Aufsatz 
Der Freiherr vom Stein und die deutsche Frage auf dem Wiener Kongress / vom ... Duncker
Entstehung
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Fremden erlangten Souveränetät aufzugeben, namentlich nicht das Vertragsrecht und das Recht der Kriegserklärung und des Frie⸗ densſchlußes. Die Sprache, welche ihre Vertreter ſchon vor dem Zuſammentritt der Fünfercommiſſion den Abgeſandten der kleineren Staaten gegenüber geführt hatten, ſowie die eigenmächtige Zu⸗ ſammenſetzung des ganzen Comités hatten dieſem ſofort eine heftige Op⸗ poſition unter den Bevollmächtigten der Kleinſtaaten geſchaffen. Die Zahl dieſer Gegner wuchs von 19 nach und nach bis auf 31. Die bedeutendſten darunter waren Mecklenburg⸗Schwerin und die beiden Heſſen.¹) Die Führung dieſer Gegenpartei übernahm der Ver⸗ treter des Hauſes Naſſau⸗Oranien, Hans von Gagern. Die Thätigkeit dieſes Staatsmannes in der deutſchen Frage hat eine Zeit lang eine allzuſcharfe Beurtheilung erfahren. Erſt die neueſte Geſchicht⸗ ſchreibung iſt dem treuen Patrioten wieder gerecht geworden. ²) Obſchon in gleicher Lebenslage mit Stein auch er gehörte einem alten reichsunmittelbaren Geſchlechte an und geneigt, in der politiſchen deutſchen Reformation SteinsMelanchthon zu ſein,³) ſtand er dennoch in ſeinen Anſchauungen über Deutſchlands Ver⸗ jüngung zu dieſem in ſcharfem Gegenſatze. Während Stein die Her⸗ ſtellung deutſcher Größe von der Schöpfung einer ſtarken Central⸗ gewalt, gebildet durch eine Exekutive der mächtigſten Fürſten, er⸗ wartete, war Gagern der Vorkämpfer für die gleichmäßige Theil⸗ nahme aller, auch der kleinſten, deutſchen Staaten an der Conſti⸗ tuirung und Regierung des neu zu gründenden Deutſchlands. In dieſen Ideen und ſeinem Widerwillen gegen die Präponderanz der beiden Großmächte hatte er ſich ſpäter ſogar ſoweit feſtgerannt, daß er, ſo ſchwer dies ſeinen großdeutſchen Principien auch fiel, ſelbſt an einen Bund der Kleinſtaaten ohne Oeſter⸗ reich und Preußen, aber mit Dänemarkund den Nie⸗

¹) Die Geſandten Heſſen⸗Kaſſels waren Graf Keller und G. F. v. Lepel. Klüber, Acten I, 1, 75.

¹) H. v. Treitſchke Hiſtor. u. polit. Aufſätze. 2. Aufl. 153 ff.

³) Gagern, Antheil IV, 34. Brief an Stein vom 28. Juni 1813.