Aufsatz 
Claudius Gothicus : ein Beitrag zur römischen Kaisergeschichte / von Albert Duncker
Entstehung
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Thron der Cäſaren beſtieg, deſſen ſchon faſt erſtorbenen Glanz er durch neuen Ruhmesſchimmer zu verjüngen beſtimmt war. Er eröffnet die Reihe der ſogenannten illyriſchen Kaiſer, die aus den noch unverweichlichten wehrhaften Völkerſchaften der unteren Donaugegenden hervorgiengen. Seinem Stamme nach gehörte er den Dardanern an, einem Bergvolke, das nach den Karten des Ptolemaeus an den Nordabhängen des Scardus(j. Schar Dagh) ſeinen Sitz hatte. Da ihr Gebiet nach Weſten unmittelbar an Dalmatien ſtieß, zu jener Zeit auch mit dieſem Lande in einem Provinzialverbande ſtand, ſo iſt es leicht erklärlich, daß Trebellius Pollio ihn auch dalmatiſcher Herkunft ſein läßt.*) Ueber die Namen und den Beruf ſeiner Eltern ſchwebt vollſtändiges Dunkel;**) ein Beweis dafür, daß ſie ganz niedrigen Standes, wahrſcheinlich Landleute, waren, dürfte wohl darin zu ſuchen ſein, daß die Hofgeſchichtsſchreiber und Panegyriker des vierten Jahrhunderts, die ſicherlich genau nach der Herkunft des Claudius und ſeiner Geſchwiſter forſchten, um ſich beim conſtantiniſchen Kaiſerhauſe Dank zu verdienen, nichts über ſie in Erfahrung bringen konnten, während ſie mit den Schickſalen ſeiner gleichfalls zu Ehren gekommenen Geſchwiſter eine verhältnismäßig genaue Bekanntſchaft zeigen. Er ſcheint nicht vermählt geweſen zu ſein, da weder Frau noch Kinder von ihm irgendwo erwähnt werden. Nach IHI. A. Claud. 13. hatte er zwei Brüder, Crispus und Quintillus. Auch Schweſtern werden genannt, von denen eine, mit Namen Conſtantia, einem in den Oſtprovinzen ſtehenden Offizier vermählt war, indeſſen früh ſtarb. Crispus Tochter Claudia gebar ſpäter in einer Ehe mit Eutropius, einem vornehmen Dardaner, den Begründer des conſtantiniſchen Hauſes, Conſtantius Chlorus, der alſo zu Claudius in dem Verwandtſchaftsverhältnis eines Großneffen ſtand,**r) ein Umſtand, dem wir es hauptſächlich verdanken, daß über unſeren Helden die Quellen etwas reichlicher fließen, als über ſeine Vorgänger. Man betrachtete ihn als den Gründer der Größe des Geſchlechts, konnte indeſſen doch nicht umhin, den

Münzen ſeines Bruders Quintillus eine fernere Beſtätigung erhält. S. CohenDescription historique des

monnaies frappées sous Pempire Romain. V. 113120.

Nur die grenzenloſe Unwiſſenheit des Pollio oder ſeine ſervile Schmeichelei gegen den Verwandten des Claudius, den

Kaiſer Conſtantius, kann es erklären, daß er ſeine Quellen, die ihm berichteten, Claudius ſei ein Dardaner geweſen,

ſo verſteht, als ob damit eine Abkunft von jenem bekannten troiſchen Ahnherrn gemeint geweſen ſei. Was Bernhardt

p. 122 mit den Wortender Dalmatier wurde zum Dardaner verkehrt will, verſtehe ich nicht recht, da man doch

annehmen darf, daß ihm die Exiſtenz des dardaniſchen Bergſtamms nicht unbekannt war. Denn das Volk wird ja öfters

erwähnt, wie z. B. Caes. B. C. 3, 4, Cic. Sest. 43, 94, Plin. 3, 26, 29 u. ö. Somit iſt ſeine künſtliche Erklärung der Entſtehung dieſer Bezeichnung ganz ungerechtfertigt und müßen wir vielmehr den Quellen beipflichten, die ihn ſowohl

Illyrier als Dalmatier und Dardaner nennen.

**) Die ganz alleinſtehende Angabe des Victor in Ep. 34, wonach Claudius der illegitime Sohn eines Gordian geweſen, iſt der von Pollio genau erwähnten Geſchwiſter wegen höchſt unwahrſcheinlich und gehört unter die Märchen, durch die man zu allen Zeiten die Abkunft aus niederem Stande hervorgegangener und nachher bedeutend gewordener Männer in myſteriöſer Weiſe auszuſchmücken geſucht hat. Ebenſo erſcheint die H. A. Prob. 3 erwähnte Verwandtſchaft mit Probus ſchon dem Vopiscus nicht glaublich und die ganze Sache iſt anſcheinend nur des Namens von Probus Schweſter wegen und der dem Geburtslande des Claudius nicht fern gelegenen Heimath jenes Kaiſers entſtanden.

zon. XII, 26 nennt Conſtantius Chlorus den Sohn der Tochter des Claudius, Eumenius Pan. Constantini 2, ſpricht nur im Allgemeinen vonavita cognatio desſelben mit Claudius. Obſchon nun die Möglichkeit nicht ausgeſchloßen iſt, daß Claudius ſeine Nichte adoptirt habe und auch die bei Cilly gefundene Inſchrift des Conſtantius Orelli-Hentzen III, 5258 dieſen einenabnepos des Claudius nennt, iſt hier doch der Glaubwürdigkeit des Pollio unbedingt der Vorzug zu geben, da dieſer bei ſeiner Auseinanderſetzung ſich eine ſo directe Abſtammung, wie ſie Zonaras angibt, ſicherlich nicht hätte entgehen laßen.

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