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und bibliographischen Inhalts, von denen indessen zu dem nachstehenden Verzeichniss nur 13 ge- hören ¹). Unter den uns damals überlassenen Büchern befindet sich jedoch eine typographische Seltenheit ersten Ranges, die uns für den Verlust mancher anderen Werke wohl entschädigen kann. Es ist der 1475 zu Esslingen von Konrad Fyner gedruckte, sehr schön erhaltene„Tractatus ad Ju- daeorum perfidiam exstirpandam“ des Dominikaners Peter Schwarz(Petrus Nigrinus), in welchem zum ersten Male seit Erfindung der Buchdruckerkunst an einzelnen Stellen hebräische Lettern angewendet sind. Die übrigen Werke der Consistorialbibliothek, darunter viele werthvolle Ausgaben, wurden sämmtlich nach Kassel übergeführt.
Als Anfang zu einer Gelehrtengeschichte der ehemaligen Grafschaft Hanau, wie sie oben ange- deutet wurde, können die beiden vortrefflichen vorher citirten Abhandlungen K. W. Piderit's ange- sehen werden, welche in lebendigster Weise die Fundation der Hohenlandesschule durch den edlen Grafen Philipp Ludwig II. und ihre Einweihung durch den Grafen Friedrich Casimir schildern. Leider sind sie, wie auch Heppe in seiner„Kirchengeschichte beider Hessen,“ Marburg 1876 ²), be- klagt, Fragment geblieben, da sie die Geschichte der Anstalt nur bis zum Jahre 1665 vorführen.
Betrachten wir schliesslich noch unsere Sammlung selbst, so finden wir unter den alten Drucken ein Vorwiegen der klassischen Autoren, besonders der griechischen. Der verhältnissmässige Mangel an theologischen Werken des 16. Jahrhunderts erklärt sich aus dem oben angeführten Um- stand der Theilung mit dem vormaligen Kurf. Consistorium. Was die Druckorte der unten auf- geführten Bücher betrifft, so ist unschwer zu erkennen, dass die älteren deutschen, namentlich Baseler, Strassburger und Frankfurter Drucke(Froben, Oporinus(Herbst), Herwagen, Egenolph u s. w.) aller Wahrscheinlichkeit nach die Presbyterialbibliothek der hiesigen Marienkirche gebildet haben werden, die bei der Gründung der Hohenlandesschule dieser überwiesen wurde. Dagegen mögen die Lyoner Drucke des Sebastian Gryphius(eigentlich Greiff aus Reutlingen) aus den Privat- bibliotheken der hier am Ende des 16. Jahrhunderts eingewanderten reformirten Wallonen stammen, denen Philipp Ludwig II. in Hanau ein Asyl gegen die spanische Tyrannei gewährte. Die Drucke aus Cöln, wo 1466 durch Ulrich Zell von Hanau, einen der nach dem Ueberfalle von Main⸗ 1462 von dort geflüchteten Gesellen Johann Gutenberg's, die erste Druckerei gegründet wurde, sind- meistens in der Officin der Familie Gymnicus erschienen. Sie werden wohl mit dem Camp'schen Vermächtniss in die Bibliothek gelangt sein. Jakob Camp's Vater, der zu Cöln lebte, war bereits ein Bücherfreund und sein trefflicher Sohn, dem unsere Anstalt sowie unsere Stadt manche schöne Stiftung zu verdanken hat, trat auch in dieser Hinsicht in die Fusstapfen des Vaters. Dem älteren Camp haben wir den Erwerb der höchst seltenen Kölhoffschen Cölner Chronik zu verdanken, die auch durch ihre Holzschnitte Interesse erregt. Freilich stehen diese an künstlerischem Werthe weit hinter den Illustrationen der Uebersetzung oder vielmehr Bearbeitung des Livius zurück, die Johann Schöffer, der Sohn von Gutenberg's Gehülfen Peter Schöffer, 1523 zu Mainz druckte. Dieses Buch und die zweite Prachtausgabe des Theuerdank von 1519 mit den Holzschnitten des Nürnberger Künstlers Hans Schäufelein ferner der Curtius des Merula und der venetianische Valerius Maximus von 1494 gehören ebenfalls zu den Seltenheiten unserer„Bibliotheca Hanovica.“ wie sie auf den alten Einbänden genannt wird.
Es sind die unten mit folgenden Nnmmern bezeichneten Werke: I, D. 1; II, B. 21, 22, 27, C. 1. 2 F. 3. J. 1. L. 1. 3. 7. N. 2. und O. 1. 2) II, 250 Anm.


