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Nicht viel beßer als der Hauptmacht des gewaltigen Heeres, das im Beginn des Jahres zu Waßer und zu Lande in das Reich eingedrungen war, war es jenem Geſchwader ergangen, das ſich am Athos von ſeinen Stammgenoßen getrennt und nach vergeblichen Angriffen auf die Oſtküſte Griechen lands ſeinen Lauf an Creta und Rhodus vorüber der Südküſte Kleinaſiens zu genommen hatte. Die Verſuche auf Cypern und die pamphyliſchen Küſtenplätze ſchlugen gleichfalls fehl und daß man dieſe Feinde bald nicht mehr ernſtlich fürchtete, beweiſt der Umſtand, daß der Admiral Probus, der vom Kaiſer den Auftrag erhalten hatte, gegen ſie zu kreuzen, jene Gegenden, ohne ſie völlig vernichtet zu haben, bald verließ und nach Aegypten zur Erfüllung einer ungleich wichtigeren Pflicht hinſegelte, offenbar in dem Gedanken, daß Hunger und Seuchen, die unter den entmuthigten Feinden ſchon zu wüthen begannen, ebenſo raſch oder vielleicht noch raſcher als das Schwert ſie gänzlich vernichten oder zum Rückzug zwingen würden. Seine Berechnung erwies ſich auch als ganz richtig; denn bald traten die Barbaren, entkräftet und niedergeſchlagen durch den allſeitigen ſchmählichen Ausgang ihres mit ſo gew altigen Mitteln ins Werk geſetzten Unternehmens, die Rückfahrt an, die ſie glücklich bis in den Pontus bewerkſtelligt zu haben ſcheinen. Dort machten ſie im Frühlinge 270 noch einmal von ſich reden, indem ſie, um ſich wenigſtens einigermaßen für die erlittenen Verluſte und die leeren Hände, mit denen ſie diesmal nach Hauſe kehrten, zu entſchädigen, noch einen Angriff auf die möſiſche Küſtenſtadt Anchialus(j. Akelo bei B urg as) wagten, der aber an der Tapferkeit der Provincialen kläglich ſcheiterte und zu dieſem unglückliche Unternehmen den unglücklichen Schluß bildete.*)
Zu derſelben Zeit, wo auf der Balkanhalbinſel gefochten wurde, war auch Aegypten der Schauplatz blutiger Kämpfe geworden, die ſchließlich den Verluſt dieſes reichen Landes an die Palmyrener zur Folge hatten. Wie wir ſchon früher geſehen, war Claudius von Anbeginn ſeiner Regierung an der mächtigen Beherrſcherin des Oſtens mit diplomatiſcher Klugheit entgegengetreten und hatte daher, ſo lange er von anderer Seite unangefochten geblieben war, nichts von ihr zu fürchten gehabt. Als aber der Gothenkampf ſeine Kräfte vollauf in Anſpruch nahm, glaubte Zenobia dieſe günſtige Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen laßen zu dürfen, zur Ausführung ihrer längſt gehegten Machterweiterungspläne zu ſchreiten. Vor allem war Aegypten, der Schlüßel des Orients, das Ziel ihrer Wünſche, deſſen Bevölkerung ohnehin leicht zu Neuerungen geneigt und der Römerherrſchaft nie beſonders zugethan war. Noch war es nicht lange her, daß Gallienus Feldherr Theodotus dort den Uſurpator Aemilianus vernichtet hatte und ſchon wieder fanden ſich unter den Aegyptern unruhige Köpfe, die, mit der Schwäche des Reichs wohl bekannt, ſei es von perſönlichem Ehrgeiz angeſtachelt, ſei es, weil ſie die Herrſchaft von
*) Das„superati sunt“ bei H. A. Claud. 12. braucht keineswegs zu bedeuten, daß das Geſchwader in der Gegend von Creta und Cypern zu Grunde ging; denn aus 2os. I, 46. erfahren wir ja auch, daß ſie wirklich ihren Rückzug bewerkſtelligt haben, und ſo liegt es denn nahe, unter dieſen Gothen die zu verſtehen, welche zu Quintillus Zeit den Angriff auf Anchialus machten(H. A. Claud. a. a. O.), der ſonſt ſchwerlich zu der gänzlichen Vernichtung der Gothen in Thracien und Möſien, wie ſie die Berichte des Claudius melden, ſtimmen würde. Die an derſelben Stelle erwähnte Beſetzung von Nicopolis dürfte wohl nicht auf die an der Mündung der Aluta gelegene bekannte Stadt dieſes Namens, ſondern auf das nicht weit von der Neſtusmündung in der Nähe des Rhodope gelegene Nicopolis, das ebenfalls Trajan gründete, zu beziehen ſein. Denn an einen Uebergang über die Donau ſeitens einer gothiſchen Schaar iſt doch unmittelbar nach dieſen Niederlagen ſchwer zu denken. Es mag noch ein letzter Reſt der in den Rhodope geflüchteteten Barbaren geweſen ſein, der dort bald nach Claudius Tod ſein Ende fand.


