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„Die Correctur ſämmtlicher Hefte durch den Lehrer iſt nutzlos.“
Verſuch einer pſychologiſchen Begründung dieſer Behauplung⸗
In der erſten Sitzung der im Juni 1867 zu Brieg abgehaltenen Conferenz der ſchleſſiſchen
Gymnaſial⸗ und Realſchuldirectoren ſtand als Thema auf der Tagesordnung: „Die ſchriftlichen Arbeiten der Schüler und deren Correctur“.
Nachdem Umfang und Stufenfolge der ſchriftlichen Arbeiten erörtert worden waren, wurde die Frage aufgeſtellt:.
„Wie ſind die Correcturen einzurichten und für den Schüler möglichſt fruchtbar zu machen“?
Zu Anfang der Beſprechung dieſer Frage ſteht S. 8 der gedruckten Verhandlungen wörtlich Folgendes:
„Bei den bisher behandelten Fragen erſchien der Lehrer gewiſſermaßen als der Arbeitgeber, ſeine Thätigkeit war eine blos leitende und überwachende, die Ausführung der Arbeit fiel dem Schüler zu“.
„Mit der Abgabe der ſchriftlichen Arbeiten wechſeln die Rollen; der Schüler tritt zurück, der Lehrer muß an die Arbeit gehen, muß Zeit und Kräfte aufbieten“.
„Beide ſind für den Lehrer theuere Güter, um ſo mehr iſt jede unnütze Vergendung der⸗ ſelben zu beklagen. Der Lehrer wird erdrückt unter der Laſt der Correcturen, noch mehr durch das Bewußtſein, daß ſeine Mühe zum großen Theil eine fruchtloſe iſt“.
„Dieſe Schilderung in dem Gutachten von Görlitz(Realſchule) iſt nur zu wahr“.
Vorſtehende Auslaſſung des Referenten hinſichtlich der Laſt und Fruchtloſigkeit der Correctur kann jeder Lehrer beſtätigen, ebenſo wird er zugeben, daß Corrigiren weit mehr angreift als Unter⸗ richten; ich für meine Perſon fühle mich nach zweiſtündiger Correctur weit mehr erſchöpft als nach dreiſtündigem Unterricht. Die Laſt wächſt in dem Grade als ſich die Ueberzeugung befeſtigt, daß man das Lehrziel doch erreichen könnte, und nur corrigiren muß, weil es befohlen iſt.
Manche Schulſtunden können, wenn der Lehrer nicht mit Disciplin zu kämpfen hat und ſeinen Athem zu ſparen weiß, ganz angenehme Unterhaltungsſtunden ſein, Correcturen dagegen ſind immer aufreibend. Der pſychologiſche Beweis wäre nicht ſchwer zu führen.
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