Aufsatz 
Die einfachsten Mittel zur Zeitbestimmung für's praktische Leben : 1. Teil
Entstehung
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gehen, man bis zum folgenden Mittag in Bezug auf eine möglicher Weise stattgefun- dene Störung der Uhr im Unsicheren bleiben würde, so ist es zweckmässig, neben dem Gnomon auch eine Sonnenuhr zu besitzen, da diese wenigstens für die zwei dem Mittag auf beiden Seiten nahe liegenden Stunden eine noch immer ziemlich genaue Zeitbestimmung zu machen gestattet. Die ausführlichere Besprechung derselben wird den Inhalt der zweiten Hälfte dieses Aufsatzes bilden.

Es bleibt nun noch übrig, ein einfaches Mittel anzugeben, wie man sich von dem richtigen Gange seiner Uhr ohne viele Mühe überzeugen kann. Die Beohachtungen am Gnomon sind immer wegen des unvermeidlichen Halbschattens bis auf einige Secunden unsicher. Diese wenigen Secunden aber können sich im Laufe von Wochen und Monaten bis zu einer ganz beträchtlichen Anzahl von Minuten anhäufen, so dass man genöthigt ist, seine Uhr aufs neue zu stellen. Um also den Gang der Uhr so genau als möglich kennen zu lernen, muss man sich, wenn es nur irgend möglich ist, einer Methode be- dienen, die schon Olbers im Anfange unseres Jahrhunderts mit grossem Erfolge an- gewendet und empfohlen bat. Sie besteht darin, dass man einen Stern in dem Augen- blicke beobachtet, wo er hinter einem ziemlich entfernten terrestrischen Objecte(der Mauer eines Thurms oder andern hohen Gebäudes, einem Blitzableiter u. dgl.) ver- schwindet. Man bezeichnet zu dem Ende an der Seite des Fensters, an dem man diese Beobachtung machen kann, die Stelle(etwa durch einen schief eingeschlagenen Nagel oder auf audere Weise), wo man das Fernrohr anlegt, und wartet so den Mo- ment ab, in welchem der Stern hinter der Thurmecke verschwindet. Am besten bedient man sich zu diesem Ende eines kleinen, nicht sehr vergrössernden Fernrohrs mit kleinem Objectiv. Denn ist der terrestrische Gegenstand nicht sehr entfernt von dem Beobach- tungsort, so wird der Stern, wenn er an die Thurmwand herantritt, nicht augenblick- lich und mit einem Male verschwinden, sondern sein Licht wird nur nach und nach abnehmen, weil die rechte Seite des Objectivs schon keine Strahlen mehr empfängt, während diese noch auf die linke Seite desselben fallen und der Stern immer noch, wenn auch sehwächer und kleiner erscheinend, sichtbar ist. Allein dieses allmähliche Schwächerwerden des Lichtes des Sterns thut der Brauchbarkeit der Methode keinen Abbruch, da das gänzliche Verschwinden des Sterns doch als ein einziger, scharf auf- zufassender Moment sich darstellt, der dann notiert wird. Da nun der Stern immer an derselben Stelle des Thurms verschwindet, so bestimmt dieser Punkt mit dem an der Fensterwand, an den das Fernrohr immer auf gleiche Weise angelegt werden muss, eine gerade Linie, welche ein festes, unverrückbares Azimuth gegen den Meridian hat. Denkt man sich nun durch diese Linie und das Zenith einen grössten Kreis gelegt, so wird der Stern immer genau nach 24 Sternstunden durch die Ebene dieses Kreises gehen, also immer genau nach Ablaut eines Sterntages, von der ersten Beobachtung an gezählt, an derselben Stelle verschwinden müssen. Zeigte also die Uhr Sternzeit,