Aufsatz 
Bestimmung der Richtung, in welcher sich ein Punkt der Erdoberfläche in einem gegebenen Zeitmomente durch den Raum bewegt / von A. Ebenau
Entstehung
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den Winkel anzugeben haben, welchen ein durch den zu bestimmenden Punkt und unser Zenith gelegter grösster Kreis in der Ebene des Horizontes mit unserem Meridian macht, um sodann noch zuletzt in diesem Höhenkreise den Winkel zu bestimmen, um welchen der fragliche Punkt über oder unter der Fläche unseres Horizontes liege. Den ersten Winkel, dessen Mass der Bogen des Horizontes zwischen dem Meridian und dem Höhenkreise ist, nennt man das Azimuth des Ortes, das je nach der Lage desselben gegen unseren Meridian ein östliches oder ein westliches sein kann und dessen Grade gewöhnlich von Süden durch Westen nach Norden und Osten gezählt werden. Der zweite Winkel wird die Höhe genannt, und kann, wie das einfachste Nachdenken zeigt, nie grösser werden als 900.

Da sich die Erde ebensowohl im Laufe eines Tages von Westen nach Osten um ihre Axe schwingt, als auch in derselben Zeit und in derselben Richtung ein Stück ihrer Bahn durchläuft, so ist es leicht einzusehen, dass, wollten wir die Richtung angeben, in der sich irgend ein Punkt der Erdoberfläche von ihr zu entfernen strebt, oder, falls die Erde in bei- den Bewegungen plötzlich stille gehalten, wirklich hinweg geschleudert würde, wir nothwen- diger Weise diese beiden Bewegungsgeschwindigkeiten nach Grösse und Richtung combiniren und die aus beiden resultirende angeben müssten. Allein da wir nur den Ort am Himmels- gewölbe zu bestimmen haben, auf den die Tangente der Erdbahn in dem geforderten Momente hinweist, und deren Lage nur auf unsern Horizont gleichsam übersetzen, so begreift man leicht, dass wir mit der Bewegung, die ein Ort der Erdoberfläche durch den Umschwung um die Erdaxe erhält, gar nichts zu thun haben.*)

Um nun unsre Aufgabe so anschaulich und einfach als möglich zu erläutern, wollen wir einen Augenblick von der Kugelgestalt der Erde ganz absehen, und nur die Lage und Rich- tung der Erdaxe in einem Umlauf um die Sonne näher ins Auge fassen. Wir denken uns in dem Mittelpunkte eines runden Tisches ein auf diesen senkrechtes Stäbchen errichtet und lassen dieses die Axe der Sonne bedeuten**). Am äussersten Rande des Tisches

*) Die Bewegungsgeschwindigkeit der Erde in ihrer Bahn übertrifft deren rotatorische um ihre Axe an 65 mal, da die Erde in einer Secunde durchschnittlich 4,1 Meilen oder über 96000 rh. Fuss in ihrer Bahn forteilt, während in derselben Zeit ein Punkt des Aequators durch die Rotation um die Erdaxe nur um 1477 rh. Fuss sich weiter bewegt. Zudem nimmt diese letztere im Verhältnis des Cosinus der Breite ab und wird unter den Polen zu Null.

e) Wenn wir oben im Texte die aus dem Mittelpunkte der Sonne auf die Ebene der Erdbahn errichtete lothrechte Linie die Axe der Sonne genannt haben, so ist dieses, streng genommen, nicht richtig. Eigentlich hätten wir sagen sollen, die Axe der Ekliptik oder Erdbahn, welche gar nicht durch die Sonne geht, sondern um den kleinen Winkel der Excentricität derselben(00 577 56 38) am Sonnen- mittelpunkte vorbeigeht. Wir haben aber nichts desto weniger den Ausdruck Sonnenaxe gewählt, weil wir glauben, dass dadurch die Sache für den in diesen Betrachtungen weniger geübten Leser leichter vorstellbar wird. Die Axe der Sonne steht auf der Ebene der Erdbahn nicht senk- recht, sondern weicht um den kleinen Winkel von 7⁰° 20 von der Lothrechten ab. Um denselben Winkel ist, wie schon gesagt, die Ebene des Sonnenäquators gegen die der Erdbahn geneigt.