Aufsatz 
Der Freiherr vom Stein und die deutsche Frage auf dem Wiener Kongress / vom ... Duncker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

diſchen Entwicklung erkannte, lehrte die Zukunft. Auch ſein weiterer damaliger Wunſch, daß man jetzt wenigſtens vorläufige Ver⸗ abredung treffe über die deutſche Verfaßung, ward nicht erfüllt. Seinen früheren Gedanken einer Mainlinie hatte er aufgegeben und bereits im Auguſt gleichzeitiig mit Wilhelm von Hum⸗ boldt einen Entwurf zu dem von Preußen vorgeſchlagenen deutſchen Bunde ansgearbeitet, der dieſes mit den Kleinſtaaten und Oeſterreich umſchließen ſollte,¹) aber unter dieſen Umſtänden gar nicht zur Berathung kam. Schon in dieſer Zeit macht ſich ein ſtarkes Schwanken in ſeinen Anſichten bemerklich.*) Denn bereits im September neigte er ſich wieder der Wiederherſtellung der Kaiſerwürde, einer Verbeßerung des Reichstags und der Reichs⸗ gerichte zu. Die Fürſten ſollten zur Ertheilung ſtändiſcher Ver⸗ faßungen in den Einzelſtaaten gehalten ſein. Während die preu⸗ ßiſchen Staatsmänner, Hardenberg und W. v. Humboldt, ſich der letztgenannten Idee nicht abgeneigt zeigten, wollten ſie dagegen von Wiederaufleben von Kaiſer und Reich nichts wißen. Doch ſchien Stein das Haupthindernis eines gedeihlichen Fortganges der deutſchen Angelegenheiten damals noch mehr Metternich zu ſein, über den er von Prag aus an Münſter ſchrieb:³¹)Erwarten Sie von ihm keine großen Anſichten, er ſteckt ſich das Ziel nahe, um auf die bequemſte und kürzeſte Art die Sache einſtweilen auszu⸗ flicken. Mit jenem Freunde führte er außerdem zu jener Zeit eine ſehr intereſſante Correſpondenz über die Art, wie der Kaiſerwürde Gewicht beizulegen ſei:Kraft zum Widerſtand nach außen, ſagt er in dem⸗ ſelben Briefe, im Innern Sicherheit des Eigenthums und des Lebens für den Einzelnen müſſen die Hauptpunkte, Verſtärkung der Macht des Kaiſers, von Preußen, Verminderung der Macht der Stände (d. h. der Fürſten im Verhältnis zur Reichsverfaßung), Zerſtörung

²) Pertz III, 415 f. Vgl. auch R. Haym:Wilhelm von Humboldt. 310 ff.

²) S. ſeine Selbſtbiographie bei Pertz V, Beilage 28. S. 187.

³) Den 16. Sept. 1813. Pertz III, 417 ff.