21
Die genaueste Bestimmung der Lage der Mittagslinie erhält man natürlich ver- mittelst eines guten Messinstrumentes. Das geeignetste hierzu ist ein guter Theodolit. Mit Hilfe desselben lässt sich aus correspondierenden Sonnenhöhen, und noch einfacher aus correspondierenden Höhen mehrerer Fixsterne die Mittagslinie mit der grössten Schärfe bestimmen. Man stellt das Instrument genau über dem Punkte auf, durch den man die Mittagslinie legen will und nachdem man sich durch die Wasserwage von der möglichst richtigen Stellung desselben überzeugt hat, wählt man im Hori- zonte einen festen Punkt, dessen Azimuth oder Winkelabstand vom Nulpunkte des Horizontalkreises zuerst notiert werden muss. Nun werden mehrere Höhen eines Ster- nes, möglichst nahe dem ersten Vertical, ganz in derselben Weise gemessen und notiert, wie es oben bei der Bestimmung der Zeit aus correspondierenden Höhen geschildert wurde, nur dass bei jeder Beobachtung auch das Azimuth des Verticals aufgezeichnet wird, in dem die Höhe gemessen wurde. Verbindet man sodann dic auf beiden Seiten des Meridians liegenden und zu gleichen Höhen gehörigen Azimuthwinkel paarweise, und halbiert diese Summen, so hat man die genaue Lage der Meridianebene in Bezug auf das gewählte Signal. Bemerkt man nun noch genau den Punkt, wo das Instrument aufgestellt war, so kann man zu jeder Zeit, wo das Instrument wieder genau dieselbe Stellung hat, und man das terrestrische Signal mit dem an dem Horizontalkreis be- festigten Fernrohr anvisiert und scharf auf den nach dem geschilderten Verfahren ge- fundenen Winkel eingestellt hat, versichert sein, dass das am Höhenkreis befindliche Fernrohr sich bei jeder Neiguung in der Ebene des Meridians auf und ab bewegt.*)
einmaligen Beobachtung des Polarsterns die geographische Breite herzuleiten, Tabellen berechnet, durch welche man das Azimuth des Polarsterns zu jeder Stunde flnden kann, wodurch also unser oben angedeutetes Verfahren, ihn im Meridian oder in seiner grössten Digression zu beobachten, verallgemeinert wird. Vergl- dessen Beiträge zur populären Zeitbestimmung Stuttgart 1855, so wie M. Eble, Neues Zeitbestimmungswerk, bestehend aus dem neuen Sextanten und dem astronomischen Netz(patentirt 7. April 1852). Desselben Verfassers Neue Zeittabelle zweite Auflage— und Sonnenuhren neuer Einrichtung für die Breiten- grade von ganz Europa. Ich habe mich früher des Sextanten von Eble und seines neuen Zeitbestimmungs- werkes viele Jahre lang bedient und immer gefunden, dass es unter allen mir bekannt gewordenen Instru- menten dieser Art die zuverlässigsten Resultate liefert. Sehr zweckmässig lässt Eble das Sonnenlicht durch zwei ganz nahe bei einander liegende feine Löcher— und durch ein hölzernes Rohr auf den Visierpunct des andern Schenkels des Sextanten fallen, wo die zwei Sonnenbilder(jedes etwa ¾ Linien gross) in dem dunklen Raume sich recht scharf darstellen und gerade so viel Raum zwischen sich lassen, dass sie im Augenblick der Observation von einer dort gezogenen schwarzen Linie zugleich berührt werden. Auch hat Herr Eble die Wirkung der Refraction sogleich bei der Eintheilung seines Sextanten berücksichtigt und dem- nach dieselbe schon mit in Abzug gebracht.
*) Benutzt man die Sonne statt eines Sterns, iso st noch die durch die Aenderung der Declination nothwendig gewordene Correction, die wir oben bei der Zeitbestimmung in Zeit verwandelt haben, hier als Azimuthalwinkel an die durch einfache Halbierung gefundene Grösse des Winkels anzubringen. Wenn und die zweien correspondierenden Sonnenhöhen entsprechenden Azimuthe sind, so ist— 0 der Bo-


