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Bericht von ſeinen Großthaten nur dem Ruhme der conſtantiniſchen Familie als Folie dienen zu laſſen. So kommt es, daß die 18 ſchwülſtigen lobhudelnden Capitel des Trebellius Pollio, aus denen die Vita des Claudius in den Scriptores Historiae Augustae beſteht, für die Feſtſtellung der Geſchichte dieſes Herrſchers nur eine verhältnismäßig geringe Ausbeute gewähren und neben manchem Werthvollen doch auch vieles Unbrauchbare und Unwichtige enthalten, während nicht wenige wichtige Dinge erſt aus den weit kürzeren Berichten des Zoſimus, Zonaras, Aurelius Victor und deſſen Epitomator, endlich aus Münzen und Inſchriften hervorgeſucht werden müſſen. Auch der Panegyriker Eumenius, die Byzantiner Syncellus und Malalas bieten einige Notizen; Oroſius und Julianus Apoſtata thun ganz kurz in ihren Schriften ſeiner Erwähnung.
Als Claudius den Thron beſtieg, war er bereits in dem gereiften Alter von 54 Jahren.*) Was ſein Aeußeres betrifft, ſo werden feurige, durchdringend blickende Augen und ein ſchlanker, kräftiger Körperbau an ihm gerühmt, und dieſen Schilderungen entſprechend erſcheint auch ſein Kopf auf den Münzen als der eines hageren Mannes mit vollem Bart, im Proofil nichts weniger als ſpeeifiſch römiſchen Typus an ſich tragend. Die markirten Züge, die ſchmalen Lippen drücken Kraft und Entſchloßenheit aus und ohne Zweifel ſieht man es dieſem Antlitze an, daß die Berichte von der ungemeinen Körperkraft, die dem Kaiſer innegewohnt haben ſoll, recht wohl auf Wahrheit beruhen können. Und was Herkunft und Naturanlage ihm nicht ſchon an Sinn für Einfachheit, an Kraft und Fähigkeit zur Ertragung von Mühſalen und Strapazen verliehen, das hatte ihm ſicher die harte Schule eines langjährigen Kriegsdienſtes erworben. Hatte er doch unter der Herrſchaft von fünf Kaiſern in des Reiches Dienſt die Waffen geführt und in Weſt und Oſt, in Galliens Fluren, wie an den Ufern des Euphrat oder auf den Höhen des Hämus ſein gutes Schwert den Feinden Roms furchtbar gemacht. Am Ende der Regierungszeit des Philippus oder zu Beginn von Decius Herrſchaft in das Heer getreten, zog er zuerſt die Aufmerkſamkeit des letztgenannten Regenten auf ſich, als er im Soldatenſpiel, das im März von Decius erſtem
*) Wietersheim„Geſchichte der Völkerwanderung“ III, 453, dem Bernhardt gefolgt iſt, will ihn zehn Jahre jünger machen, indem er annimmt, daß bei Euſebius, aus dem die Nachricht über Claudius Alter zur Zeit ſeines Todes ſtammt, urſprünglich nicht„g, ſondern 4418 geſtanden habe. Indeſſen laßen ihn das Chron. P asch. und Malalas, denen doch ohne Zweifel beßere Texte des Euſebius, als wir ſie jetzt beſitzen, zu Gebote ſtanden, ebenfalls 56 Jahre alt ſterben, wodurch alſo eine Corruptel in der gegenwärtigen Lesart des Euſebius ſehr unwahrſcheinlich wird. Und vor allen Dingen bietet dann die Stelle H. A. Claud. 13, wo Claudius, als er ſich an den Soldatenſpielen unter Decius betheiligte, adolescens in militia genannt wird, keine ſolchen Schwierigkeiten, daß man deshalb ſeinen Geburtstag, der nach der Inſchrift bei Orelli I, 1104 auf den 10. Mai fiel, zehn Jahre ſpäter anſetzen müßte. Es iſt recht gut möglich, daß Claudius erſt im Beginn der dreißiger Jahre ſeines Lebens die militäriſche Laufbahn begann und bis dahin in beſcheidenen Verhältniſſen in ſeiner Heimath gelebt hat. Wietersheim a. a. O. kommt dann natürlich in Verlegenheit mit dem Briefe H. A. Claud. 16, in dem Decius dem Präſes von Achaja den Tribunen Claudius bei Uebernahme eines wichtigen Commandos anempfiehlt, was, da Decius ſchon 251 fiel, ſpäteſtens zwei Jahre nach jenem Ringkampfe geſchehen ſein kann. Auch ihm erſcheint es klar, daß einem jungen Manne von 26 Jahren, die damals Claudius nach ſeiner Annahme zählen mußte, eine ſo bedeutende Stellung nicht könne eingeräumt worden ſein. Deshalb kommt er natürlich zu dem Schluß, daß entweder die Nachricht Cl. 13. für irrig zu halten oder das Document auf eine andere Perſon gleichen Namens zu beziehen ſei. Nichts von dem Allen iſt nöthig, wenn wir bei der Lesart des Cuſebius bleiben. annehmen, daß Claudius erſt im Beginn der dreißiger Jahre ſeines Lebens ins Heer eintrat, alſo 249 bei Gelegenheit jener Spiele 35 Jahre alt war(weshalb ihn Decius 251 in jenem Briefe noch recht gut einen juvenis nennen kann),
unter dieſem tüchtigen Herrſcher jedoch ſehr bald nach Verdienſt gewürdigt und ſchnell zu höheren militäriſchen Würden emporgerückt ſei.


