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(ca. 700) sowie eine fast complette Sammlung der deutschen Gymnasialprogramme seit Ende der dreissiger Jahre dieses Jahrhunderts, ungefähr 7000 Stück.
Der Fonds der Bibliotheca pauperum fliesst aus den Zinsen eines am 16. März 1699 vom Neu- hanauer Rathsherrn Carl Pels gestifteten Legats von 750 Gulden.
Zur Bibliothek gchört eine Münzsammlung von 700 Nummern, am 4. April 1766 der Hohen- landesschule vom Landgräflich Hessischen Steuerrath Jakob Camp durch Testament vermacht. Die- selbe ist beschrieben in zwei Hanauer Gymnasialprogrammen von Dr. Reinhart Suchier, gegen- wärtig Oberlehrer am hiesigen Gymnasium:„Die Camp'sche Münzsammlung des Gymnasiums zu Hanau.“ Hanau 1869 und 1870.
Ein gedruckter Katalog der Bibliothek existirt nicht, sondern nur ein geschriebener. Hand- schriften besitzt dieselbe nicht, dagegen eine grössere Anzahl Drucke des 16. Jahrhunderts, auch einige wenige des 15. Gemäss der empfangenen Verfügung hohen Königl. Ministeriums der geistl. etc. Angelegenheiten folgt im Nachstehenden ein Verzeichniss der Incunabeln und alten Drucke bis zur Mitte des 16. saec., nach Jahrhunderten und Fächern geordnet, unter Angabe der Herausgeber, Drucker und Druckorte, soweit diese zu ermitteln waren.
Bei der Aufstellung dieses Verzeichnisses leitete mich zugleich der Gedanke, dass die Kenntniss der literarischen Hülfsmittel, deren sich die Professoren der Hanauer Hohenlandesschule seit dem 17. Jahrhundert bedienten, demjenigen willkommen sein werde, der es dereinst unternähme, die Ge- schichte der humanistischen Studien in der Grafschaft Hanau-Münzenberg zu schreiben. Freilich würde zu diesem Behufe zunächst die Abfassung eines weiteren Verzeichnisses der in der Bibliothek befindlichen Drucke aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und derer des 17. unerlässlich sein, wo Hanau in der Wechel'schen, später Aubry'’schen Officin eine durch die gute Herstellung klassischer Autoren weithin bekannte Druckerei besass¹). Dann aber müsste der ältere Theil der 1874 in die Bibliothek des Königlichen evangelischen Consistoriums zu Kassel übergeführten Büchersammlung des vormaligen Kurfürstlich Hessischen Consistoriums dahier mit in Betracht gezogen werden. An das Hanauer Consistorium musste nämlich nach dem Eingehen der Hohenlandesschule und der 1813 uuter Dalberg's Regierung durch Johannes Schulze vollzogenen Vereinigung der beiden in Hanau bestehen- den Gymnasien, des reformirten und lutherischen, zu einer einzigen Anstalt ²) eine grosse Anzahl zum Theil sehr werthvoller Werke, namentlich theologischen Inhalts, abgegeben werden. Vergeblich bemühte sich unser vor zwei Jahren verstorbener Director, Herr Dr. K. W. Piderit, sie bei der Aufhebung des Kurfürstlichen Consistoriums für die Gymnasialbibliothek zurück zu erhalten und so wieder die ganze ehemalige Bibliothek der Hohenlandesschule zu vereinigen. Als eine Art Abfindung für unsere vom Königl. Consistorium als juristisch nicht haltbar angesehenen Ansprüche erhielt 1874 unsere Bibliothek 644 Bände meist theologischen, philosophischen, historischen, geographischen
1) Die Wechel'sche Druckerei befand sich im Hause zum„fliegenden Pferd“(Langgasse 86) Das„fliegende Pferd,“ wie es heute noch über dem Thorbogen dieses Gebäudes angebracht ist, war auch das Druckerzeichen der Wechel.
2) Ueber diese Vereinigung vgl. meine Schrift„Friedrich Rückert als Professor am Gymnasium zu Hanau.“ Hanau 1874 S. 2 ff. Für die Geschichte des lutherischen Gymnasiums, aus dem nachher die hiesige Realschule hervorging, s. C. Fliedner im Hanauer Realschulprogramm von 1854 S§. 5 f. und C. Herwig„Beiträge zur Ge- schichte des ehemaligen lutherischen Gymnasiums zu Hanau“ im Programm derselben Anstalt von 1869.


