Aufsatz 
Kurze Übersicht über die Geschichte der Bibliothek des Königlichen Gymnasiums zu Hanau und Verzeichnis der alten Drucke derselben bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts
Entstehung
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Sinnesart aber ausgehend und in Begleitung welcher Politik und Eigenartigkeit des Charakters grosses entstand, das will ich zuerst darthun und dann zu einer Lobrede der hier liegenden schreiten, in der Erwägung, dass bei vorliegender Veranlassung es nicht eben ungeeignet sei über derlei zu reden und dass es der ganzen Masse, Einheimischen wie Fremden, frommt darauf zu achten.

37) Wir huldigen nämlich einer Politik, die es nicht den Gesetzen der Nachbarn nachthut, da wir selbst lieber einer Muster und Vorbild als anderer Leute Nachtreter sein wollen. Und ihren Namen anlangend ist sie, weil sie nicht für wenige, sondern die Masse besteht, Volksherrschaft ge- heissen. Auch haben gesetzmässig in Privatzwisten gleiches Recht alle, in Bezug auf seinen Ruf aber, in wie weit nämlich jeglicher sich hervorthut, hat er in der Oeffentlichkeit keinen einseitigen Vorsprung vor seinem(wirklichen) Werthe und wiederum ist er nicht angesichts seiner Armuth, wenn er dabei Verdienste für den Staat aufzuweisen hat, durch das Dunkel seiner Stellung gehemmt. Dagegen leben wir der Oeffentlichkeit genüber ungezwungen im Staate nnd ungeschoren angesichts des bei dem täglichen Thun und Treiben herüber und hinüber gehenden Argwohns, auch nicht so, dass wir dem Nuchbar grollen, wenn er so(xi) noch seinem Behagen thut, wiederum nicht so, dass wir uns zwar straffreien, aber doch für den Anblick widrigen Aerger anthun. So sonder Hass im privatverkehr handeln wir im öffeutlichen Leben zumeist aus ehrfurchtsvoller Scheu nicht ungesetz- lich, sondern in stäter Inachtnahme der jeweiligen Behörden und Gesetze, und von den letzten zu- meist solcher, welche im Interesse der gekränkten gegeben sind und welche, obgleich ungeschrieben, anerkanntermassen eine Makel nach sich ziehen.

38) Auch haben wir uns in der That für Mühsale sehr viele Ruhestellen für unser inneres Leben verschaflt, an den Wettkämpfen und jährlich wiederkehrenden Opfern festhaltend und einer wohlanständigen Privateinrichtung, woran die täslich empfundene Freude das Leid verscheucht. Ueberdies strömen uns wegen der Bedeutsamkeit des Staates alle Erzeugnisse der Erde zu und wir sind in der glücklichen Lage die heimischen Güter durch einen uns eignenden Genuss ebenso zu ver- werthen, wie die der übrigen Menschheit.

39) Wir stechen auch durch unsere Studien im Kriegswesen vortheilhaft von unseren Gegnern ab in folgenden Punkten Wir öffnen nämlich die Pforten des Staates als einen gemeinsamen Tummelplatz und nicht kommt es vor, dass wir wohl einmal einem durch Ausweisung den Weg zu einem wissenschaftlichen oder Schaustück verlegen, aus dessen Kenntnissnahme, wenn sie ihm unver- wehrt bleibt, einer von den Feinden Gewinn ziehen könnte, und(so thun wir) nicht im grösseren Vertrauen auf erkünstelte Vorkehrungen und Täuschungen, als auf die aus uns selbst stammende Beherztheit gegenüber der That. Und in ihren Bildungsstätten gehen diese durch mühevolle Uebung sofort, wo sie noch jung sind, der Erweckung des Mannesmuthes nach, wir dagegen, die wir uns in unserem täglichen Leben mehr gehen lassen, gehen nicht minder darum auf unser würdige Gefahren 1os. Zeugnis dessen: es kommen nämlich die Lacedämonier nicht allein dastehend gegen uns zu Felde, wir aber allein stehend bewältigen, wenn wir auf das Nachbarland einen Angriff machen, ohne Mühe auf fremdem Boden die für Haus und Heerd sich wehrenden im Kampfe meistentheils. Auf unsere Gesammtmacht ist aber noch kein Feind gestossen, einestheils wegen unseres Besorgtseins um unsere Seemacht, andererseits weil wir im Lande nach vielen Richtungen unserer Heimat Leute abschicken. Sind die aber einmal wo mit einer Abtheilung handgemein geworden und sind sie gar einzelner unserer Leute Herr geworden, dann rühmen sie es laut, sie hätten alle geworfen, und sind sie unterlegen, sie seien der Gesammtheit erlegen. Sind wir aber entschlossen lieber mit leichterer