Aufsatz 
Claudius Gothicus : ein Beitrag zur römischen Kaisergeschichte / von Albert Duncker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

42

war für den Augenblick, da das palmyreniſche Heer ſich in ſolchem Zuſtande befand, daß es froh ſein mußte, jetzt ſeinen Rückzug ungehindert fortſetzen zu können, Aegypten von der feindlichen Invaſion befreit und die Theile des Landes, welche es mit den Feinden gehalten hatten, wurden von Neuem zur Anerkennung von Claudius Herrſchaft gezwungen, aber der Mann war gefallen, der allein ſich fähig gezeigt hatte, das Land vor den Angriffen der herrſchſüchtigen Machthaberin des Oſtens zu ſchützen. Einem neuen Einfalle ihrer Truppen, der zwar von den Geſchichtſchreibern nicht ausdrücklich berichtet wird, ſich aber dennoch aus den Münzen des Vaballath, in deſſen Namen ſie ſelbſt das Reich beherrſchte, ſowie aus der Geſchichte Aurelians ergibt,*) vermochte die Provinz um ſo weniger zu widerſtehen, als inzwiſchen der Frühling 270 war ſchon herangekommen die Verhältniße im Weſten durch unvorhergeſehene Ereigniße eine ganz andere Geſtalt gewonnen hatten und dadurch der palmyreniſchen Eroberungsſucht für eine Zeit lang noch größerer Spielraum, als bisher, geboten ward.

Wir hatten unſeren Blick von Claudius perſönlicher Thätigkeit in dem Augenblicke abgewandt, als er nach Vernichtung der Hauptmaſſe des Gothenheeres und Umzingelung der noch in Hämus und Rhodope befindlichen Ueberbleibſel desſelben ſeine Winterquartiere in Möſien bezogen hatte. Die Ruheſtörer gänzlich zu vertilgen, begann im Beginn des Jahres 270, wo Antiochianus und Orfitus zu Rom die Conſulwürde bekleideten, der Kampf von Neuem, nicht ohne daß die Trümmer der zerſprengten Barbarenhorden noch rühmlichen, wenn auch auf die Dauer erfolgloſen Widerſtand geleiſtet hätten. So erlitten die Römer von den Gegnern, mit denen ſie nunmehr leichtes Spiel zu haben glaubten, in Folge ihrer Sorgloſigkeit und ihres allzu unvorſichtigen Haſchens nach Beute, zum Theil auch wohl, weil Eiferſucht zwiſchen Reiterei und Fußvolk ihre Bewegungen lähmte, im Hämus eine empfindliche Schlappe, bei der ſie an 2000 Mann verloren und nur durch die Dazwiſchenkunft einer anderen Heeresabtheilung, an deren Spitze ſich der Kaiſer ſelbſt befand, vor größerem Verluſt bewahrt wurden. Die Barbaren aber, welche dieſe Niederlage verurſacht hatten, wurden jetzt, da man ohne Zweifel die Aufforderung zur Uebergabe ſchon längſt an ſie geſtellt und aus ihrer längeren Unthätigkeit ihre Geneigtheit zur Unterwerfung ſchließen zu dürfen geglaubt hatte, zugleich auch, um durch ein abſchreckendes Beiſpiel allen ferneren Widerſtand zu brechen, um ſo härter behandelt. Denn nachdem ſie der Kaiſer beſiegt, ſandte er die, welche lebend in ſeine Hände gefallen waren, nach Rom, damit ſie dort in den öffentlichen Spielen der Schauluſt des hauptſtädtiſchen Pöbels dienten.

*) Der trefflichen Entgegnung, die Bernhardt in den Nachträgen zu ſeinem ofterwähnten Buche p. 308 sqq. der Vermuthung Th. Mommſens in der Salletſchen SchriftDie Fürſten von Palmyra unter Gallienus, Claudius und Aurelianus p. 44 sq., die Beſitzergreifung Aegyptens durch die Palmyrener betreffend, zu Theil werden läßt, ſchließe ich mich vollſtändig an, wie meine obige Darſtellung dieſer Ereigniße zeigt. Nur möchte ich noch auf den Umſtand aufmerkſam machen, daß bei Erzählung der fraglichen Vorgänge nicht nur eine Ungenauigkeit des Pollio, ſondern auch eine des Zoſimus vorliegt, der die zweite Wiedergewinnung Aegyptens für den Kaiſer,(I, 44.), welche nach Probus Tode erfolgte, wie ſie uns ſowohl er ſelbſt durch ſeine Worte:xGel 10 0 01 1 diyiumπo⁵ IIa³ειιυοινο⁹ς 1.Mιυνον als Pollio H. A. Claud. 11. durchAegyptii uero omnes se Romano imperatori dederunt in absentis Claudii uerba jurantes beſtätigen, mit Stillſchweigen übergangen hat und den neuen, alſo dritten Angriff der Zenobia und die ſchließliche Beſitzergreifung des Landes durch die Palmyrener, die erſt um die Zeit von Claudius Tode erfolgt ſein wird, nur ganz kurz in den Anfangsworten von I, 45.17/8 Aiyuou 700ν νννuυemη☚ IIadιυοννος pνομμέινννκι und im Beginn von I, 50. andeutet, wo er von Aurelians Kriegsplänen ſpricht.