Aufsatz 
Die einfachsten Mittel zur Zeitbestimmung für's praktische Leben : 1. Teil
Entstehung
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Wird über einem Punkt einer richtig gezogenen Mittagslinie irgend ein Zeiger (Stift, Säule, Pyramide) senkrecht errichtet, so hat man einen Gnomon, dessen Schatten in dem Augenblicke, wo er genau in die Mittagslinie fällt, den Durchgang der Sonne durch den Meridian und somit den Anfang des wahren Sonnentages immer richtig anzeigt.

Diese Gnomone waren früher bei weitem mehr im Gebrauch, als gegenwärtig. Da der den Zeigerstift umgebende Halbschatten die Beobachtung immer um mehrere Se- cunden unsicher macht, so giebt man dem Gnomon gewöbnlich die folgende Einrich- tung. Man lässt die Sonnenstrahlen durch ein kleines, rundes Loch in ein verfinstertes Zimmer fallen, wodurch auf dem Boden desselben oder an der gegenüberstehenden Wand ein kleines Bild der Sonne entsteht. Liegt nun die kleine Oeffnung genau ver- tical über der schon vorherbestimmten Mittagslinie, so kann man ziemlich scharf die Zeit beobachten, wo der vorhergehende uud nachfolgende Rand des Sonnenbildes diese Linie berührt; das Mittel aus beiden Beobachtungen giebt die Zeit der Sonnenculmina- tion oder den wahren Mittag. Das Sonnenbild wird auf dem Fussbodeu um so schnel- ler fortrücken, und also der Moment seines Antritts an die Mittagslinie um so sicherer beobachtet werden können, je höher das Loch, durch das die Sonnenstrahlen einfallen, sich über dem Boden befindet. Aus diesem Grunde hat man früher diese Art von Gnomonen häufig in Kirchen angebracht.*) Die bequemste Einrichtung, die wir jedem

gen des Azimuths, den der Verticalkreis der Sonne in der Zwischenzeit der beiden Beobachtungen, also in

7 ½ durchlaufen;(ν) Väre der Punct des Meridians im Iorizonte, wenn sich die Declination der Sonne nicht geändert hätte. Hat sie sich aber um 0 d geändert, so ist 3( 3)

c08 7 sinn 2 125( 2) die Grösse, um welche das westliche Azimuth ¹das östliche übertrifft, und der genaue Punct im Horizonte, wo ihn die Meridianebene schneidet, ist also=

1(+)

Vergl. Delambre Astron. I Cap. XIX, 30.

Es wird kaum nöthig sein, zu bemerken, dass es höchst zweckmässig ist, wenn man einmal eine genaue Mittagslinie gezogen, sich durch ein in derselben liegendes möglichst weit entferntes Zeichen ihre Richtung auf das Bestimmteste zu bemerken. Auf den Sternwarten ist zn diesem Zwecke in der Richtung der Meridianinstrumente immer eine sogenannte Mire oder Visiersäule in grosser Entfernung aufgestellt und auf derselben ein scharfes Zeichen angebracht, das, so oft man das Fernrohr darauf richtet, immer genau in der Mitte des Fadenkreuzes liegen muss, wenn das Instrument sich nicht verrückt hat.

1.(4)

c08 sin 25()

*) Paul Toscanelli liess im Jahre 1467 in der Kuppel der Kathedrale zu Florenz einen Gnomon her- richten, bei welchem die Oeffnung, durch welche das Sonnenlicht einfiel, 277 Fuss über dem Fussboden der Kirche lag. Wegen dieser bedeutenden Hôhe und der dadurch hervorgebrachten schnellen Bewegung des Sonnenbildes auf dem Boden der Kirche, lässt dieser Gnomon die Bestimmung des Augenblicks der Culmi-