Aufsatz 
Der Freiherr vom Stein und die deutsche Frage auf dem Wiener Kongress / vom ... Duncker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

44

des Rheinbundes und aller franzöſiſchen Einrichtungen müſſen die Mittel(der Erhaltung und Gründung einer feſten Ordnung der Dinge in Deutſchland) ſein Münſter billigte zum Theil dieſe Ideen, über manche ſprach er ſich nicht aus, wie namentlich über den ihm widerwärtigen Gedanken einer Verſtärkung der preußiſchen Macht. Seinerſeits betonte er namentlich die Stellung, die man dem Kaiſer als Reichsoberfeldherrn zu geben habe und plaidirte für eine im Vergleich zu den früheren Zuſtänden ſtrenge Unter⸗ ordnung der geſammten Militärmacht des Reichs unter das Reichsoberhaupt.

Die vorher geſchilderten politiſchen Verhältniſſe, noch mehr aber der Drang der Kriegsereigniſſe verwieſen jedoch dieſe Gedanken ebenſo wie den preußiſchen Vorſchlag eines Bundes einſtweilen in das Gebiet der frommen Wünſche. Steins Bemühungen durch eine perſönliche Unterredung mit Alexander von Rußland zu Frankfurt am Main feſte Verſprechungen über Deutſch⸗ lands künftige Geſtaltung zu erlangen, waren ebenfalls vergeblich. Sie führten wohl zu ſeiner berühmten Antwort*) auf des Czaren Bemerkung von der Heirathsverſorgung ruſſiſcher Großfürſten und Großfürſtinnen durch das Fortbeſtehen der kleineren deutſchen Höfe, aber auch zu weiter keinem Reſultat.

Noch abkühlender mußte die Kunde von der Aeußerung auf ihn wirken, die Metternich den 8. November 1813 ebenfalls zu Frankfurt gegen den franzöſiſchen Geſandten St. Aignan über die Werthloſigkeit der deutſchen Kaiſerkrone für Oeſterreich gethan hatte. 2) Dazu kam, trotz aller ſeiner Sympathien für das hiſtoriſche Recht, entſchiedene Abneigung gegen das damalige Haupt des Hauſes Habsburg⸗Lothringen und ſeinen Premierminiſter. Und wie ſehr mußte ſich gerade in Frankfurt dieſe Abneigung vermehren, wo es ſchließlich Steins hauptſächlichſte Aufgabe wurde, den von Oeſter⸗ reich projektirten faulen Frieden mit Napoleon zu verhindern und

¹) Wolzogen, Memoiren 239. ²) Pertz III, 463.