwärts. Herrſcht der Paſſat, ſo iſt heiteres, trockenes Wetter, es iſt dies die Zeit der Sonne, tritt Windſtille ein, ſo zeigen ſich die erſten Wolken, es beginnt die Regenzeit. Gleich nach Bekanntwerden der Erſcheinung wurden verſchiedene Erklärungen verſucht, ſo von Baco von Verulam, von Galilaei, Descartes u. A., keine jedoch genügte. Erſterer kannte wohl die Abhängigkeit der Winde von der Temperatur, aberdie Nichtigkeit des coper⸗ nicaniſchen Syſtems unmathematiſch leugnend, wie Humboldt ſagt,fabelte er von der Mög⸗ lichkeit, daß unſere Atmoſphäre ſich auf gleiche Weiſe als der Himmel täglich um die Erde drehen und ſo den tropiſchen Oſtwind veranlaſſen könne. Die richtige, noch heute unverändert angenommene Erklärung gab 1735 Hadley. Nach dieſer haben die Paſſate den Heerd ihrer Entſtehung in der Zone der Calmen. Hier wird durch die ſenkrecht herabfallenden Sonnen⸗ ſtrahlen die Luft auf 35 40 erhitzt, wird hierdurch ſtark ausgedehnt und ſteigt dann vermöge

ihrer größeren Leichtigkeit in die Höhe. In dieſer Gegend des aufſteigenden Luftſtromes findet

keine andere horizontale Bewegung der Luft ſtatt, ſie iſt die Region der den Segelſchiffen ſo verderblichen Windſtillen. Die aufſteigende Luft führt ungeheure Maſſen Waſſerdampf mit ſich. Dieſe verdichten ſich in demſelben Maße als mit der zunehmenden Höhe die Abkühlung vor⸗

ſchreitet, und hierin liegt der Grund für die faſt täglich auftretenden furchtbaren Gewitter und