Aufsatz 
Bestimmung der Richtung, in welcher sich ein Punkt der Erdoberfläche in einem gegebenen Zeitmomente durch den Raum bewegt / von A. Ebenau
Entstehung
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Winkel von 0o 07 501 aber in entgegengesetzter Richlung wie die grosse Axe der Erdbahn, d. h. von Osten nach Westen zu weiter fort. Dieses Vorrücken(Präcession) der Nachtgleichen, wie es in der Astronomie genannt wird, hat seinen Grund in dem Wechsel der Richtung der Erdaxe und wird unten näher erklärt werden. Hier haben wir es nur mit dem Winkel zu thun, den die Ebenen der Erdbahn und des Aequators mit einander bilden. Er ist, wie schon gesagt, ebenfalls kleinen Schwankungen unterworfen: die Grenze der Ab- und Zunahme seines Werthes liegt nur um 1° 21/ von seinem mittleren Werthe entfernt*). Gegenwärtig ist derselbe im Abnehmen(ohngefähr 477,58 in hundert Jahren) und wird noch viele Jahrhun- derte gebrauchen, bis er seinen kleinsten Werth erreicht. Von da an aber wird ein ebenso langsames Anwachsen desselben eintreten, bis er nach Jahrtausenden seinen grössten Werth erlangt hat und von neuem wieder abnimmt. Dass diese Schwankungen einen, wenn auch nicht sehr bedeutenden, Einfluss auf die Intensität der Temperatur der beiden extremen Jahres- zeiten der Erde haben müssen, ist leicht einzusehen. Bei der kleinsten Schiefe der Ekliptik z. B. wird die Sonne im Sommer um 1° 21 weniger hoch emporsteigen, die Sommer- tage werden kürzer, die Wintertage aber um ebensoviel länger und das Klima aller Orte in den gemässigten Zonen wird sich, so weit sein Charakter vom Stande der Sonne abhängt, so umgestalten, als wären sie im Sommer um dieselbe Grösse weiter nach Norden gerückt. Dahingegen wird aber auch die Sonne im Winter um denselben Winkel weniger tief zum Horizonte herabsinken, der Winter also weniger intensiv sein, und jeder Ort der gemässigten Zone einer Temperatur sich erfreuen, wie sie jetzt in einem um dieselbe Winkelgrösse genau nach Süden liegenden sich findet. Im entgegengesetzten Falle aber, bei dem grössten Werthe der Schiefe der Ekliptik werden die Sommer heisser, dagegen aber auch die Winter viel kälter sein als jetzt, und somit, da die eine Erscheinung sich immer gegen die andere aus- gleicht, wird die mittlere Temperatur der Erde nicht geändert werden. Der Durchschnittspunkt des Aequators und der Ekliptik, in welchem die Sonne von der südlichen Hemisphäre auf die nördliche überzugehen scheint, ist von jeher als der Anfangspunkt der Zählung in beiden Kreisen angenommen und von ihm aus sowohl die gerade Aufsteigung(Rectascension), als auch die Länge eines Gestirns gerechnet worden.

Der letzte der oben angedeuteten Punkte ist endlich die Richtung, in welcher die Erde ihre Bahn durchläuft. Es ist bereits oben gesagt worden, dass die Erde sich von Westen nach Osten, oder der scheinbaren täglichen Bewegung der Sonne enigegen, um ihren Centralkörper bewege. Dass diese Bewegung der Erde in den verschiedenen Punkten ihrer Bahn verschieden sein muss, geht aus dem zweiten Keplerschen Gesetze hervor, nach welchem der Radius vector oder die den Sonnen- und Erdmittelpunkt verbindende Gerade immer in gleichen Zeiten gleiche Flächen überstreichen muss. Die Geschwindigkeit der Erde

*) Outlines of Astron.§. 640.