Aufsatz 
Der Freiherr vom Stein und die deutsche Frage auf dem Wiener Kongress / vom ... Duncker
Entstehung
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8 Für den Augenblick aber erhielt ſein hannöveriſcher Partikularis⸗ mus eine Lektion, wie ſie nicht derber ſein konnte. Denn Stein ſchrieb ihm den 1. December:¹)Es iſt mir leid, daß Euer Ex⸗ cellenz in mir den Preußen vermuthen, und in ſich den Hannove⸗ raner entdecken ich habe nur ein Vaterland, das heißt Deutſchland, und da ich nach alter Verfaſſung nur ihm und keinem beſonderen Theil deſſelben ange⸗ hörte, ſo bin ich auch nur ihm und nicht einem Theil deſſelben von ganzem Herzen ergeben. Mir ſind die Dynaſtien in dieſem Augenblick großer Ent⸗ wicklung vollkommen gleichgültig, es ſind blos Werkzeuge; mein Wunſch iſt, daß Deutſchland groß und ſtark werde, um ſeine Selbſtſtändigkeit, Unab⸗ hängigkeit und Nationalität wieder zu erlangen und beides in ſeiner Lage zwiſchen Frankreich und Rußland zu behaupten; das iſt das Intereſſe der Nation und ganz Europas; es kann auf dem Wege alter zerfallener und verfaulter Formen nicht er⸗ halten werden. Und weiter ſchreibt er:Mein Glaubens⸗ bekenntniß finden Euer Excellenz in der Anlage(der Denk⸗ ſchrift an Kaiſer Alexander), es iſt Einheit; iſt ſie nicht möglich, ein Auskunftsmittel, ein Uebergang. Setzen Sie an die Stelle Preußens, was Sie wollen, löſen Sie es auf, verſtärken Sie Oeſterreich mit Schleſien und der Churmark und dem Nördlichen Deutſchland mit Ausſchluß der Vertriebenen, re⸗ duziren Sie Bayern, Württemberg und Baden, als die von Ruß⸗ land begünſtigten, auf das Verhältniß vor 1802, und machen Oeſterreich zum Herrn von Deutſchland, ich wünſche es, es iſt gut, wenn es ausführbar iſt; nur denken Sie nicht an die alten Montaigues und Capulets und an dieſe Zierden alter Ritterſäle; ſoll ſich der blutige Kampf, den Deutſch⸗ land 20 Jahre unglücklich beſtanden, und zu dem es

*) Bei Pertz III, 224 ff.