3
eine constante Grösse, während alle übrigen Bestimmungsstücke derselben in einem beständigen aber regelmässigen Wechsel, gleichsam in einem steten Schwanken um einen mittleren, Werth begriffen sind, der von der wechselseitigen Anziehung der übrigen Glieder unseres Planeten- systems herrührt, und mit dem allgemeinen Namen„der Störungen“ bezeichnet wird. Durch diese Einwirkungen der übrigen, besonders der zwei grossen Planeten Jupiter und Saturn, werden nach Massgabe ihrer Stellung unter sich und gegen die Erde die Elemente ihrer Bahn im Laufe der Zeiten bald mehr bald weniger verändert, je nachdem sie in gleichem oder in ent- gegengesetztem Sinne auf dieselbe einwirken. Diese Störungen häufen sich in sehr langen Zeiträumen nach und nach immer mehr an und steigen bis zu gewissen Grenzen oder einem Maximum, von wo sie dann wieder in eben so grossen Intervallen bis zu einem Minimum her- absinken. Ihnen ist es nun zuzuschreiben, dass die grosse Axe der Erdbahn keine unverrückbar feste Lage und Richtung im Raume beibehält, sondern langsam von Jahr zu Jahr um den kleinen Winkel von nahe 12 Secunden in der Richtung der Zeichen des Thierkreises, also von Westen nach Osten fortrückt, und dass somit die Länge des Periheliums im Laufe eines Jahrhunderts um 10⁰,722 in Bezug auf den Frühlingspunkt wächst. Während jetzt die Erde ihre Sonnen- nähe kurz nach Anfang des Winters erreicht, ſiel um das Jahr 1248, oder zur Zeit. Fried- rich's II., der Eintritt in dieselbe genau mit dem Anfang des Winters zusammen und wird nach 5226 Jahren oder um 6474 nach Christo bis zum Punkte des Herbstäquinoctiums vorge- rückt sein, so dass alsdann um den 21. März die Erde ihren kleinsten Abstand von der Sonne haben wird. Dass durch dieses Fortrücken der grossen Axe der Erdbahn die Dauer der vier Jahreszeiten nach und nach verändert werden muss, lässt sich leicht begreifen, wenn man sich daran erinnert, dass die Erde in ihrer Sonnennähe eine grössere Geschwindigkeit in ihrer Bahn hat, als in ihrer Sonnenferne, und somit die beiden OQuadranten ihrer Ellipse, in deren Brennpunkt die Sonne steht, in kürzerer Zeit durcheilt, als die beiden andern. Während gegenwärlig Herbst und Winter um einige Tage kürzer sind, als Frühling und Sommer, werden alsdunn Winter und Frühling um eben so viel von Sommer und Herbst übertroffen werden. Den ganzen Umlauf um die Sonne vollbringt die grosse Axe der Erdbahn in 20 984 Jahren.*)
Das vierte Element zur Bestimmung der Erdbahn ist die Neigung ihrer Ebene gegen irgend eine Normalebene. Alle andern Planetenbahnen werden gewöhnlich auf die Ebene der Erdbahn bezogen, und der Winkel ihrer Neigung zeigt, um wie viel sie sich auf der einen Seite über dieselbe erheben und auf der entgegengesetzten unter sie hinabsenken. Die Lage der Fläche der Erdbahn selbst, als etwas zu Bestimmendes angenommen, kann ent- weder auf eine Ebene ausser der Erde, oder auf eine solche bezogen werden, die uns die Erde selbst darbietet. Das Natürlichste wäre wohl, sie auf die Ebene des Sonnenäquators,
*) Herschel, Outlines of Astronomy,§. 373.


